Blocher sieht «keinen Sinn» in Beteiligung an NZZ

In der Sonntagspresse stellt Christoph Blocher ein Interesse an der NZZ in Abrede. Der Verwaltungsrat scheint sich für Markus Somm als Spillmann-Nachfolger entschieden zu haben – könnte mit dem Plan aber auf erheblichen Widerstand stossen.

Er habe keinen Appetit auf die NZZ, sagte Blocher in einem Interview, das in der Sonntagszeitung und im Matin Dimanche erschien. «Das würde auch keinen Sinn machen.» Denn um Aktionär bei der NZZ zu sein, müsse man freisinnig sein. Er habe aber nicht vor, die Partei zu wechseln. Einen Abgang Somms bei der BaZ würde er bedauern, habe aber – wie für jede Schlüsselposition – einen möglichen Ersatz im Hinterkopf. Seine Bemerkung in der «Arena», man würde in vier Wochen mehr über eine von ihm geführte, harte Verhandlung erfahren, habe aber nichts mit den Medien zu tun.

Auch einen Deal zwischen der BaZ und der NZZ schliesse er «eindeutig» aus. «Die Medienvielfalt-Holding wurde ja extra gegründet, um die BaZ verlagsunabhängig zu halten», sagte Blocher. «Es gibt keine Verhandlungen, in keiner Art und Weise», sagte Blocher dazu auch in einem Interview mit der Zeitung Schweiz am Sonntag.

Jornod weibelte für Somm

Auch wenn sich Blocher nicht direkt an der NZZ beteiligen will, ist für die Sonntagspresse klar, dass der linientreue Markus Somm die Nachfolge von Spillmann antreten soll. Zumindest wenn es nach dem Willen des Verwaltungsrats geht. Laut Recherchen der Sonntagszeitung soll sich NZZ-Präsident Etienne Jornod persönlich im Verwaltungsrat für die «strammere politische Linie» Somms stark gemacht und eine Mehrheit überzeugt haben.

Die Ernennung Somms zum Chefredaktor könnte laut Schweiz am Sonntag für grossen internen Wirbel sorgen. Mehrere Kader – darunter Inlandchef René Zeller – sollen mit der Kündigung gedroht haben, sollte Somm ihr neuer Chef werden. Die Redaktion beharre zudem auf den Redaktionsstatuten, wonach sie bei einem Chefredaktionswechsel angehört werden müsse. Am Dienstag ist eine Sitzung des Verwaltungsrats mit den Ressortleitern angesetzt. Laut Autor Christof Moser glauben NZZ-Quellen, der Verwaltungsrat unterschätze die Brisanz der Personalie Somm bei Aktionären, Mitarbeitern und Leserschaft «komplett» und der «Somm-Coup» könne womöglich noch vereitelt werden. (hae/SDA/SaS/Soz)

Bild: Keystone
 

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