Wach auf, Reini Weber

Gastkommentar Im Gegensatz zu Ihnen haben wir heute Erfolg, antwortet Peter Brun auf Reinhold Webers Radio-Verriss in der letzten Ausgabe der Werbewoche.

Gastkommentar Im Gegensatz zu Ihnen haben wir heute Erfolg, antwortet Peter Brun auf Reinhold Webers Radio-Verriss in der letzten Ausgabe der Werbewoche.Wir lieben Beyoncé, die Söhne Mannheims, Anastacia oder Maroon 5. Tolle Musik von tollen Menschen. Musik, die Millionen gerne am Radio hören. In den Augen des Werbers Reinhold Weber aber lieben wir Schrott. Wertloses Zeug also, das uns «geklonte Langweiler» mit Hilfe von «Quotencomputern an Stelle von Musikredaktoren» als «PR der Musikindustrie» vorsetzen. So gelesen vergangene Woche an dieser Stelle.Aufwachen, Herr Weber! Sie fragen sich, was Ihnen zugestossen ist. Und antworten gleich selbst: «wohl zu viel Radio gehört». Sie scheinen zwar Radio zu hören, aber Sie hören nicht hin und vor allem blicken Sie nicht dahinter. Sonst wüssten Sie, dass sich die Musikindustrie beim grössten Schweizer Privatsender stets die Ohren am Telefon heiss hört, weil wir die «super CD des neuen Megastars» unseren Hörern nicht einfach so vorspielen.
Wir spielen, was gefällt. Sie nennen das «ungefilterte PR der Musikindustrie». Und ich frage mich: Wohl lange schon keinen Auftrag der «Major Labels» mehr erhalten, oder? Würden Sie hinhören, wüssten Sie auch, dass kein anderes Schweizer Privatradio mehr Geld in eine professionelle News-Redaktion steckt als Radio 24. Wir senden von 23 Uhr bis Mitternacht nochmals eine Stunde Informationen aus Zürich, während Gebühren zahlende Staatsradio-Hörer bereits zur «kleinen Nachtmusik» schlummern.
Einige Privatradios investieren zudem viel Geld in aufwändige Comedy-Produktionen. Sollen wir darauf verzichten und lieber Ihren Scott Henderson, Buddy Guy oder Jeff Beck durch den Äther blasen? Radiomoderatoren, die unterhalten und zum Lachen bringen, werden von Ihnen lächerlich gemacht. Doch Obacht: Wir machen das Programm nicht für Sie oder uns. Am Radiogerät hört das Volk!
Was ist an einer Branche schlecht, die sich in den letzten Jahren professionalisiert hat und die ihre Mehrheiten-Hörer ernst nimmt? Was machen Radiosender falsch, die plötzlich im schwarzen Zahlenbereich arbeiten und mehr Hörer gewinnen, die zudem noch länger dranbleiben? Schauen Sie genau hin, dann sehen Sie, warum Sender wie Radio Basel 1, Radio BE1, DRS 3, Radio Energy, Radio Pilatus, Radio 32 und das 25-jährige Radio 24 Erfolg haben.
Ja, Erfolg. Sie sollten dieses Wort kennen. In den Neunzigerjahren noch gefeierter Werber, heute mit «kreativen Mailings» den Neuanfang suchend. Oder wie Sie selbst kürzlich über das Scheitern Ihrer Agentur WHS sagten: «Und plötzlich bist du out, und du weisst so wenig warum, wie du vorher wusstest, warum du in bist.» Tja Herr Weber, es scheint an der Zeit, wieder etwas in zu sein. Hören wir bei einer Tasse Kaffee gemeinsam hin. Sie sehen, Sie haben trotzdem einen Freund gewonnen. Aber die Musik spielt morgen; vergessen wir gestern.
> Peter Brun ist Programmleiter von Radio 24.

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