Wenn Denn-er nur wüsste, was seine Klientel von seiner Werbung mitbekommt
Die Denner-Kampagne ist mir aufgefallen, weil sie auffällt, aber ich habe nicht verstanden, warum diese verschiedenen Menschentypen ihre Augen so weit aufreissen. Theophil Butz, Basler, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche-Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
Eigentlich sollte ich über diese dämliche Sympany- Versicherungskampagne schreiben. Aber dazu später. Warum es jetzt geht: Ich, als geübter Hingucker, habe nach langem Studieren bemerkt, dass diese Menschen – ein Kind, die Oma, ein Hund usw. – tatsächlich in einen Denner-Papiersack schauen. Liest man dann den Text (was ja die wenigsten tun), könnte man sich vorstellen, was in diesem Einkaufssack verborgen ist. Wer macht schon einen solchen Umweg und erst noch für die Werbung? Die beste Desktopperin Michèle Huser, mit der ich zusammenarbeite, hat ihr Büro mit Vater und Mutter plus zwei Lehrlingen in Zürich-Seebach. Ein interessantes Quartier. Empfehle ich jedem Werber, weil er da mit der Realität konfrontiert wird. Also, da in Seebach gibt es einen Denner, eine ZKB, einen Türkenladen, einen Minigolf, das Tramdepot und eine Kneipe, wo geraucht werden darf. Die Barmaid heisst Maja, ist witzig, intelligent und eben eine richtige Barmaid. Die Kunden, die da verkehren, sind zum Beispiel der Stümpi – bringt ca. 130 kg auf die Waage – mit einer Vokuhila-Frisur zum Zöpfchen gebunden und viele andere Handwerker oder sonstige Seebächler. Alle sind immer aufgestellt, diskutieren über die Misere in Griechenland, Barak Obama, den FCZ, das Wetter, aber niemals über Werbung. Gleich neben der Gartenbar hängt ein bewegliches F12- Plakat, gegenüber vor dem Denner gibts noch eines.
Aber eben, die schauen überhaupt gar nicht hin, weil da ja gar nichts Interessantes zu sehen ist. Ich bin diesen eher lauten Typen mit meinen zwei verschieden farbigen Schuhen natürlich aufgefallen und sofort ins Gespräch gekommen. Die meisten kaufen ihr Bier, ihre Zahnpaste oder ihre Zigarren gegenüber im Denner. «Hab ihr die neue Denner-Werbung mit den Menschen mit den grossen Augen schon mal gesehen?» Grosses Fragezeichen. «Von was redest du da?» «Ja, eben von diesen Inseraten und Plakaten, wo diese ….. erstaunt in eine leere Denner-Tüte lugen.» Fragezeichen. «Hast du keinen besseren Witz auf Lager? » Ich habe ihnen dann den Witz erzählt, wo ein Basler ein Zürcher werden wollte. Der Arzt sagt, dann müssen wir Ihnen aber 30 Prozent vom Gehirn wegnehmen. Nach der Operation teilt der Arzt dem Patienten mit, dass ein Problem aufgetreten sei. Aus Versehen seien 50 Prozent des Gehirns entfernt worden. Der Patient erwidert: «Na dann, Servus.»
Meine Theorie: Es ist kein Witz. Die Werbung hat den Kontakt zum Publikum verloren. Sie huscht an der Zielgruppe vorbei. Keiner versteht diese Insider-Werbesprache. Redet oder macht Bilder im Klartext. Sonst werden die Kollegen in Seebach euch nie verstehen. Ihr handelt viel zu viel über den Intellekt ab. Das verstehen die nicht. Und auch ich nicht, selbst wenn ich mein 100 Prozent Basler Hirn anstwrengen muss. Der Werbeleiter und die Agentur haben die Seebacher Bar nie besucht. Mein Aufsteller der Woche ist, dass der SVP bei ihrem Extrablatt ein Missgeschick passiert ist. Die Wappen der Kantone sind seitenverkehrt abgedruckt. Peinlich, peinlich.

