Übrigens: Wie LinkedIn über KI spricht – und was dabei verloren geht

In unserer Kolumne «Übrigens…» sinnieren abwechselnd Laura Colledani und Klaus Ammon von Management Tools über Themen unserer Zeit. Diesmal: Eine Beobachtung über schnelle Expertise und die Kunst, sich nicht zu sicher zu sein.

Auf LinkedIn begegnet man ihnen fast täglich: Menschen, die erklären, wie künstliche Intelligenz unser Arbeiten verändert, welche geniale neue Modelle es heute gibt, und nicht zuletzt – wieviel Geld man heute schon mit KI verdienen kann – natürlich mit deren KI. Diese selbsternannten KI Superhelden posten Tools, zeigen Prompts, fassen zusammen, was andere schon gesagt haben. Die Beiträge sind klar gestaltet, gut strukturiert, visuell ansprechend. Aber  – sie sind sich oft erstaunlich ähnlich, wenn man sich die Mühe macht, ein bisschen darin zu lesen.

Viele dieser Inhalte wirken professionell – aber kaum jemand fragt: Woher stammt das Wissen eigentlich?  Und weiter: Was davon wurde selbst gedacht – und was einfach «übernommen», um nicht das Wort «kopiert» zu verwenden? Und die wohl wichtigste Frage ist, wem nützt das etwas?

Wissen in Serie

Ein grosser Teil dieser Beiträge folgt einem einfachen Prinzip:

  • Einstieg mit einem Versprechen («So nutzt du KI besser»)
  • eine Liste mit Empfehlungen
  • ein Tool oder ein Prompt
  • ein kurzer Satz zum Mitnehmen

Das funktioniert allem Anschein nach, Wohl, weil es vertraut ist und es sich leicht lesen lässt.

Aber es bleibt fast immer an der Oberfläche oder ist nicht verständlich.  Denn – was hier als «Erkenntnis» ausgewiesen wird, ist Wiederholung. Was wie Erfahrung klingt, ist häufig Aneignung.

Wenn KI über KI schreibt – geht das gut?

Viele der Texte über KI werden inzwischen mit KI erstellt. Das ist kein Problem – solange man offenlegt, was man selbst beigetragen hat. Doch genau das geschieht selten – eigentlich fast nie … stattdessen wird der Eindruck von Klarheit, Tiefe und Wissen vermittelt.

Sieht man jedoch genauer hin, findet man zumeist wenig, was Orientierung geben würde: Was heisst das Geschriebene bzw. Veröffentlichte für mich – für meinem Alltag? Was ist wirklich der Klärung und dem eigenen Erkenntnisgewinn dienlich?

Was heute fehlt …

In einer Zeit voller KI-Inhalte wäre es hilfreich, wenn Beiträge nicht nur zeigen, was möglich ist, sondern auch, was nicht auf Anhieb oder gar nicht zu beantworten ist. Wenn nicht nur Tools vorgestellt werden, sondern auch die dahinterliegenden Gedanken und Überlegungen.

Respektvoll anderen Menschen gegenüber wäre zudem, wenn die mit Innovation einhergehende Unsicherheit nicht versteckt, sondern als Teil der Auseinandersetzung sichtbar gemacht wird.

Was uns selbst betrifft …

Dieser Text ist mithilfe von KI entstanden. Und – auch ich nutze Struktur, Sprache und Verdichtung, um einen Gedanken zu transportieren. Aber ich bemühe mich darum, authentisch zu bleiben – mit dem Prozess, mit der Quelle, mit mir selbst.

Auch ich muss mich ebenfalls immer wieder an «die eigene Nase fassen» und die Fragen oder kritischen Anmerkungen, die ich Anderen stelle, auch bei mir selbst kritisch zu hinterfragen – was davon ist wirklich gedacht – und was nur «gut verpackt» nacherzählt?

Übrigens …

Vielleicht liegt hierin genau der Unterschied: Nicht, ob KI beteiligt ist oder war – sondern, ob man sich selbst noch dahingehend überprüft, wie man zu dem kommt, was man postet.


Laura Colledani und Klaus Ammon verfügen gemeinsam über mehr als 40 Jahre Erfahrung in Consumer Research und Marketingforschung. Über die Jahre hat sich dabei ein feines Gespür entwickelt für das, was Menschen bewegt – auch jenseits der Zahlen. Beide Autoren plädieren für eine Kommunikationskultur, die zuhört, bevor sie sendet. Mit dem neuen Ansatz von Management Tools des Consumer Listening möchten sie Marketingverantwortliche dabei unterstützen, Konsumenten nicht nur in traditioneller Weise zu befragen, sondern mit diesen in einen echten Beziehungsraum einzutreten.

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