Weko prüft Werbeallianz von Swisscom, SRG und Ringier vertieft
Die Wettbewerbskommission (Weko) hat in den nächsten vier Monaten einen Fall zu prüfen, der in der Schweizer Medienlandschaft bereits hohe Wellen geschlagen hat: Das noch namenlose Gemeinschaftsunternehmen von Swisscom, SRG und Ringier.
Swisscom, SRG und Ringier wollen in dem Unternehmen ihren Werbeverkauf bündeln. Von den einen als innovative Lösung gelobt, von andern als medienpolitisch höchst bedenklich gerügt, hat das Vorhaben seit der Vorstellung vor einem Monat für heftige Turbulenzen gesorgt. So führte es zum Austritt von Ringier aus dem Verband Schweizer Medien (VSM).
Swisscom, SRG und Ringier wollen mit dem Joint Venture internationalen Online- Riesen wie Google oder Facebook auf dem Werbemarkt die Stirn bieten. Diese sind stark in der Datenauswertung und können so personalisierte Werbung verkaufen. Mit ihrem Gemeinschaftsunternehmen planen die beiden Medienhäuser und das Telekomunternehmen ebenfalls solche auf die Zielgruppe zugeschnittene Werbung anzubieten, etwa im Fernsehen. Alle drei Unternehmen sollen ihre Nutzerdaten in die neue Firma einbringen, die Swisscom zudem ihr technisches Knowhow, die SRG und Ringier ihre Werbeplattformen.
Dazu muss nun aber erst die Weko ihre Einwilligung geben: Sie werde den Zusammenschluss «vertieft prüfen», heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die vorläufige Prüfung habe nämlich ergeben, dass die Zusammenarbeit bei der zielgruppenspezifischen TV-Werbung zu einer marktbeherrschenden Stellung führen oder diese verstärken könnte. Dafür bestünden Anhaltspunkte.
Eklat an Sitzung
Am Tag nachdem die drei Unternehmen ihr Vorhaben vorstellten, fand zufälligerweise eine Klausurtagung des VSM statt. An dieser gab es gemäss Ringier «intensive Diskussionen» über die geplante neue Firma. Der VSM habe faktisch ein Werbeverbot für die SRG gefordert. Das sei eine Radikalforderung, hinter der Ringier nicht stehen könne. In der Folge trat das Medienhaus aus dem Verband aus.
Ringier, die SRG und Swisscom betonen, ihre neue Firma stünde auch anderen offen. «Wir sind kein geschlossener Club», sagte Ringier-Chef Marc Walder im August. Allerdings sei für die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern vorerst ein Kundenverhältnis angedacht, also keine Aufnahme von weiteren Aktionären. (SDA/uma)
