Weniger ist mehr

René Wornis Unbehagen mit der Werbung.

Werbung ist gut. Punkt. Dabei meine ich nicht die Inhalte der Werbung, sondern die Tatsache, dass selbige überhaupt die Existenz von Medien ermöglicht. In der postparadigmatischen Ära der Gratisinhalte will auch niemand mehr etwas anderes denken. Doch Hand aufs Herz: Die Flut ist enorm. Sie wird gross und grösser und wächst mit jedem neuen Medienangebot weiter. Im Internet, dem Hoffnungsträger der eifrig investierenden Medienbranche, die nach erlösenden und erlösbringenden Geschäftsmodellen sucht, blinkt sie Flash-animiert und kontrastiert mit den Textspalten. Und mir kommt vor, diese würden jedesmal weniger. Manchmal gebärdet sich der Bildschirm wie ein Stroboskopblitz.
Werbung kontaminiert ohnehin jeden Lebensbereich, und zu jedem fällt einem ein unpassender Werbespruch ein, der in einem absterbenden Hirnlappen manchmal ganze Jahrzehnte schon überlebt hat: Mänhätten eifach gärn oder De Oli wetti än Atari (oder ähnlich) oder Wär hätts erfunde läbt gsünser undsofortblabla.
Werbung ist nicht einfach gut per se. Drauf gebracht hat mich nicht bloss ketzerisches Unbehagen, sondern ein Kollege, der sich mitten im daily Business als militanter Gegner von Werbeplakaten outete. Einer, den die satten Plakatwände magnetisieren wie einst die Betonlandschaften den Sprayer von Zürich, Harald Nägeli. Drauf gebracht haben mich auch die Stadtväter von São Paulo, die in ihrer Metropole Werbung in der Öffentlichkeit untersagten und so ihre Bedeutung – ob gewollt oder nicht – ins rechte Licht rückten.
Die Flut, in der sich die Botschaften gegenseitig neutralisieren, ist kontraproduktiv und kann unerträglich sein. Weniger wäre eindeutig mehr, ein Mehr an Wirkung.

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