Wo auch der Zürcher Schneemann essen geht

Wirz bittet für das vegetarische Restaurant Hiltl Karnivoren zu Tisch

Wirz bittet für das vegetarische Restaurant Hiltl Karnivoren zu TischWenn Zürichs erste Adresse für vegetarische Kost, das Restaurant Hiltl, bei Wirz Werbung in Zürich eine neue Kampagne bestellt, entsteht daraus meist ungewöhnliche Werbung. Diesmal hat sich die Crew um CD Matthias Freuler einen Kinospot und Plakate einfallen lassen. Die Kampagne umwirbt Konsumenten, die nur gelegentlich die Vorzüge fleischloser Küche geniessen.Das Hiltl, ein Einzelbetrieb mit gleichsam natürlich gewachsenen Umsatzgrenzen, gart seine Werbung in aller Regel auf kleiner Budgetflamme. Wirz kompensiert diesen Nachteil durch das Auftischen werblicher Leckerbissen, an denen sich auch die Jurys des ADC immer wieder ergötzen.
2001 etwa zeichnete er das Motiv einer Fleisch fressenden Pflanze, die eine Karotte verspeist, mit Silber aus. Einen Silberwürfel erhielt 2002 auch ein mit «Saver Food» betiteltes Sujet, das einen Cervelat mit übergestülptem Kondom zeigt.
Das diesjährige Werbemenü des Vegetarierlokals besteht aus je einem Plakat für die Sommer- und die Wintersaison sowie aus einem Spot, der im Openair-Kino am Zürichsee gezeigt wird, wo das Restaurant für das Catering verantwortlich ist. Die Plakatvisuals werden auf weitere Werbemittel wie etwa auf Postkarten adaptiert.
Männer haben meist noch mehr Vorurteile als Frauen
Der aktuelle Auftritt setzt die bisherige Positionierung fort, wonach vegetarische Kost im Hiltl so gut schmeckt, dass sich auch viele Nichtvegetarier gelegentlich ins Lokal verirren. Die Kampagne entwirft keine Wunschvorstellung, sondern nimmt auf
die reale Zusammensetzung der Gäste Bezug. Die wenigsten Gäste, die bei Rolf Hiltl tafeln, sind nämlich eingefleischte Vegetarier. Laut Matthias Freuler liegt der Anteil der «Teilzeitvegetarier» bei 90 Prozent.
Bei den Printmotiven wurde die begonnene Positionierung durch das Motiv einer Stechmücke weitergeführt, die sich vom Saft einer Tomate ernährt, sowie durch das Sujet eines Schneemannes veranschaulicht, der seine eigene (Rüben-)Nase verspeist.
Im Spot unterläuft einem Vegetarieranfänger, der mit seiner Liebsten in einem Vegi-Lokal isst, ein Lapsus. Die Rose, die er von einem Blumenverkäufer erhält, verzehrt er im Glauben, sie sei ein vom Haus offeriertes Amuse bouche.
«Der Film wird vermutlich ein Heuler. Zeigt er doch ein Restaurant Hiltl, das über sich selbst, über Vegetarier und über die Widerstände schmunzeln kann, die Männer vegetarischem Essen immer noch eher entgegenbringen als Frauen», sagt Freuler. Ernst Weber

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