«Von 32 auf 57 Prozent»: Was die neue MACH-Studie über die KI-Nutzung in der Schweiz verrät

Die Schweizer Wohnbevölkerung nutzt Künstliche Intelligenz in Rekordtempo – mit einem in der aktuellen MACH-Studie belegten Wachstum von knapp 80 Prozent innerhalb eines einzigen Jahres. Anna Müller, Director of Product Management bei der WEMF, zeigt darin auf, wie rasant sich die Technologie im Alltag etabliert und weshalb sich damit für die Werbe- und Medienbranche fundamentale Türen öffnen.

Die Zahlen der jüngsten MACH-Strategy-Erhebung sprechen eine unmissverständliche Sprache und markieren einen historischen Wendepunkt für den Schweizer Medienkonsum. Während im vergangenen Jahr 2025 noch rund 32 Prozent der Wohnbevölkerung ab 14 Jahren angaben, gelegentlich KI-basierte Anwendungen zu nutzen, schnellt dieser Wert im Jahr 2026 auf imposante 57 Prozent empor. Dies entspricht absolut rund 4,3 Millionen Menschen und einem Wachstum von fast 80 Prozent innerhalb von nur zwölf Monaten. Anna Müller, Director of Product Management bei der WEMF, beschreibt diesen Befund wie folgt:

«Die Daten zeigen einen rasanten Durchdringungsprozess: Von 32 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 57 Prozent – künstliche Intelligenz ist im Alltag der Schweizer Bevölkerung fest verankert.»

Plattform-Dschungel und klare Platzhirsche

Betrachtet man die differenzierte Nutzung einzelner Applikationen im Rahmen der regulären Nutzung, zeigt sich ein dominierender Spitzenreiter. ChatGPT führt den Schweizer Markt mit einer wöchentlichen Regular Usership von 26 Prozent unangefochten an, was knapp zwei Millionen Personen entspricht. Mit beträchtlichem Abstand folgen Microsoft Copilot mit sieben Prozent beziehungsweise rund einer halben Million regelmäßigen Anwendern sowie Google Gemini mit vier Prozent. Weitere spezialisierte Anwendungen wie Perplexity, Claude oder DeepSeek bewegen sich im einstelligen Prozentbereich und bedienen spezifische Nischen. Dabei offenbart der Blick unter die Haube, dass der Grossteil der ChatGPT-Nutzerschaft auf die Gratisversion setzt, während die Bezahlversionen vor allem von intensiven Power-Usern und professionellen Anwendern frequentiert werden.

Demografische Kontraste und soziokulturelle Muster

Im differenzierten Spiegel der Soziodemografie zeigen sich bei genauerer Betrachtung spannende Kontraste und klare Nutzungsprofile. Zwar durchdringt KI sämtliche Alters- und Bevölkerungsschichten, doch die Intensität variiert stark. Jüngere Kohorten zwischen 14 und 19 Jahren greifen mit über 80 Prozent am häufigsten zu intelligenten Assistenten, während die Nutzungskurve bei älteren Semestern naturgemäss abflacht, über alle Segmente hinweg aber ein starkes Wachstum verzeichnet. Auch beim Geschlecht zeigen sich Nuancen: Männer nutzen ChatGPT mit rund 26 Prozent spürbar häufiger als Frauen mit etwa 17 Prozent. Dennoch lässt sich konstatieren, dass die Technologie längst kein exklusives Männer- oder Jugendphänomen mehr ist, sondern in der Gesamtbevölkerung eine breite gesellschaftliche Relevanz erreicht hat.

Vom Informationskanal zur neuen Werbearenen-Realität

Besonders bedeutsam für die strategische Mediaplanung ist die Verschiebung der Nutzungsanlässe. Die MACH-Daten unterstreichen, dass KI-Anwendungen primär zur Beantwortung von Fragen und als Informationsquelle mit einer Zustimmung von 52 Prozent genutzt werden. Dicht dahinter folgen die Ideenfindung und Inspiration mit 44 Prozent sowie die konkrete Unterstützung beim Shopping mit 34 Prozent. Themenbereiche wie Unterhaltungselektronik, Reisen oder Weiterbildung erfahren durch KI eine völlig neue Form der organischen Recherche.

Da OpenAI und andere Anbieter in ihren Gratisversionen zunehmend Werbung schalten und kontextual einbinden, wandelt sich KI von der reinen Softwareanwendung zu einem vollwertigen Werbekanal. Anna Müller unterstreicht diesen Paradigmenwechsel:

«Künstliche Intelligenz ist längst kein Nischenthema mehr, sondern entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zu einem eigenständigen Werbekanal unter mehreren Kanälen.» 

Für Marketingverantwortliche bedeutet dies, dass künftige Kampagnen nicht mehr allein über klassische Keywords gesteuert werden, sondern in dialogbasierte Entscheidungsprozesse integriert werden müssen. Die diesjährige MACH-Strategy-Studie bietet der Schweizer Kommunikationsbranche damit das unverzichtbare Fundament, um diese Transformation datenbasiert zu begleiten und den Mediamix optimal zu steuern.


m&k-Daten-Service: Die wichtigsten MACH-Strategy-Kennzahlen im Überblick

  • Gesamtdurchdringung: 57 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung ab 14 Jahren (rund 4,3 Millionen Personen) nutzen im Jahr 2026 mindestens gelegentlich KI-Anwendungen, was einem massiven Wachstum von 79 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (32 Prozent / 2,38 Millionen) entspricht.

  • Plattform-Ranking (Regular Usership): ChatGPT dominiert den Schweizer Markt mit 26 Prozent (1,97 Millionen User), gefolgt von Microsoft Copilot mit 7 Prozent (500’000 User) und Google Gemini mit 4 Prozent (337’000 User). Perplexity, Claude und DeepSeek erreichen jeweils rund 1 Prozent.

  • Altersgefälle: Die aktivste Nutzung zeigt sich bei den 14- bis 19-Jährigen mit über 80 Prozent Durchdringung. Ältere Segmente weisen zwar tiefere Einstiegswerte auf, verzeichnen aber über alle Altersklassen hinweg ein starkes, kontinuierliches Wachstum.

  • Geschlechtsspezifische Nutzung: Bei ChatGPT zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern; rund 26 Prozent der Männer greifen regelmässig darauf zu, verglichen mit etwa 17 Prozent bei den Frauen.

  • Bezahl- versus Gratisversion: Rund 16 Prozent der ChatGPT-Nutzerschaft in der Schweiz setzen ausschliesslich auf die Bezahlversion, während 83 Prozent die Gratisversion (inklusive künftiger Werbeintegrationen) nutzen.

  • Nutzungsanlässe: Die KI-Nutzung konzentriert sich primär auf die Beantwortung von Fragen und Informationsbeschaffung (52 Prozent), gefolgt von Ideenfindung und Inspiration (44 Prozent) sowie der konkreten Unterstützung beim Online-Shopping (34 Prozent).

Die WEMF-Zeitachse veranschaulicht die rasante Entwicklung der Schweizer Medienlandschaft der letzten Jahre: Der Kommunikationsmix hat sich dynamisch von klassischen digitalen Kanälen und Content-Angeboten hin zu interaktiven und KI-gesteuerten Touchpoints erweitert.

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