«Wir wollen den Zustand helvetischen Glückbefindens jetzt festhalten»

Konservator Christian Voyame zur Ausstellung «Happy, das Versprechen der Werbung»

Konservator Christian Voyame zur Ausstellung «Happy, das Versprechen der Werbung»Die Ausstellung «Happy» im Berner Museum für Kommunikation hat in den Medien zumeist negative Reaktionen ausgelöst. Das Ausstellungskonzept verwirre eher, anstatt neugierig zu machen. Ein Vorwurf, den Konservator Christian Voyame nicht gelten lassen will.Was ist das Ziel der Ausstellung und an wen richtet sie sich?
Christian Voyame: Sie soll eine Standortbestimmung sein und sich mit der Frage beschäftigen: Gibt es eine Verbindung zwischen dem Sender und dem Empfänger einer Werbebotschaft? Die Ausstellung richtet sich an ein Laienpublikum, das ja gleichzeitig auch Konsument ist.
Wie entstand die Idee zu dieser Ausstellung?
Voyame: Das Museum für Kommunikation wollte dem Thema Werbung eine Ausstellung widmen, weil Werbung ein Kommunikationsinstrument ist. Als Werbemittel haben wir uns für das Plakat entschieden.
Wie viele Besucher haben Sie bis jetzt gezählt?
Voyame: Seit der Eröffnung Anfang September waren es etwa 9000 Besucher.
Wurden für die Erarbeitung des Ausstellungskonzeptes Werbefachleute beigezogen?
Voyame: Die Person, die das Ausstellungskonzept erarbeitet hat, ist ein ehemaliger Werber. An den Vorbereitungen zur Ausstellung beteiligten sich zudem verschiedene Fachleute aus der Werbebranche.
In den Medien hat die Ausstellung bis jetzt sehr viel Kritik geerntet. Wie gehen Sie damit um?
Voyame: «Sehr viel» ist übertrieben. Sagen wir es mal so: Die Ausstellung hat viele Reaktionen ausgelöst, sowohl positive als auch negative. Dabei möchte ich ein wichtiges Element hervorheben: Das Plakat zur Ausstellung lässt vermuten, dass diese eine kritische Haltung gegenüber der Werbung einnimmt. Die Erwartungen des Publikums mögen deshalb in dem einen oder andern Fall enttäuscht werden. Weitere Reaktionen gab es zum Konzept, das eine erste Annäherung ohne jede Hilfe vorgesehen hat, sieht man einmal vom Flyer beim Eingang ab. Hier haben wir die einseitige Ansprache der Ausstellung korrigiert, indem wir einen Infostand mit einer umfassenden Dokumentation einrichteten. Zudem bieten wir auch kommentierte Führungen an. Und am Sonntag gibt es sogar einen so genannten «Happy»-Guide als Animator, der durch die Ausstellung führt.
Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den Kritiken?
Voyame: Wenn eine Ausstellung einer externen Fachperson anvertraut wird, darf es nicht überraschen, wenn sich der Ausstellungsstil ändert. Der Kurator und Verantwortliche für die Ausstellung, Christoph Doswald, ist auf Kunstausstellungen spezialisiert. Bei dieser Art Ausstellung steht eine autodidaktische Annäherung an das Thema ohne grosse Erklärungen im Vordergrund. Für die Ausstellung «Happy» steht aber die Information zur Verfügung. Es braucht einfach eine gewisse Anstrengung des Besuchers, diese zu finden.
Es wird ja vor allem das Ausstellungskonzept bemängelt. Werden Sie etwas ändern?
Voyame: Nein, abgesehen von den erwähnten Änderungen.
Die Ausstellung ist relativ klein und dauert trotzdem fast ein Jahr bis zum 28. Juli 2002. Wäre das nicht eine Gelegenheit, das Konzept zu überarbeiten?
Voyame: Die komplette Neuorganisation des Museums während der nächsten drei Jahre (von 2003 bis 2006) erlaubt uns im Moment nicht, zwei grosse Temporärausstellungen innerhalb eines Jahres zu realisieren. Deshalb auch die lange Dauer der jetzigen Ausstellung. Zudem ermöglichen es uns die finanziellen Mittel nicht, eine Readaptation vorzunehmen.
Wieso erscheint der Katalog zur Ausstellung erst im Januar?
Voyame: Die Suche nach Sponsoren hat länger gedauert, als wir dachten.
Was bringt das Buch dem Besucher an zusätzlicher Information?
Voyame: Es wird eine wissenschaftliche Studie des Meinungsforschungsinstituts LINK enthalten, die im Zusammenhang mit der Ausstellung entsteht. Darin soll der Jetztzustand des helvetischen Glücksbefindens in Form einer Bestandesaufnahme festgehalten werden.
Welche Beziehung haben Sie persönlich zur Werbung?
Voyame: Als Konservator einer Grafiksammlung von 15000 Gravuren und 5000 Plakaten interessiert mich vor allem die visuelle Kommunikation.
Was bedeutet für Sie Glück?
Voyame: Ich schätze interessante Begegnungen.
Hat das Museum für Kommunikation bereits ein Projekt für die nächste Ausstellung zum Thema Kommunikation?
Voyame: Im Moment nicht. Interview: Anita Vaucher

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