Publizistische Qualität leidet unter der Digitalisierung
Die universelle Verfügbarkeit von publizistischen Informationsangeboten hat auch ihre Schattenseiten: Die inhaltliche Qualität erodiert. Dies ist das Ergebnis einer neuen Expertenbefragung von Publicom.
Bereits erfolgt gegen die Hälfte des Konsums an tagesaktuellen Informationsangeboten online über digitale Kanäle. Doch die universelle Verfügbarkeit ist das eine, das andere ist die Qualität der Information, und diese nimmt ab, wie Publicom in einer Mitteilung schreibt. Zwei Drittel der befragen Experten sind sich einig: Online-Information hat ein Qualitätsproblem. Zum einen wächst die Fehlerquote wegen des Zwangs zur Geschwindigkeit und weil immer mehr Akteure auf Ereignisse reagieren. Zum anderen favorisiert die Orientierung der Journalisten an den Klickraten massentaugliche, seichte Inhalte. Keine Einigkeit herrscht hingegen, was die Folgen dieser Entwicklung für die Medienmarken sind. Zwar glaubt eine klare Mehrheit der Experten, dass Medienmarken im Netz ihren Markenwert erheblich steigern können, doch ob Online-Medien heute und in naher Zukunft die Funktion von Leitmedien übernehmen können, ist ungewiss. Fast die Hälfte der Befragten glaubt, dass dies möglich ist, eine knappe Mehrheit ist skeptisch.
Bezahlangebote vor ungewisser Zukunft
Ungeklärt ist auch nach wie vor die Frage der Finanzierung von Online-Informationen. Nur ein Viertel der Befragten glaubt, dass kostenpflichtige Online-Angebote sich früher oder später durchsetzen werden. Insbesondere für Mainstream-News und Unterhaltung bestehe kaum Zahlungsbereitschaft. Doch sind sich die Experten weitgehend einig, dass das Publikum bereit ist, für qualitativ hochwertige Exklusivinhalte in die Tasche zu greifen. Wie solche Inhalte beschaffen sein müssen, ist aber weniger klar. Am ehesten vermuten die Experten Zahlungsbereitschaft für Wirtschafts- und Finanzmarktinformationen, während für internationale News, Sport und Boulevardthemen kaum Hoffnung besteht.



Unter dem Begriff Delphinarium publiziert das auf Medienforschung und –beratung spezialisierte Unternehmen Publicom zweimal jährlich Ergebnisse einer Expertenbefragung. Am Panel sind vierzig Fachleute der führenden Medienunternehmen sowie Vertreter aus Werbung, Medienjournalismus, Kommunikationswissenschaft und Corporate Communications beteiligt.
Weitere Informationen zur Studie auf Publicom.ch
