Wir spielen Werber
Unterhaltung Der Hermann Schmidt Verlag bietet mit dem Spiel «Brainstorm» eine Persiflage auf die Branche. Die Zürcher Agentur KSSJ hat es getestet.
Unterhaltung Der Hermann Schmidt Verlag bietet mit dem Spiel «Brainstorm» eine Persiflage auf die Branche. Die Zürcher Agentur KSSJ hat es getestet.Dienstag vor Weihnachten bei KSSJ: Ein paar von uns wollen sich um elf Uhr im grossen Sitzungszimmer treffen und «Brainstorm» spielen. «Das neue Spiel für alle, die mit dem Gedanken spielen, in die Werbung zu gehen. Oder schon immer mal wissen wollten, wie es um die Kreativität ihrer Mitbewohner, Freunde oder Familie bestellt ist…», so die verlagseigene Beschreibung des Gesellschaftsspiels.Allerdings ist die Beraterin noch am Telefon und flirtet mit einem Lieferanten, der Berater diskutiert intensiv mit einem Kunden, wohin man essen gehen könnte, der CD lässt seinem dritten doppelten Espresso einen vierten und fünften folgen, die Praktikantin erledigt die privaten Mails, und der Texterin schwant, dass sie diesen Text schreiben muss, weshalb sie sich auf der Toilette verbarrikadiert. Dank dem pflichtbewussten AD, der das Spielbrett aufstellt, geht es um 11.30 Uhr dann doch los. Überraschend schnell kommt überraschend gute Stimmung auf.
Erst müssen zwei Teams gebildet werden. Je bestehend aus CD, AD, Texter, Berater und Praktikant. Dann gilt es, einen Agenturnamen zu finden. Das gelbe Team schont taktisch klug die kreativen Kräfte und greift auf Altbewährtes zurück: die Initialen der Nachnamen. Mit dem schlagkräftigen Namen BEK steigt es ins Rennen. Und zehn Minuten später ist auch das blaue Team so weit: Es wird unter dem höchst kreativen Namen BrainVertising (sic!) agieren.
Mach mal RauchpauseDa für manche Spielvorgänge eine Uhr benötigt wird, legen die drei männlichen Mitspieler schon mal demonstrativ ihre Masterpieces von Maurice Lacroix auf den Tisch. Nun wird das Vier-Punkte-Briefing aus jeweils sieben Auswahlmöglichkeiten zusammengestellt. Ein Team bestimmt den Kunden und das Produkt, das andere Team die Zielgruppe und den Claim. So entsteht eine praxisnahe Kombination aus Langnese, BH, 3- bis 6-Jährigen und «Wenn einem so viel Gutes widerfährt». Den Agenturalltag erleben die Spieler nun durch abwechselndes Ziehen der Agenturkarten. BEK beginnt, der CD zieht die erste Karte: Zigarettenpause! Kann nie schaden, befinden CD und Praktikantin und verschwinden mal kurz.
ADs machen gerne Überstunden. Schliesslich können sie dabei Musik hören, private Jobs erledigen, auf Agenturkosten essen und mit dem Taxi nach Hause fahren. Für so viel Lebensqualität kommt der AD um das Alter des Mitspielers vorwärts. Karte um Karte schlagen sich BEK und BrainVertising durch den Werbealltag. Dabei bestätigen sie alle Klischees: koksende ADs, sich hochschlafende Praktikantinnen, Kontakter, die den ganzen Tag telefonieren, Texter, für die Grammatik ein Fremdwort ist, und CDs, die in erster Linie an Awards interessiert sind – und in zweiter Linie auch. Gegen 12.45 Uhr, bei ausgeglichenem Punktestand, treffen BEK und BrainVertising in Cannes aufeinander – der grosse Showdown. Die Aufgabe lautet, in drei Minuten einen TV-Spot zu kreieren, in dem ausser dem Produkt (BH), dem Claim («Wenn einem so viel Gutes widerfährt») und der Zielgruppe (3- bis 6-Jährigen) auch noch eine Palme, ein Porsche und eine Bratwurst auftauchen.
Weshalb bin ich in der Werbung?Im Nu entwickelt man agentur-übergreifend und unter kompletter Ignorierung der Zielgruppe einen Softporno. Und da man gerade so schön im Schuss ist, werden sämtliche Spielregeln über Bord geworfen und die Agenturen zu BEKBrain fusioniert. Ohne lästigen Wettbewerb hat man nun nicht nur alle Awards für sich alleine, sondern auch noch alle Kunden. Und kann in Ruhe essen gehen.
Fazit: Ein empfehlenswertes Spiel für alle, die wissen wollen, warum sie in der Werbung sind, in die Werbung sollten, nicht in der Werbung sind oder nicht in die Werbung sollten.
Wie verkauft man 3- bis 6-Jährigen einen BH? KSSJ im Spieltest.
Erst müssen zwei Teams gebildet werden. Je bestehend aus CD, AD, Texter, Berater und Praktikant. Dann gilt es, einen Agenturnamen zu finden. Das gelbe Team schont taktisch klug die kreativen Kräfte und greift auf Altbewährtes zurück: die Initialen der Nachnamen. Mit dem schlagkräftigen Namen BEK steigt es ins Rennen. Und zehn Minuten später ist auch das blaue Team so weit: Es wird unter dem höchst kreativen Namen BrainVertising (sic!) agieren.
Mach mal RauchpauseDa für manche Spielvorgänge eine Uhr benötigt wird, legen die drei männlichen Mitspieler schon mal demonstrativ ihre Masterpieces von Maurice Lacroix auf den Tisch. Nun wird das Vier-Punkte-Briefing aus jeweils sieben Auswahlmöglichkeiten zusammengestellt. Ein Team bestimmt den Kunden und das Produkt, das andere Team die Zielgruppe und den Claim. So entsteht eine praxisnahe Kombination aus Langnese, BH, 3- bis 6-Jährigen und «Wenn einem so viel Gutes widerfährt». Den Agenturalltag erleben die Spieler nun durch abwechselndes Ziehen der Agenturkarten. BEK beginnt, der CD zieht die erste Karte: Zigarettenpause! Kann nie schaden, befinden CD und Praktikantin und verschwinden mal kurz.
ADs machen gerne Überstunden. Schliesslich können sie dabei Musik hören, private Jobs erledigen, auf Agenturkosten essen und mit dem Taxi nach Hause fahren. Für so viel Lebensqualität kommt der AD um das Alter des Mitspielers vorwärts. Karte um Karte schlagen sich BEK und BrainVertising durch den Werbealltag. Dabei bestätigen sie alle Klischees: koksende ADs, sich hochschlafende Praktikantinnen, Kontakter, die den ganzen Tag telefonieren, Texter, für die Grammatik ein Fremdwort ist, und CDs, die in erster Linie an Awards interessiert sind – und in zweiter Linie auch. Gegen 12.45 Uhr, bei ausgeglichenem Punktestand, treffen BEK und BrainVertising in Cannes aufeinander – der grosse Showdown. Die Aufgabe lautet, in drei Minuten einen TV-Spot zu kreieren, in dem ausser dem Produkt (BH), dem Claim («Wenn einem so viel Gutes widerfährt») und der Zielgruppe (3- bis 6-Jährigen) auch noch eine Palme, ein Porsche und eine Bratwurst auftauchen.
Weshalb bin ich in der Werbung?Im Nu entwickelt man agentur-übergreifend und unter kompletter Ignorierung der Zielgruppe einen Softporno. Und da man gerade so schön im Schuss ist, werden sämtliche Spielregeln über Bord geworfen und die Agenturen zu BEKBrain fusioniert. Ohne lästigen Wettbewerb hat man nun nicht nur alle Awards für sich alleine, sondern auch noch alle Kunden. Und kann in Ruhe essen gehen.
Fazit: Ein empfehlenswertes Spiel für alle, die wissen wollen, warum sie in der Werbung sind, in die Werbung sollten, nicht in der Werbung sind oder nicht in die Werbung sollten.
Wie verkauft man 3- bis 6-Jährigen einen BH? KSSJ im Spieltest.
Corinne Englert, Texterin, KSSJ
