Wer in Farben spricht, gibt der Welt ein Gesicht
Eine kleine Symbolik der Grundfarben Rot, Blau, Gelb und Grün
Eine kleine Symbolik der Grundfarben Rot, Blau, Gelb und GrünSehende und nicht farbenblinde Menschen erleben die Farben jeden Tag in der Natur. Daran gewöhnt, denken wir uns weiter nichts dabei, wenn sie uns begegnen. Doch Farben sind mehr als nur vorhanden. Die Konstanzer Theologin, Philologin und Psychologin Ingrid Riedel etwa vertritt die Auffassung, dass Farben für den Betrachter eine symbolische Bedeutung haben, die im Zusammenhang mit dem Erleben in der Natur steht. Einige auf wissenschaftlichen Tests und Untersuchungen basierende Interpretationen von ihr zu den drei Primärfarben und der Farbe Grün geben einen Einblick in die Wirkungskraft der Farben.Das Blaue vom Himmel reden
Dunkelblau repräsentiert das Gemüt, mithin das befriedigte oder unbefriedigte Bedürfnis nach Ruhe, Zufriedenheit, Frieden, menschlicher oder beruflicher Bindung, Verbundenheit, Treue und Einheit. So stehen etwa die Sterne der Flagge des Vereinten Europa auf blauem Grund, und auch die Flagge der Vereinten Nationen ist blau. Ultramarin und Indigo werden als die Farben des Traumes, der Mystik und des Unbewussten bezeichnet. Kobalt vermittelt Klarheit, Rationalität und Geistigkeit, wogegen das helle Himmelsblau für Träumerei und Irrealität steht. Nach Goethe geht von Blau eine unruhige weiche, sehnende Empfindung aus. Er spricht von einem «reizenden Nichts», das einen in sich hineinzieht. Max Lüscher hat bei Erschöpfung und Krankheit ein gesteigertes Bedürfnis nach Blau beobachtet. Wassily Kandinsky sieht im Blau eine Vertiefungsfarbe, die den Menschen, je tiefer es ist, desto mehr ins Unendliche ruft und in ihm die Sehnsucht nach Reinem und nach Übersinnlichem weckt.
Rot vor Wut
Die Skala des Rots reicht in ihrer emotionalen Ausdrucksfähigkeit von Aggression, Zerstörung und Tod bis zu Liebe, Hingabe und Opferbereitschaft. Zu Zinnober etwa wird Feuer und Eros (sexuelle Triebkraft) vorgestellt. Zu Karmin: Blut, Kraft, Macht und Liebe. Zu Purpur – dem nach Goethe «wahren, reinen, weder ins Gelbe noch ins Violette ziehende Rot» – Königtum, Recht, Gerechtigkeit, Abstand sowie Ehrfurcht vor dem Erhabenen. Rot warnt und bedeutet Gefahr (Verkehrsschilder), steht aber auch für Hilfe (Feuerwehr). «Im Morgenrot spiegelt sich das zarte Erwachen der Gefühle.» Im Blutrot äussert sich der Wille zur Weltveränderung durch Gewalt und Terror. Empfindungen wie warm, heiss und unruhig verbinden sich mit Rot. Weitere Ausdruckswerte sind Frische, Vitalität, Lebenssteigerung, Nähe, Sinnlichkeit, (blinde) Leidenschaft, Erregung, Aufruhr und Lebensbedrohung. Rot ist auch die Farbe des Lasters. Und: Rot ist die Lieblingsfarbe der Kindheit.
Grün hinter den Ohren
Zu Grün werden am häufigsten Wiese, Vegetation und Wald assoziiert. Grün wird als Farbe empfunden, die mit einer milden Fülle in die Augen fliesst, die positiv beruhigt. Grün wird als sanft, freundlich und friedvoll erlebt. Es ist von einem Wiesengefühl die Rede, das zum Ausruhen, Rasten und Tagträumen einlädt. Goethe beschrieb die harmonisierende Wirkung mit den Worten: «Man kann nicht weiter, man will nicht weiter.» Die Urerfahrung ist, dass nach jedem Winter mit dem neuen Grün der Wiesen zugleich die Hoffnung auf wärmere Tage, die kommende Ernte, mithin auf Erhaltung des Lebens aufkommt. Grün steht generell für Wachstum, Entwicklung und Fülle des Lebens. Das Werden findet in Redensarten wie etwa «Grünschnabel» Ausdruck. Mit der Farbe Grün wird jedoch auch die Fähigkeit der inneren Zurückhaltung, Reizkumulation und Reizaufstauung symbolisiert.
Gelb vor Neid
Gelb neigt besonders zur Ambivalenz: Die Skala der Töne reicht vom warmen Goldgelb, dem (Sonnen)Gelb des Lebens, bis hin zum fahlen und gebrochenen Gelb
der Krankheit und des Todes. (Gelbsucht, Nierenleiden, Übelkeit und Vergiftungserscheinungen drücken sich im Gelbwerden der Haut aus.) «Im Gelb», so Goethe, «triumphiert das Licht in der Farbe. Es führt die Natur des Hellen mit sich», der Sonne, des Lichts, der Heiterkeit und der Erkenntnis. Das Gewand des griechischen Sonnengottes Helios war gelb. Buddhistische Mönche und Nonnen tragen ein safrangelbes Kleid als Zeichen ihres Strebens nach Licht und Erleuchtung. Gelb, weckt Assoziationen
wie die Hoffnung auf Glück. Andererseits verbinden sich damit Erlebnisbegriffe wie etwa Übersteigerung, Leichtsinn, Aufregung, Verausgabung, Verschwendung und Zudringlichkeit sowie medizinische Bezeichnungen wie zum Beispiel Gelbsucht. Max Lüscher hat beobachtet, dass Gelb bei jeder Überreizung abgelehnt wird und dann oft Blau bevorzugt wird. Als grelle Signalfarbe warnt Gelb vor Radioaktivität. Im Dritten Reich wurden Juden mit einem gelben Stern gekennzeichnet.
Ernst Weber
Ingrid Riedel, «Farben in Religion, Gesellschaft, Kunst und Psychotherapie», Kreuz Verlag, ISBN 3-7831-0700-8.
Dunkelblau repräsentiert das Gemüt, mithin das befriedigte oder unbefriedigte Bedürfnis nach Ruhe, Zufriedenheit, Frieden, menschlicher oder beruflicher Bindung, Verbundenheit, Treue und Einheit. So stehen etwa die Sterne der Flagge des Vereinten Europa auf blauem Grund, und auch die Flagge der Vereinten Nationen ist blau. Ultramarin und Indigo werden als die Farben des Traumes, der Mystik und des Unbewussten bezeichnet. Kobalt vermittelt Klarheit, Rationalität und Geistigkeit, wogegen das helle Himmelsblau für Träumerei und Irrealität steht. Nach Goethe geht von Blau eine unruhige weiche, sehnende Empfindung aus. Er spricht von einem «reizenden Nichts», das einen in sich hineinzieht. Max Lüscher hat bei Erschöpfung und Krankheit ein gesteigertes Bedürfnis nach Blau beobachtet. Wassily Kandinsky sieht im Blau eine Vertiefungsfarbe, die den Menschen, je tiefer es ist, desto mehr ins Unendliche ruft und in ihm die Sehnsucht nach Reinem und nach Übersinnlichem weckt.
Rot vor Wut
Die Skala des Rots reicht in ihrer emotionalen Ausdrucksfähigkeit von Aggression, Zerstörung und Tod bis zu Liebe, Hingabe und Opferbereitschaft. Zu Zinnober etwa wird Feuer und Eros (sexuelle Triebkraft) vorgestellt. Zu Karmin: Blut, Kraft, Macht und Liebe. Zu Purpur – dem nach Goethe «wahren, reinen, weder ins Gelbe noch ins Violette ziehende Rot» – Königtum, Recht, Gerechtigkeit, Abstand sowie Ehrfurcht vor dem Erhabenen. Rot warnt und bedeutet Gefahr (Verkehrsschilder), steht aber auch für Hilfe (Feuerwehr). «Im Morgenrot spiegelt sich das zarte Erwachen der Gefühle.» Im Blutrot äussert sich der Wille zur Weltveränderung durch Gewalt und Terror. Empfindungen wie warm, heiss und unruhig verbinden sich mit Rot. Weitere Ausdruckswerte sind Frische, Vitalität, Lebenssteigerung, Nähe, Sinnlichkeit, (blinde) Leidenschaft, Erregung, Aufruhr und Lebensbedrohung. Rot ist auch die Farbe des Lasters. Und: Rot ist die Lieblingsfarbe der Kindheit.
Grün hinter den Ohren
Zu Grün werden am häufigsten Wiese, Vegetation und Wald assoziiert. Grün wird als Farbe empfunden, die mit einer milden Fülle in die Augen fliesst, die positiv beruhigt. Grün wird als sanft, freundlich und friedvoll erlebt. Es ist von einem Wiesengefühl die Rede, das zum Ausruhen, Rasten und Tagträumen einlädt. Goethe beschrieb die harmonisierende Wirkung mit den Worten: «Man kann nicht weiter, man will nicht weiter.» Die Urerfahrung ist, dass nach jedem Winter mit dem neuen Grün der Wiesen zugleich die Hoffnung auf wärmere Tage, die kommende Ernte, mithin auf Erhaltung des Lebens aufkommt. Grün steht generell für Wachstum, Entwicklung und Fülle des Lebens. Das Werden findet in Redensarten wie etwa «Grünschnabel» Ausdruck. Mit der Farbe Grün wird jedoch auch die Fähigkeit der inneren Zurückhaltung, Reizkumulation und Reizaufstauung symbolisiert.
Gelb vor Neid
Gelb neigt besonders zur Ambivalenz: Die Skala der Töne reicht vom warmen Goldgelb, dem (Sonnen)Gelb des Lebens, bis hin zum fahlen und gebrochenen Gelb
der Krankheit und des Todes. (Gelbsucht, Nierenleiden, Übelkeit und Vergiftungserscheinungen drücken sich im Gelbwerden der Haut aus.) «Im Gelb», so Goethe, «triumphiert das Licht in der Farbe. Es führt die Natur des Hellen mit sich», der Sonne, des Lichts, der Heiterkeit und der Erkenntnis. Das Gewand des griechischen Sonnengottes Helios war gelb. Buddhistische Mönche und Nonnen tragen ein safrangelbes Kleid als Zeichen ihres Strebens nach Licht und Erleuchtung. Gelb, weckt Assoziationen
wie die Hoffnung auf Glück. Andererseits verbinden sich damit Erlebnisbegriffe wie etwa Übersteigerung, Leichtsinn, Aufregung, Verausgabung, Verschwendung und Zudringlichkeit sowie medizinische Bezeichnungen wie zum Beispiel Gelbsucht. Max Lüscher hat beobachtet, dass Gelb bei jeder Überreizung abgelehnt wird und dann oft Blau bevorzugt wird. Als grelle Signalfarbe warnt Gelb vor Radioaktivität. Im Dritten Reich wurden Juden mit einem gelben Stern gekennzeichnet.
Ernst Weber
Ingrid Riedel, «Farben in Religion, Gesellschaft, Kunst und Psychotherapie», Kreuz Verlag, ISBN 3-7831-0700-8.
