«Wir werden bei der Konkurrenz Publikum abzügeln»

Peter Wanner über sein neues Multimediaprojekt «Kochen»

Peter Wanner über sein neues Multimediaprojekt «Kochen»Seit dem 6. März richtet die AZ-Medien-Gruppe mit ihrem Multimediaprojekt «Kochen» eine gewaltige Pfanne voll mit Kochthemen an. Mit dem neuen Magazin Kochen, der Internetsite und dem TV-Spot wird AZ-Verleger Peter Wanner den diversen etablierten Titeln rund ums Kochen die Suppe versalzen. Das ist jetzt schon klar.Im Rüebliland wird eine gewaltige Pfanne voll Kochthemen angerichtet. Weshalb glauben Sie, dass Ihr Multimediaprojekt «Kochen» im Publikum auf genügend Appetit stossen wird?
Peter Wanner: Weil es noch wenige Multimediaprojekte rund um das Thema Kochen gibt. Andererseits haben wir mit Annemarie Wildeisen eine Chefredaktorin, die bereits über eine grosse Fangemeinde verfügt. Ihre Bücher, die auch bei uns im AT Verlag erscheinen, sind Bestseller. Zudem hat Frau Wildeisen bereits erfolgreich Erfahrungen im Internet gesammelt. Sehr viele Rezepte werden online abgerufen. Im Verbund mit der neuen Zeitschrift Kochen und der TV-Präsenz lancieren wir eine gute Sache. Daran glauben wir.
Ist Kochen nur eine viel kleinere Aargauer Variante von Betty Bossi, das mit einer Auflage von 920000 Exemplaren traumhaft positioniert ist? Auch der Gigant unter den Kochtiteln hat ein Magazin, eine TV-Sendung und Internet.
Wanner: Es kann nicht sein, dass die ganze Schweiz nach den Rezepten von Betty Bossi kocht. Wir bieten eine Alternative an, wie man es auch noch machen kann – moderner und eben nach der Art von Annemarie Wildeisen. Wir wollen die Hausfrau ansprechen, die schnell und unkompliziert, aber trotzdem gut kochen möchte. Betty Bossi richtet sich hingegen eher an die traditionellen Köchinnen und Köche.
Das kochende Individuum ist aber insgesamt kaum auf dem Vormarsch, eher ist das Gegenteil der Fall: Conveniencefood ist am Boomen. Welches ist Ihre Analyse im Publikumsmarkt?
Wanner: Wir glauben an den Effekt der Marke Wildeisen. Sie hat ja auch Chuchi zum Erfolg gemacht. Andererseits hat diese Chuchi aber Mühe, seit sie weg ist, das ist bekannt. Man wird sehen, wie sich das weiter entwickelt. Wir gehen davon aus, dass zwischen 10000 und 20000 Abonnenten von der Chuchi zu uns wechseln werden, und zwar innerhalb kurzer Zeit.
Sie wollen vor allem bei Chuchi Publikum abzügeln. Wo sonst noch?
Wanner: Selbstverständlich wollen wir vor allem neue Leserinnen und Leser gewinnen. Aber wir werden sicher auch etwas Publikum bei diversen Konkurrenten abzügeln, heissen die nun Saisonküche, Le Menu oder Betty Bossi. Bei Letzterem könnten mittlerweile durchaus gewisse Ermüdungserscheinungen auftreten.
Welche Auflagenziele verfolgen Sie mit Kochen?
Wanner: Wir wollen ziemlich rasch 40000 bis 50000 verkaufte Exemplare erreichen – bis in einem oder zwei Jahren sollten wir dort sein. Aber wir starten ja auch nicht bei null. Sämtliche unserer rund 20000 Marmite-Abonnenten erhalten auch Kochen. Weitere Leserinnen und Leser werden wir mit gezielten Marketingmassnahmen und dem Bekanntheitseffekt von Annemarie Wildeisen gewinnen.
Bei welcher Auflage wird Kochen den Break-even erreichen?
Wanner: Bei 40000 Exemplaren sicher. Vielleicht schon vorher, je nachdem, wie gut oder schlecht sich der Inseratemarkt entwickelt. Und natürlich hängt alles auch ein bisschen davon ab, was die Konkurrenz machen wird.
Womit wollen Sie am ehesten Geld verdienen, mit dem Magazin, mit Internet oder mit der TV-Sendung?
Wanner: Gutes Geld verdienen wir bereits mit den Büchern von Wildeisen. Das vorweg. Aber vor allem glauben wir daran, das Magazin erfolgreich etablieren zu können. Wenn dies gelingt, werden wir auch damit gutes Geld verdienen. Hingegen betrachten wir die Präsenz im Fernsehen im Moment vor allem als Marketingmassnahme. Wir haben ja dort lediglich einen 3-Minuten-Spot, was natürlich noch keine richtige Kochsendung ist. Aber auch daraus kann später eine veritable Kochsendung werden. Das ist allerdings noch nicht entschieden. Ob wir mit der Internetsite Geld verdienen, hängt davon ab, wie viel Geld wir für das Abrufen von Rezepten verlangen können. Im Moment werden wir das noch nicht tun, später aber schon. Wenn die Site etabliert ist und gut läuft, muss man auch damit Geld verdienen können. Das ist klar.
Apropos Geld verdienen: Michael Ringier hat einmal gesagt, er verdiene mit dem Verkauf von Küchenutensilien via Betty Bossi mehr Geld als mit manchen Zeitungen und Zeitschriften. Werden Sie ebenfalls in dieses offensichtlich lukrative Geschäft mit Pfannen, Rüstzeug und anderen Gerätschaften einsteigen?
Wanner: Das ist ein sehr interessantes Nebengeschäft, das in Zusammenarbeit mit einer Zeitschrift gut laufen könnte. Deshalb werden sicher auch wir versuchen, dieses Geschäft anzukurbeln. Allerdings hat dies nicht erste Priorität, zuerst wollen wir uns um die Zeitschrift kümmern.
Welchen Anteil vom Umsatz wollen Sie mit Küchenutensilien hereinholen?
Wanner: Wir haben bereits im ersten Jahr etwas budgetiert, allerdings ist das noch minim. Sobald aber die Zeitschrift gut läuft, wird dieses Nebengeschäft mehr in den Vordergrund treten. Es ist ein wichtiges Nebengeschäft, das wir sehr gut im Auge behalten werden.
Ein grober Schönheitsfehler ist beim sprachnationalen Multimediaprojekt «Kochen» offensichtlich: Der TV-Spot ist lediglich bei Tele M1 und Tele Tell zu sehen.
Wanner: Selbstverständlich möchten wir auf der Lokal-TV-Schiene besser präsent sein. In dieser Richtung werden wir arbeiten. Aber wir wollten jetzt zuerst einmal starten und dann in einem zweiten Schritt Gespräche mit anderen Stationen aufnehmen. Dann werden wir sehen, wer von den Lokal-TVs auch noch auf unseren Kochzug aufspringen wird.
Passt denn das Thema Kochen überhaupt zur Lokalfernsehszene, die ja auf News getrimmt ist? Der Kochspot ist unmittelbar vor den News programmiert.
Wanner: Unser Kochspot ist drei Minuten vor dem Beginn des Stundentakts angesetzt. An dieser Position verdrängen wir niemanden, denn hier sind ohnehin Füllstoffe wie zum Beispiel Programmvorschauen angesetzt. Andererseits ist das für uns ein attraktiver Sendeplatz. Denn hier zappen oft schon Leute ins Programm rein, welche die News sehen wollen. Interview: Daniel Schifferle

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