Aufmarsch an der Wigger

Lokalzeitungen Mit vier Bünden und mehr Farbe setzt der Willisauer Bote zur Eroberung des Wiggertals an.

Lokalzeitungen Mit vier Bünden und mehr Farbe setzt der Willisauer Bote zur Eroberung des Wiggertals an.
Das Luzerner Hinterland wird zu eng für den Willisauer Boten. Mit einer Abdeckung von über 70 Prozent der Haushalte ist ein Wachstum kaum noch möglich. Deshalb expandiert die Lokalzeitung (Auflage: 10715 Exemplare) ins Wiggertal. Ab Ende April erscheint sie mit der Splitausgabe Wiggertaler Bote. «Im luzernischen Teil des Wiggertals sehen wir Potenzial», sagt Verlagsleiter und Chefredaktor Josef J. Zihlmann, der lieber von einem Kopfblatt spricht. Der Willisauer Bote werde seit Jahren bestürmt, seine Präsenz in dieser Region auszubauen. Die Gegend um Reiden und Nebikon ist jedoch kein journalistisches Ödland: Seit 100 Jahren erscheint dort die Wochenzeitung Der Oberwiggentaler. Bis Ende 2003 waren die beiden Titel gemeinsam mit dem Trienger Anzeiger im Nord-West-Kombi verbunden.
Fusionsangebot zurückgewiesen
Für Zihlmann lässt sich der Oberwiggertaler nicht mit dem Qualitätsanspruch des Willisauer Boten vergleichen. Er wolle aber niemanden verdrängen und habe auch Gespräche mit dem Konkurrenten über eine Zusammenarbeit geführt. Ergeben habe sich daraus nichts.
Das bestätigt Othmar Meyer, Herausgeber des Oberwiggentalers. Man habe darüber diskutiert, ob sich die beiden Zeitungen zusammenlegen liessen. «Das kam aber von uns aus nicht zu Stande», so Meyer. Den Einmarsch des Willisauer Boten in sein Stammgebiet nimmt er gelassen. «Das Zofinger Tagblatt versuchte auch einmal, hierher zu expandieren. Heute konzentriert es sich wieder auf sein Kerngebiet.» Unterschätzen dürfe man die Situation aber nicht: «Jedes Blatt im eigenen Raum ist ein Konkurrent, bis hin zur Quartierzeitung.»
Die Lancierung der Splitausgabe nutzt der Willisauer Bote zu einem umfassenden Relaunch. Das Blatt wird durchgehend vierfarbig. Das neue
Layout wurde vom einheimischen Gestalter Roger Wermelinger entwickelt, der seine Ausbildung selbst beim Boten absolviert hat. Die Lokalzeitung umfasst künftig vier Bünde statt einen: Mantel, Hinterland, Wiggertal und Sport. Dabei unterscheiden sich die beiden Ausgaben nur in der Frontseite, wo jeweils regionsspezifische Themen angerissen werden.
Der Erscheinungsrhythmus wird von drei- auf zweimal pro Woche verringert. Damit lassen sich die vier Bünde leichter füllen. Ausserdem nimmt dieser Schritt den Aktualitätsdruck von der Redaktion. «Bei drei Ausgaben pro Woche mussten wir immer den Tageszeitungen hinterherrennen», erklärt Zihlmann. Nun könne die Hintergrundberichterstattung aus der Region ins Zentrum rücken. Die Wochenendbeilage Quattro wird nicht mehr
publiziert respektive als Reportageseite in die Zeitung integriert.
Vollstellen statt Volontariate
Als Sparmassnahme will der Verleger den Umbau auf keinen Fall verstanden wissen: «Wir sind gesund und stehen nicht unter finanziellem Druck.» Der Willisauer Bote werde die redaktionelle Leistung ausbauen. Drei Volontariate würden dazu in Vollstellen umgewandelt.
Stillgelegt wird hingegen die eigene Druckmaschine, den Druck des Boten übernimmt die Neue Luzerner Zeitung AG. Die Kapazität der alten Maschine erschöpfte sich auf 32 Seiten mit einer Schmuckfarbe. Alternativ liessen sich vier Seiten vierfarbig drucken, was aber den Umfang auf 24 Seiten reduzierte. «Wenn etwa Migros und Coop gleichzeitig farbig werben wollten, waren wir schon ziemlich blockiert», erzählt Zihlmann. Der Willisauer Bote musste deswegen auch wiederholt Inserate ablehnen. Der Relaunch schafft jetzt Platz für alle.
TraditionsblattDer Willisauer Bote wurde 1887 gegründet. Seit 1922 wird die Lokalzeitung von der Genossenschaft Willisauer Bote Medien und Print herausgegeben. Sie zählt rund 950 Mitglieder – laut Verlagsleiter Josef J. Zihlmann «quer durchs Volk, vom Arbeiter bis zum Direktor». Bisher erschien die Zeitung im Amt Willisau und im angrenzenden Rottal, jeweils am Dienstag, Donnerstag und Samstag. Ab Ende April wird auf Dienstag und Freitag umgestellt. Vom Willisauer Boten werden 9500, vom Wiggertaler Boten 6500 Exemplare gedruckt. Josef J. Zihlmann (das J. unterscheidet ihn vom gleichnamigen Vater) führt das Blatt seit 1976.
Vergangenen Herbst wurde er in den Vorstand des Verbands Schweizer Presse gewählt. Dort übernimmt er das geplante Departement Sozialpartnerschaft. (sm)
Bewegung im Hinterland: Der Willisauer Bote expandiert ins Wiggertal.
Stefano Monachesi

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