Trauerspiel um Meyer’s geht in den zweiten Akt

Die Zukunft von Meyer’s bleibt nach wie vor ungeklärt.

Die Zukunft von Meyer’s bleibt nach wie vor ungeklärt.Das defizitäre Frauenheft sucht weiter nach einem Käufer und wird vorderhand weitergeführt. Dies wurde der Redaktion am Dienstag mitgeteilt. Für die in corpore gekündigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht damit die Ungewissheit über ihre Zukunft weiter.Es seien Gespräche mit neuen Interessenten im Gang. Mehr erfuhr die Redaktion am Dienstag auch nicht. Dabei hatten sich gerade erst Bruno Hug und Oliver Prange, Verleger von Obersee Nachrichten und Persönlich, mit Meyer’s tüchtig die Finger verbrannt. Nur drei Tage nachdem sie sich Hals über Kopf hineingestürzt hatten, wurde ihnen das vermeintliche Schnäppchen bereits zu heiss.
Hug und Prange hatten vor allem auf die Zeit gesetzt, in denen die gekündigte Redaktion noch bezahlt ist und zur Verfügung steht. «Das interessante am Geschäft war: Die Löhne sind für drei Monate bezahlt, in dieser Zeit wäre es möglich gewesen, einen neuen Stab aufzubauen», erklärt Hug. Anders gesagt: Man hätte den Titel danach auf Low-Cost-Produktion trimmen können, worin Hug und Prange viel Erfahrung haben. Doch dazu ist es nun nicht gekommen – die beiden warfen das Handtuch bereits wieder, als die bei Vertragsunterzeichnung noch verneinte Anbindung der Redaktion an den GAV bekannt wurde. Denn damit wären einige Hunderttausend Franken an zusätzlichen Mitarbeiterforderungen auf die neuen Besitzer zugekommen.
Ein Mitarbeiter ist überzeugt, der Patzer mit der verschwiegenen GAV-Unterstellung sei nicht mutwillig erfolgt, sondern Folge einer «katastrophalen Inkompetenz und Intransparenz» im Verlag Meyer AG. Offenbar habe eine Verwechslung stattgefunden mit dem GAV im Druckbereich, der 1996 gekündigt worden sei. Hug verzichtet auf eine Klage wegen der vorenthaltenen GAV-Unterstellung. «Ich habe keinen Schaden davongetragen, allenfalls einen Imageschaden», sagt er.
Mediaplaner sind nach wie vor der Meinung, Meyer’s müsse eine Zukunft haben. Der Deutschschweiz fehle sonst ein konservativer Frauentitel. Man darf gespannt sein, ob sich noch jemand findet, der die von Meyer’s abgedeckte Zielgruppe weiter bedienen will – und das Geld dazu hat. (dse)

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