Wottsch Werbig, Mann?
Oliver Classen über die mediale Eingemeindung der Balkanschweizer.
Oliver Classen über die mediale Eingemeindung der Balkanschweizer.Politisch geniessen die Einwanderer aus Ex-Jugoslawien schon lange die besondere Aufmerksamkeit der Schweizer Medien. Als Raser, Schläger oder Einbrecher sind sie auf dem Boulevard omnipräsent. Und selbst das NZZ Folio widmete den «Jugos» seine komplette März-Ausgabe – freilich um die unappetitlichen SVP-Klischees differenziert zur Schau und damit in Frage zu stellen.Nun werden die hier ansässigen 370000 Angehörigen der fünf Nachfolgestaaten, welche über 20 Prozent des Ausländeranteils ausmachen, endlich auch als Medienkonsumenten entdeckt. So eröffnet und vermarktet The Cover Media im serbischen und albanischen Nationalfernsehen das erste südosteuropäische TV-Werbefenster Schweiz.
Darüber können hiesige Unternehmen diese nicht nur demografisch, sondern auch kommerziell bedeutsame Zielgruppe ab sofort in ihrer Heimatsprache direkt ansprechen. Bislang funktionierte dies einzig über möglichst bildhafte Aussenwerbung.
Ringier geht gar noch einen Schritt weiter und lanciert kommenden Montag eine europäische Ausgabe seines serbischen Boulevardblatts Blic. Knapp ein Viertel der Startauflage von 45000 Exemplaren enthält eine Schweizer Redaktionsseite und kostet an hiesigen Kiosken 1.50 Franken, das heisst, 30 Rappen weniger als der Blick. Ein paradoxer Zirkelschluss: Der in Zürich stationierte Blic-Korrespondent liefert der neu gegründeten Europaredaktion in Belgrad täglich Storys, die in Frankfurt gedruckt, in Zürich und Umgebung aber erst gelesen werden. Man darf gespannt sein, ob dieses Modell funktioniert und – mehr noch – wer die ersten Inserateseiten der Schweizer Splitausgabe von Blic Europa bucht.
Solange «Jugo» noch ein Schimpfwort ist, braucht es dazu neben Innovationskraft nämlich auch etwas unternehmerische Zivilcourage. The Cover Media wie auch Ringier stellen diese rare Tugend mit ihren (gewiss nicht uneigennützigen) Versuchen der medialen Eingemeindung von Balkanschweizern vorbildlich unter Beweis.
> Oliver Classen, Redaktor
Darüber können hiesige Unternehmen diese nicht nur demografisch, sondern auch kommerziell bedeutsame Zielgruppe ab sofort in ihrer Heimatsprache direkt ansprechen. Bislang funktionierte dies einzig über möglichst bildhafte Aussenwerbung.
Ringier geht gar noch einen Schritt weiter und lanciert kommenden Montag eine europäische Ausgabe seines serbischen Boulevardblatts Blic. Knapp ein Viertel der Startauflage von 45000 Exemplaren enthält eine Schweizer Redaktionsseite und kostet an hiesigen Kiosken 1.50 Franken, das heisst, 30 Rappen weniger als der Blick. Ein paradoxer Zirkelschluss: Der in Zürich stationierte Blic-Korrespondent liefert der neu gegründeten Europaredaktion in Belgrad täglich Storys, die in Frankfurt gedruckt, in Zürich und Umgebung aber erst gelesen werden. Man darf gespannt sein, ob dieses Modell funktioniert und – mehr noch – wer die ersten Inserateseiten der Schweizer Splitausgabe von Blic Europa bucht.
Solange «Jugo» noch ein Schimpfwort ist, braucht es dazu neben Innovationskraft nämlich auch etwas unternehmerische Zivilcourage. The Cover Media wie auch Ringier stellen diese rare Tugend mit ihren (gewiss nicht uneigennützigen) Versuchen der medialen Eingemeindung von Balkanschweizern vorbildlich unter Beweis.
> Oliver Classen, Redaktor
