«Probieren statt studieren»

Welt-Herausgeber Jan-Eric Peters über deren kleinformatiges, aber gross angelegtes Schwesterblatt.

Welt-Herausgeber Jan-Eric Peters über deren kleinformatiges, aber gross angelegtes Schwesterblatt.WW Der börsenkotierte Springer Verlag erhofft sich vom Test einer neuen, überregionalen Qualitätszeitung ein innovativeres Image. Was versprechen Sie sich von der kleinen Welt?Jan-Eric Peters Uns geht es nicht um abstrakte Reputation, sondern um die konkreten Marktchancen eines kleinformatigen deutschen Intelligenzblatts. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung hat England hier übrigens keineswegs die Vorreiterrolle. In Skandinavien sind nämlich aus entsprechenden Experimenten schon lange erfolgreiche Produkte geworden.
Wie Ringier betreiben auch Sie statt der bislang üblichen Pre-Tests gleich Live-Marktforschung. Warum?
Mit der Haltung «Probieren geht über Studieren» machen wir gute Erfahrungen. Unser polnischer Boulevardtitel Fakt etwa hätte nach Meinung aller Experten gnadenlos floppen müssen – und entwickelte sich dann in kürzester Zeit zur grössten Zeitung des Landes.
Als Testmarkt für «Welt Kompakt» fungiert der Grossraum Düsseldorf …
… weil er ein repräsentativer Ballungsraum ist für die Welt, sodass wir das Versuchsresultat nach acht Wochen recht gut hochrechnen können.
Welche Rolle spielten bei dieser Wahl die Pendlerströme?
Eine sehr untergeordnete. Die «Welt Kompakt» wird kein mit Agenturmeldungen abgefülltes Pendlerblatt, sondern die erste Vollzeitung mit profundem Nachrichten- und Meinungsteil, die man auch unterwegs bequem lesen kann.
Das mit 50 Cent nur halb so teure Tabloid dürfte das Mutterblatt kannibalisieren. Wenn Sie damit auf britische Trends anspielen: Im Gegensatz zu Independent und Times bringen wir mit dem neuen Format auch neue Inhalte. Während die Stärke der Welt in der Reflektion und viel Hintergrund liegt, wird die Welt Kompakt newsorientiert sein
und den späten Redaktionsschluss um Mitternacht nutzen, um höchste Aktualität zu bieten. Damit wollen wir ganz neue Leserkreise ansprechen.
Kurz nach Lancierung von «Welt Kompakt» am 24. Mai tritt Ihr neuer, Formatwechsel-erprobter Chefredaktor Roger Köppel den Dienst an. Ein Zufall?
Ja. Wir werden uns auch über dieses Thema austauschen, aber Roger kommt ja, um sich mit der Welt zu beschäftigen. Für die Welt Kompakt habe ich ein eigenständiges zehnköpfiges Team zusammengestellt.
Interview:
«Vollzeitung»:Jan-Eric PetersOliver Classen

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