Vier erfolgreiche Schweizer Content-Marketing-Kampagnen
CONTENT MARKETING Hat die klassische Push-Werbung ausgedient? Sind jetzt nur noch Inhalte gefragt? Wie sehen solche Inhalte aus und wie werden sie umgesetzt? MK ist auf Spurensuche gegangen und hat verschiedene erfolgreiche Content-Marketing-Kampagnen entdeckt.In den vergangenen Jahrzehnten konnten mithilfe der klassischen Werbung Marken, Produkte und Dienstleistungen emotional vermarktet werden. Mittlerweile hat sich bei den Konsumenten eine werbliche Übersättigung eingestellt.Der moderne Konsument will unterhalten werden. Content ist Trumpf und bereitet die Konsumenten mit Word-of-Mouth-, Content, Viral, Social-Media- und Suchmaschinenmarketing auf die klassischen Werbemethoden vor. Damit wird hochwertiger Content zum zentralen Marketingtool im Wettbewerb um die Gunst der Kunden.Produkte und Marken rücken in den HintergrundEine Unternehmung, die Content Marketing betreibt, veröffentlicht regelmässig Inhalte, die für die fokussierte Zielgruppe einen besonderen Wert darstellen, beispielsweise White Paper. Solche «Weissbücher» werden zunehmend als Kommunikationsmittel eingesetzt. Damit werden qualitativ hochstehende Kundenkontakte generiert.Ein White Paper orientiert schnörkellos und ohne Werbeballast über ein bestimmtes Thema. Anwendererfahrungen, Erfolgsgeschichten, Analysen oder Resultate von Marktforschungen werden in zielgruppengerechter Sprache vermittelt. Der Servicegedanken hat einen grossen Stellenwert. Unternehmen werden als positiv, kompetent und sympathisch wahrgenommen, welche Content mit folgenden Elementen vermitteln:- Blogs- Videos- Tutorials- White Paper- Konfiguratoren- Checklisten- Infografiken- Bildstrecken- TutorialsBessere Platzierung im Suchmaschinen-RankingDer beste und schönste Webauftritt verpufft, wenn er nicht gefunden wird. Hochstehendes Content Marketing wird von den Suchmaschinen mit einer besseren Platzierung honoriert. Die Suchalgorithmen wurden in den letzten Monaten gezielt in Richtung Responsive Design und dem Auffinden von hochwertigem Content angepasst. So schafft die Optimierung des Suchresultates zusätzlichen Traffic.
1. «Legoslative»

Die «Legoparlamentarier» beim Ablegen des Amtseides.Lego besetzt in der Schweiz 18,8 % des Spielwarenmarktes. Microspot.ch wollte auf den Weihnachtsverkauf hin seinen Anteil am Lego-Verkaufsumsatz vergrössern – insbesondere, da das Spielwarenangebot 2015 stark ausgebaut wurde. So erteilte microspot.ch der Zürcher Agentur BlueGlass den Auftrag, die organischen Rankings rund um die Lego-Suchanfragen langfristig zu verbessern.UmsetzungIn Zusammenarbeit mit einem Lego-Verein wurden die Bundesratswahlen mit Lego-Figuren nachgestellt. Die Lego-Modelle wurden dem Online-Newsportal Watson für die Berichterstattung zur Verfügung gestellt. Watson hat mit den Modellen ein Stopmotion-Video zum Ablauf der Wahlen inklusive Wahlprognose erstellt. Das Video wurde auf Social Media intensiv diskutiert.Die ResultateDer Outreach erbrachte zahlreiche namhafte Verlinkungen. Es wurden ca. 7100 generierte Social Signals registriert. Die Twitter-Gemeinde kreierte #Legoslative. Bei den definierten Projekt-Keywords gab es eine durchschnittliche Rankingverbesserung um 11,2 Positionen. Der organische Lego-Umsatzanteil nach der Kampagne war um 62 % höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Für das CH Online-Portal war es zudem der drittbeste Advents-Spot 2015.
2. Nachwuchskräfte begeistern

«Project 365d» der Swisscom: Die Bewohner der ICT WG George Zerveas, Oliver Zähner und Abiraam Vatathan (von links).Die Aufgabenstellung für die Full-Service-Digitalagentur Namics lautete: Die Swisscom soll als Arbeitgeberin für ICT-Nachwuchskräfte erleb- und greifbarer werden. Als Nebeneffekt sollen die Rekrutierungskosten für ICT-Fachleute gesenkt werden können.Die LösungKern aller Massnahmen war das Ziel, mit begeisternden Inhalten aus der Community attraktiver zu wirken. Im ersten Schritt wurde 2012 der «We love ICT»-Blog gelauncht. Der Blog rückte die ICT-Fachleute von Swisscom in den Mittelpunkt und diente als zentrale Plattform für eine authentische und transparente Kommunikation mit ICT-Experten.Die WG war erfolgreichAls neuestes Projekt in der Employer-Branding-Kampagne lancierte Swisscom das «Project 365d»: Drei ICT-Absolventen leben für ein Jahr in einer gemeinsamen WG. Sie entwickeln an einem Tag der Woche das Wohnen der Zukunft weiter und absolvieren an vier Tagen der Woche ein Praktikum in der Innovationsabteilung der Swisscom.Aus der WG wurde ständig authentischer Content geliefert. ICT-Fachkräfte bekamen sehr schnell einen Einblick in die Tätigkeitsgebiete der Swisscom. Mit der Du-Ansprache wurde eine Nähe geschaffen, die für die Interessenten wichtig war.Seit dem Launch des Projektes ist die Beliebtheit der Swisscom als ICT-Arbeitgeberin im Universum-Ranking von Platz 10 auf Platz 3 hochgeschossen. Als erwünschter Nebeneffekt konnten die ICT-Rekrutierungskosten auf fast die Hälfte reduziert werden.
3. «Booster» für die interne Kommunikation

«Booster» verbindet die Mitarbeitenden der Hostettler Group mobil und am Arbeitsplatz.Die Hostettler Group ist ein führendes Schweizer Grosshandelsunternehmen in der Zweirad-Branche und in den Bereichen Trendsport, Autoersatzteile und Motorentechnik. Mit knapp 600 Mitarbeitenden zählt das vor 110 Jahren gegründete und heute in zwölf eigenständige Handelsfirmen gegliederte Familienunternehmen zu den massgebenden Wirtschaftsmotoren in der Zentralschweiz.Um den dezentralen Kommunikationsfluss innerhalb der Gruppe zu optimieren, hat die Swisscontent AG Zürich die digitale Plattform «Booster» für die Mitarbeitenden konzipiert und produziert.Gemeinsam mit der Hostettler Group und in Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma Repaper Consulting AG wurde die Content-Strategie erarbeitet und in die neue Plattform implementiert. Die Swisscontent AG unterstützt die Hostettler Group in der Inhaltsproduktion der Kommunikationsplattform und übernimmt die technische Weiterentwicklung.Die neu geschaffene Plattform befriedigt die Bedürfnisse der Mitarbeitenden nach Information und Austausch. Sie erlaubt einen einfachen und direkten Austausch zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitenden. Der Content kann bewertet und kommentiert werden. Zudem haben alle Mitarbeitenden die Möglichkeit, eigene Inhalte zu verfassen und zu publizieren.Mobil und einfach bedienbar«Booster» läuft auf allen Endgeräten und Betriebssystemen und ist intuitiv bedienbar. Mit der mobilen Lösung auf Smartphones können die Mitarbeitenden jederzeit miteinander kommunizieren. Pro Werktag nutzen 200 Besuchende «Booster». Selbst an Wochenenden werden bis zu 300 Seitenaufrufe/Tag registriert.
4. 10 Männer – 10 Bärte

Nach der Fasnacht vielen die Bärte – ein Youtube-Video zeigt den spassigen Verschönerungsprozess.Fanger Hair and More mit Salons in Luzern, Alpnach und Sarnen ist bei den Kundinnen in der Zentralschweiz ein Begriff. Mit Jil’s Hair & Extensions by Fanger wird auch eine jüngere, weibliche Zielkundschaft angesprochen.Besitzer Guido Fanger wollte nun auch den Bekanntheitsgrad bei den Männern erhöhen. In Zusammenarbeit mit der auf Social-Media-Inhalte spezialisierten Agentur Social iQ aus Kriens wurde die «Bart-Idee» entwickelt.Pünktlich zum Fasnachtsbeginn am 11.11.2015 verschlossen die männlichen Mitglieder der Guggenmusik «Rätschbäsä» aus Sarnen ihre Rasierapparate im Schrank und liessen sich Bärte wachsen.Die Bärte müssen weg!Am 18. Februar war es dann so weit. Die zehn Bärtigen stürmten den Salon von Fanger Hair and More und konnten dank einem grossen Personalangebot alle gleichzeitig rasiert werden. Social iQ war mit einem Kamerateam vor Ort und postete den Beitrag mit dem «Gesichtsenthaarungsvideo» am selben Abend auf YouTube, Facebook und Twitter.Innerhalb eines Tages wurde das Video mehr als 1000 Mal aufgerufen. Guido Fanger hat sich mit dieser Aktion die Aufmerksamkeit der männlichen Zielgruppe in der Region gesichert und spielerisch aufgezeigt, dass Fanger Hair & More nicht «nur» Haare verlängert, sondern auch gezielt glatte Gesichter hervorzaubern kann.
Autor: Heinz Urben
