«Was gelernt werden muss, ist das Eigenmarketing»

Nach Maggi und Migrolino hat dieses Jahr mit upc Cablecom zum dritten Mal ein Spot von Manifesto Films beim Wettbewerb «Kampagne des Jahres» gewonnen. Regisseur Reto Salimbeni nimmt den Erfolg zum Anlass für ein paar Gedanken zum Filmwerkplatz Schweiz.

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WW: Seit dem Erfolg bei der «Kampagne des Jahres» der Werbewoche haben Sie bereits wieder drei Filme für upc Cablecom abgeliefert. Andere einheimische Filmer beklagen sich, dass immer mehr Aufträge ins Ausland gehen. Zu Recht?
Reto Salimbeni: Grundsätzlich ist das Werbefilmgeschäft ein internationales. Auch wir profitieren von zum Beispiel amerikanischen oder deutschen Kunden, für die wir drehen. Aber es ist schon etwas speziell, dass es namhafte Schweizer Firmen gibt, die 100 Prozent ihres Umsatzes in der Schweiz erzielen und sich die Swissness- Flagge aufs Dach gehisst haben – und dann trotzdem konsequent die Werbefilme im Ausland produzieren lassen.

Sie haben auch eine Produktionsfirma in Vancouver, drehen viel im Ausland und haben für grosse englische und amerikanische Agenturen gedreht. Was ist anders als in der Schweiz?
In der Produktion sind die Unterschiede marginal geworden. Es gibt heute einen internationalen Produktionsstandard, der überall ähnlich hoch ist. Wir drehen im Ausland, wenn es die Location oder das Talent erfordert oder es ein ausländischer Kunde ist. Aber wir drehen auch häufig und gerne in der Schweiz, wo sich in den letzten Jahren viel getan hat. Ich habe hier auch eine Serviceproduktion gegründet, die mit Akquisition Aufträge von Ausländern in die Schweiz holt. Ich fand es bezeichnend, dass beim Wettbewerb «Kampagne des Jahres» von den vier nominierten Spots drei von Schweizer Produktionen mit Schweizer Regisseuren gedreht wurden. Jeder dieser Spots hat internationales Format und hätte gewinnen können.

Geniessen Schweizer Filmer zu wenig Vertrauen?
In der Schweiz hat es sehr viel Talent und Potenzial. Was gelernt werden muss, ist das Eigen-Marketing. Wir wurden von unseren Eltern zu Bescheidenheit und Zurückhaltung erzogen. Das waren die angesagten Tugenden der letzten 40 Jahre. Weil wir auf einer satten Wiese gelebt hatten, auf der es für alle genug hatte, konnten wir uns leisten, diesen entspannten Umgang zu pflegen. Diese Tugend nützt uns aber nichts mehr, die Zeiten haben sich radikal geändert. Es gibt viel mehr Mitbewerber, die auf die Wiese drängen. Es gilt Flagge zu zeigen, selbstbewusst aufzutreten und die eigenen Interessen engagiert zu vertreten.

Man hört oft, eine Produktion im Ausland sei billiger?
Für gewisse Konzepte – zum Beispiel mit aufwendigen Dekor-Bauten – ist Osteuropa sicher billiger, weil bei uns die entsprechende Studiokultur fehlt. Aber ansonsten sind die preislichen Unterschiede gering geworden.

Nachdem Ihre Manifesto in den letzten Jahren Claudio Zuccolini und Kaya Yanar für die «Kampagne des Jahres» präsentieren konnte, ist es heuer Carlos Leal. Sind Spots mit Prominenten erfolgreicher?
Das kann man pauschal nicht sagen. Wichtig ist, dass Marke und Star kompatibel sind. Der Star muss glaubwürdig rüberkommen, darf sich nicht anbiedernd verbiegen. Schweizer mögen keine Marktschreier, sondern schätzen charmante Ironie. Wenn dies gegeben ist, dann hat eine Celebrity-Werbung von Haus aus schon ein bisschen mehr an Beachtung. Dies äussert sich auch im gesteigerten Interesse der Medien. Besonders Online-Medien berichten gerne über solche Spots. Wenn der Spot aber nicht gut ist, nervt sich das Publikum bei einem Star viel schneller. Das ist dann für alle Parteien schlecht.

Sie haben soeben drei neue Spots mit Carlos Leal abgeliefert. Wie passt dieser Star zu upc Cablecom?
Die upc Cablecom ist ein sehr dynamisches Unternehmen, das nach den Problemen der vergangenen Jahre – oder ganz aktuell dieser Tage – konsequent an einem qualitativ hochstehenden Angebot arbeitet, nach vorne schaut und sich den Herausforderungen des Marktes mit einer klaren, transparenten und unterhaltenden Kommunikationsstrategie stellt. Das passt zu Carlos. Auch er ist mit seinem Hollywood-Abenteuer zu neuen Ufern aufgebrochen, ist optimistisch und durch seine multikulturelle Vergangenheit ein glaubwürdiger Repräsentant der heutigen Schweiz. Er spricht sogar alle drei Sprachen. So können wir zum Beispiel alle Spots jeweils in Deutsch, Französisch und Italienisch drehen. Dies ist zwar wesentlich aufwendiger als zu synchronisieren, aber wir wollen, dass die Spots in allen Landesteilen als authentisch wahrgenommen werden.

Braucht die Regie ein spezielles Konzept beim Drehen mit Carlos?
Carlos war ja Musiker, von diesem Lebensabschnitt bringt er eine unglaubliche Energie mit. Das «Live-Animal» schlägt immer noch in ihm. Ich nenne seinen Typ Schauspieler den «Vesuv-Typen». Was man auch vorher besprochen hat, im Studio, wenn er vor der Kamera steht, dann wird etwas Unerwartetes passieren. Deshalb lasse ich bei ihm schon in der Probe die Kameras laufen. Man weiss nie.

Kann dabei nicht die Vision des Konzepts zu kurz kommen?
Solche Momente betrachte ich als Geschenke, die es anzunehmen gilt. Oftmals entsteht daraus etwas viel Besseres, als man ursprünglich gedacht hatte – man muss nur dafür offen sein. Das gelingt mir heute gut. Als junger Mann ging ich natürlich noch die Wände hoch, weil ich mein Ego als wichtiger als die gegebenen Situationen betrachtete. Aber man lernt ja zum Glück dazu …

An einem Spot in dieser Konkurrenzsituation wie in der Telekommunikation hängen grosse Erwartungen. Dazu die Launen der Stars. Wie geht man mit dem Druck um?
Ich habe schon mit Rock-Stars in ausverkauften Stadien gedreht und der Sänger wollte fünf Minuten vor Drehbeginn das Dreh-Konzept komplett ändern … Ich bin mich an einiges gewöhnt und habe gelernt, in solchen Situationen die Energie des Momentes, die ja eigentlich wunderbar kreativ ist, mit dem ursprünglichen Konzept zu verbinden. Es braucht eine Mischung von höchster Konzentration und gleichzeitiger Gelassenheit.

Wer war der Rock-Star?
Habe ich grad vergessen …

Sie haben mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Nora Tschirner und vielen weiteren grossen Namen gearbeitet. Was ist das Spezielle an der Arbeit mit Berühmtheiten?
Alle Stars, mit denen ich arbeiten durfte, haben sich durch eines ganz speziell ausgezeichnet: eine extrem hohe Wahrnehmung und Wissen, wie sie auf das Publikum wirken. Darauf gilt es einzugehen. Denn es ist jemand ein Star, weil er genau dies offenbar mit Erfolg tut. Ich nehme dieses Know-how ernst und setze mich mit dem Celebrity auseinander. Was erwartet er? Kann er die Anforderungen des Jobs überhaupt, so wie sich der Kunde das denkt, einlösen? Es ist so, als hätte man zwei Kunden. Denn wenn der Star nicht happy ist, dann hat man letztendlich kein gutes Produkt.

Interview: Andreas Panzeri

vb

Vizner Borel: Drei neue Spots für UPC Cablecom
Am 29. Februar 2012 schaltet SF DRS, TSR und RSI auf HD um. Voraussetzung dafür ist ein Digitalanschluss von upc Cablecom. Dies kommuniziert Vizner Borel für upc Cablecom mit drei neuen TV-Spots von Manifesto Films.

Hauptdarsteller ist auch dieses Mal Carlos Leal. Der Schauspieler und Musiker dreht für alle Zuschauerinnen und Zuschauer das Rad des Fernsehzeitalters zurück, präsentiert die grössten Meilensteine der Fernsehgeschichte und macht allen klar, dass mit upc Cablecom HD-Qualität garantiert ist. Die Spots sind auf allen wichtigen Fernsehkanälen zu sehen und werden von verschiedenen Massnahmen begleitet.
 

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