Vergesst Cannes ‘04!

Beat Fritsch über die Lehren, die am IAF aus Schweizer Sicht zu ziehen sind.

Beat Fritsch über die Lehren, die am IAF aus Schweizer Sicht zu ziehen sind.Das IAF 2004 ist Geschichte, und das Abschneiden der Schweiz evozierte alles andere als Begeisterungsstürme. Wider Erwarten mochte sich darüber dieses Jahr allerdings niemand grämen, geschweige denn ärgern. Der Beobachter mit Einblick in die Szene erhielt gar den Eindruck, das Resultat sei so erwartet worden. Dieser Wahrnehmung widerspricht aber die nicht geringe Anzahl von 281 Einreichungen. Wer glaubt, es gebe nichts zu gewinnen, macht nicht mit.Es bleibt also ein Hoffnungsschimmer, dass sich unsere Werber noch nicht mit dem Schicksal, kreative Underdogs zu sein, abgefunden haben. Gleichwohl sei Tacheles geredet: Cannes zeigte, dass man im internationalen Vergleich momentan bestenfalls im oberen Bereich des kreativen Mittelstands angesiedelt ist. So erstaunt es nicht, dass die einzig heimgeholte Trophäe «nur» aus Bronze ist.
Hellhörig machen sollte jedoch die Tatsache, dass deren Gewinner mit gerade mal zwei Arbeiten ins Rennen ging. Als Kleinstagentur fehlen Catsky & Partner nämlich die finanziellen Mittel der Netzwerkagenturen, die ihre Arbeiten jeweils in Legion an den Start schicken.
Zeit also für ein wenig Ursachenforschung. Liegt es an der oft zitierten, fehlenden internationalen Lobby für unser Land? Sollen Schweizer Juroren im Vorfeld über die eingereichten Arbeiten gebrieft werden? Muss man den Agenturen Workshops für richtiges Einreichen – wie es Catsky & Partner offensichtlich gelungen ist – anbieten? Und wer soll diese durchaus vernünftigen Forderungen – sie werden Jahr für Jahr von führenden Kreativen und auch den Juroren gestellt – in die Tat umsetzen?
In der Schweiz existieren mit dem ADC und dem BSW zwei Verbände, denen finanzielle und personelle Mittel dafür zur Verfügung stünden. Irgendwer sollte es jedoch gelegentlich anpacken. Also raus aus den kreativen Agentur-Réduits, den Blick vorwärts in die weite Welt
gerichtet. Denn wer nichts wagt, der nichts gewinnt!
> Beat Fritsch, redaktioneller Mitarbeiter

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