Internethörer, die unbekannten Wesen
Internet Radiohören und Fernsehen ab Internet spielen derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Wenn die Medienkonvergenz aber zunimmt, muss die Nutzung gemessen werden können.
Internet Radiohören und Fernsehen ab Internet spielen derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Wenn die Medienkonvergenz aber zunimmt, muss die Nutzung gemessen werden können.Zum Streaming, dem Radiohören und Fernsehen im Web, gibt es in der Schweiz kaum verlässliche Daten – und vor allem weiss man wenig über Surfer-Vorlieben. SF DRS hat im Juni einen Versuch mit Live-Streams gestartet, diesen jedoch aus juristischen Gründen nach zwei Tagen eingestellt. Anders beim Medium Radio: Wer an seinem PC arbeitet, kann heute nebenher alle DRS-Sender (www.drs.ch) und die vielen Privatsender (www.radioplay.ch) hören, je nach PC und Leitung aber bis zu einer halben Minute verzögert.Exakte Zahlen zur Web-Radionutzung sind derzeit nicht erhältlich. Das Radiocontrol-System nimmt zwar das Streaming unter bestimmten Bedingungen wahr (siehe Kasten), doch kann die Uhr die Quelle des Signals (Radio, PC, Warenhaus-Lautsprecher) nicht identifizieren.
Auch MMXI Switzerland, das die Internetnutzung in der Schweiz misst, kann nur wenig Licht auf die Sache werfen. Das MMXI-Panel weist beispielsweise aus, dass von 56000 Personen, die im Juli mindestens einmal die Site www.drs.ch besuchten, 21 Prozent auch das DRS-Webradio direkt anwählten. Ob sie tatsächlich Radio hörten, welchen Sender und wie lange, lässt sich nicht ohne weiteres eruieren.
Lang kann es nicht gewesen sein, da die Gesamtpräsenz pro Besucher auf drs.ch im ganzen Monat Juli nur sieben Minuten betrug. Gemessen am durchschnittlichen Radiokonsum von 121 Minuten pro Person und Tag, ist das Radio-Streaming somit (noch) eine zu vernachlässigende Grösse. Wer also vor dem PC sitzt und gleichzeitig Radio hört, tut dies über einen separaten Empfänger, in vielen Fällen wohl auch aus finanziellen Gründen (Telefongebühren).
Doch bei MMXI will man mehr erfahren. «MMXI hat den Anspruch, die Internetnutzung zu messen, also müssen wir auch diese Form der Internetnutzung ausweisen können», sagt Urs Wolfensberger, Geschäftsführer MMXI Switzerland. Sollte die Medienkonvergenz tatsächlich intensivere Züge annehmen, wolle man der Wirtschaft am Tag X jene Mittel bereitstellen können, die sie dann benötige, sagt er.
Nach 30 Minuten inaktivNoch sind aber zwei technische Probleme zu knacken: MMXI sammelt schon heute Daten über sämtliche Vorgänge am PC der Panelteilnehmer, doch können die Streaming-Aktivitäten nicht in allen Fällen eindeutig identifiziert und zugeordnet werden. Das zweite: Wenn ein geöffneter Browser auf dem Bildschirm eines Panelteilnehmers rund eine halbe Stunde keine neuen Clicks aufweist, beurteilt ihn das MMXI-System als inaktiv. Beim Streaming ist dies aber verhängnisvoll, denn Webradio-Browser bleiben – einmal aufgestartet – während längerer Zeit im Hintergrund geöffnet, während im Vordergrund gesurft oder gearbeitet wird. Die künftige Internetmessung muss also die Streaming-Browser identifizieren und gleichzeitig jede weitere (Internet-)Aktivität auf dem Bildschirm registrieren können.
Ein weiteres Problem stellt die Nutzung von Downloads dar. Idealerweise wird die künftige Internetmessung angeben können, was woher aus dem Web geladen wurde (ab CD, ab Internet) und wann oder wie oft diese Downloads genutzt wurden. Die grosse Kunst wird darin bestehen, im Falle von Sende-Downloads deren Nutzung auch den jeweiligen Sendern zuzuordnen. Obs so weit kommen wird, weiss auch Urs Wolfensberger nicht. Doch schon im Herbst macht MMXI einen weiteren Schritt: Dann wird das Panel auch Real Player oder Quicktime identifizieren können, Applikationen also, mit denen gestreamt wird.
Das Streaming-Problem wird nicht das letzte sein, das einer Lösung harrt. Wolfensberger sieht weitere auf die Forschung zukommen: Wie soll man messen und richtig zuordnen, wenn Internet oder Radio vielleicht per Handy, die Zeitung am PC oder TV und Internet im Auto genutzt werden? «Je stärker die einzelnen Medien ihre Distributionskanäle diversifizieren, desto komplizierter wird ein adäquates Abbild der konkreten Nutzung», sagt er.
Bevor eines Surfers Web-Hörgewohnheit gemessen werden kann, sind noch viele Hindernisse zu überwinden.
Auch Steinmann ist am Ball«Radiocontrol kann Radionutzung ab Internet messen, sofern die Ausstrahlung nicht mehr als zehn Sekunden verzögert ist», sagt Matthias Steinmann, Leiter des SRG-Forschungsdienstes. Bei grösserer Verzögerung würden eine zusätzliche Software und je nachdem auch Hardware benötigt. «Aber es ist technisch lösbar, wir
arbeiten daran», sagt er. Doch das Streaming hält er für nicht allzu relevant, ihn beschäftigt ein anderes Problem mehr: Die Möglichkeit neuer TV-Geräte, Sendungen zu speichern und zeitverzögert wiederzugeben. «Das kommt», sagt er bestimmt, «und Telecontrol wird dafür gerüstet sein.» (mk)
Markus Knöpfli
Auch MMXI Switzerland, das die Internetnutzung in der Schweiz misst, kann nur wenig Licht auf die Sache werfen. Das MMXI-Panel weist beispielsweise aus, dass von 56000 Personen, die im Juli mindestens einmal die Site www.drs.ch besuchten, 21 Prozent auch das DRS-Webradio direkt anwählten. Ob sie tatsächlich Radio hörten, welchen Sender und wie lange, lässt sich nicht ohne weiteres eruieren.
Lang kann es nicht gewesen sein, da die Gesamtpräsenz pro Besucher auf drs.ch im ganzen Monat Juli nur sieben Minuten betrug. Gemessen am durchschnittlichen Radiokonsum von 121 Minuten pro Person und Tag, ist das Radio-Streaming somit (noch) eine zu vernachlässigende Grösse. Wer also vor dem PC sitzt und gleichzeitig Radio hört, tut dies über einen separaten Empfänger, in vielen Fällen wohl auch aus finanziellen Gründen (Telefongebühren).
Doch bei MMXI will man mehr erfahren. «MMXI hat den Anspruch, die Internetnutzung zu messen, also müssen wir auch diese Form der Internetnutzung ausweisen können», sagt Urs Wolfensberger, Geschäftsführer MMXI Switzerland. Sollte die Medienkonvergenz tatsächlich intensivere Züge annehmen, wolle man der Wirtschaft am Tag X jene Mittel bereitstellen können, die sie dann benötige, sagt er.
Nach 30 Minuten inaktivNoch sind aber zwei technische Probleme zu knacken: MMXI sammelt schon heute Daten über sämtliche Vorgänge am PC der Panelteilnehmer, doch können die Streaming-Aktivitäten nicht in allen Fällen eindeutig identifiziert und zugeordnet werden. Das zweite: Wenn ein geöffneter Browser auf dem Bildschirm eines Panelteilnehmers rund eine halbe Stunde keine neuen Clicks aufweist, beurteilt ihn das MMXI-System als inaktiv. Beim Streaming ist dies aber verhängnisvoll, denn Webradio-Browser bleiben – einmal aufgestartet – während längerer Zeit im Hintergrund geöffnet, während im Vordergrund gesurft oder gearbeitet wird. Die künftige Internetmessung muss also die Streaming-Browser identifizieren und gleichzeitig jede weitere (Internet-)Aktivität auf dem Bildschirm registrieren können.
Ein weiteres Problem stellt die Nutzung von Downloads dar. Idealerweise wird die künftige Internetmessung angeben können, was woher aus dem Web geladen wurde (ab CD, ab Internet) und wann oder wie oft diese Downloads genutzt wurden. Die grosse Kunst wird darin bestehen, im Falle von Sende-Downloads deren Nutzung auch den jeweiligen Sendern zuzuordnen. Obs so weit kommen wird, weiss auch Urs Wolfensberger nicht. Doch schon im Herbst macht MMXI einen weiteren Schritt: Dann wird das Panel auch Real Player oder Quicktime identifizieren können, Applikationen also, mit denen gestreamt wird.
Das Streaming-Problem wird nicht das letzte sein, das einer Lösung harrt. Wolfensberger sieht weitere auf die Forschung zukommen: Wie soll man messen und richtig zuordnen, wenn Internet oder Radio vielleicht per Handy, die Zeitung am PC oder TV und Internet im Auto genutzt werden? «Je stärker die einzelnen Medien ihre Distributionskanäle diversifizieren, desto komplizierter wird ein adäquates Abbild der konkreten Nutzung», sagt er.
Bevor eines Surfers Web-Hörgewohnheit gemessen werden kann, sind noch viele Hindernisse zu überwinden.
Auch Steinmann ist am Ball«Radiocontrol kann Radionutzung ab Internet messen, sofern die Ausstrahlung nicht mehr als zehn Sekunden verzögert ist», sagt Matthias Steinmann, Leiter des SRG-Forschungsdienstes. Bei grösserer Verzögerung würden eine zusätzliche Software und je nachdem auch Hardware benötigt. «Aber es ist technisch lösbar, wir
arbeiten daran», sagt er. Doch das Streaming hält er für nicht allzu relevant, ihn beschäftigt ein anderes Problem mehr: Die Möglichkeit neuer TV-Geräte, Sendungen zu speichern und zeitverzögert wiederzugeben. «Das kommt», sagt er bestimmt, «und Telecontrol wird dafür gerüstet sein.» (mk)
Markus Knöpfli
