Vier Visionen für Detaillisten

Detailhandel Das GDI hat in Zusammenarbeit mit Coop, Migros-GenossenschaftsBund, Denner, Manor, Promarca, Rewe Schweiz und Valora die Zukunft des Schweizer Detailhandels zur Diskussion gestellt.

Detailhandel In zehn Jahren werden die
Schweizer anders einkaufen. Wo, wie und mit welchen Folgen für die
Branche? Die neue GDI-Studie «Detailhandel Schweiz 2015» wirft einen
Blick in die Zukunft.Das GDI hat in Zusammenarbeit mit Coop,
Migros-GenossenschaftsBund, Denner, Manor, Promarca, Rewe Schweiz und
Valora in Interviews, Experten- und Szenario-Workshops die Zukunft des
Schweizer Detailhandels zur Diskussion gestellt.
Die Triebkräfte der Veränderungen werden gemäss Einschätzung der Experten vor allem die alternde
Gesellschaft, die immer knapperen Ressourcen, die wachsende Schere
zwischen Arm und Reich, die Bedeutung von Informations- und
Vernetzungstechnologien sowie die Liberalisierung, Globalisierung und
wachsende internationale Wettbewerbsintensität sein. Dabei wurde klar,
dass der Hauptkonkurrent des Detailhandels nicht der Detailhandel
selbst, sondern das frei verfügbare Einkommen, das wegen steigenden
Ausgaben für Krankenversicherungen, Vorsorge, Steuern oder Energie
deutlich zurückgehen wird.
Wachstum ist für den klassischen Handel höchstens möglich, wenn er mit
seinen Kernkompetenzen international expandiert oder in branchenfremde
Märkte diversifiziert. Auf Grund der IT-Revolution wird für den
Anbieter nicht mehr seine Sicht «our price» und sein Produkt im Fokus
stehen, sondern die Kundenbeziehung und dessen «my price». Vier extreme
Zukunftsszenarien haben die Topmanager entworfen:

Die vier Szenarien

Reglobalisierung:
Liberalisierung bringt Standardisierung und Internationalisierung des
Angebots. Grösste Verlierer: die Landwirtschaft und die in der Schweiz
produzierende Industrie sowie die unabhängigen Händler in Kleinstädten
und ländlichen Gegenden. Gewinner werden die stärksten internationalen
Fachmärkte sein (Category-Killers) sowie die Foodanbieter, die wie
Category-Killers funktionieren (Waldi: Fusion von Walmart und Aldi).
Migros und Coop werden schrumpfen, Denner gibt es nicht mehr, Manor
zieht sich auf die grossen Städte zurück. Aber es gibt auch viele
Nischen, die blühen werden und neue Konzepte entstehen lassen. Die
Kunden profitieren insbesondere von tiefen Preisen und einer grossen
Angebotsvielfalt.

Pausenszenario: Der Schweizer
Detailhandel und die Zulieferer entziehen sich den
Globalisierungsprozessen und schotten sich vom Umfeld ab. Allerdings
sind die Folgen langfristig für alle Marktteilnehmer negativ. Denner
ist als der typisch schweizerische Discounter der grosse Gewinner.

Achterbahn: Die Schweiz fährt
kontinuierlich durch die stark schwankende Weltwirtschaft. Swissness,
als Marke für alles, Abgrenzung und Integration bestimmen auch die
Handelslandschaft in der Schweiz. Schweizer Anbieter können sich
behaupten, stehen allerdings zunehmend unter Druck, da das frei
verfügbare Einkommen der Konsumenten und Haushalte deutlich sinkt.

Regio-Patterns: In diesem
Szenario können regionale Anbieter über die Grenzen hinaus blühen,
werden aber die wachsende Dominanz von China als Güterproduktions- und
Indien als Dienstleistungszentrum spüren. Was die Grossverteiler in der
Schweiz verlieren, können sie dank der Öffnung gegenüber der EU
kompensieren. Anbieter mit grossem Einzugsgebiet wie Einkaufszentren
bekommen die internationale vereinfachte Konkurrenz über die Grenze
massiv zu spüren.

Luca Aloisi

More articles on the topic