Theater hilft bei Pickel

Kulturmarketing Alles andere als divenhafte Plakat-Teenies sorgen schon jetzt dafür, dass Direktor Christoph Marthaler einen Grund hat, seinen Vertrag mit dem Schauspielhaus zu verlängern.

Kulturmarketing Alles andere als divenhafte Plakat-Teenies sorgen schon jetzt dafür, dass Direktor Christoph Marthaler einen Grund hat, seinen Vertrag mit dem Schauspielhaus zu verlängern.Im Zürcher Schiffbau wartet immer noch ein Flugzeugträger auf seinen Gewinner – den 200000. Theaterbesucher. Trotz der unerreichten Zahl scheint die Publicis-Werbeaktion (WW 8/02) zum Sinneswandel in der Bevölkerung beigetragen zu haben. Alle drei Hauptbühnen vermelden mit Ende März 2003 deutlich gestiegene Auslastungszahlen: im Pfauen 59,1 (Vorjahr: 46 %), in der Schiffbau-Halle 83,3 (73,2 %) und in der Box 65,2 Prozent (63,8 %). Mit Hilfe der witzigen Abo-Kampagne, in der Schauspieler in Discount-Produkte verwandelt wurden, konnte der Einbruch bei den Abonnements teilweise aufgefangen werden.Publikumspflege füllt die SäleGründe für die Sympathiewelle sieht Barbara Higgs, Schauspielhaus-Sprecherin, nebst den starken Medienpartnerschaften mit Tamedia, NZZ und anderen, in der direkten Kommunikation mit dem Publikum, in der intensiveren Vermittlung der Angebote wie dem neuen Generalabonnement oder in Veranstaltungen wie jener vom Schweizerischen Arbeiterhilfswerk mit Bundesrätin Micheline Calmy-Rey.
Das Allerwichtigste aber ist das attraktive Programm der Spielzeit, die mit zwei von Kritik und Publikum sehr gut aufgenommenen Neuinszenierungen von Klassikern gestartet ist. Zusammen mit der Marthaler-Produktion «Groundings», die auch am soeben zu Ende gegangenen Berliner Theatertreffen gefeiert wurde, «war das einfach eine gute Saison», kommentiert Higgs. Das wiederum dürfte auch für das heterogenere und verjüngte Publikum gesorgt haben.
Just zum Ende der Spielzeit platziert das Kreativteam um CD-Duo Uwe Schlupp und Markus Gut einen Teenager-Abo-Auftritt auf Zürcher Plakatwänden und im Lokal-TV. «Wir sind der Frage nachgegangen: Wie bereitet man junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein aufs Leben vor?», erklärt Gut die Idee «mit viel Herz und Ironie». Die Antwort der als Teaser konzipierten Kampagne: Mit einem Schauspielhaus-Abo. Wo sonst werden die grossen Lebensfragen auf so engem Raum so anschaulich behandelt? Die ungeschminkte Ästhetik der Kampagne und der nüchterne Ausdruck pubertierender Jugendlicher soll bei allen Altersschichten Emotionen auslösen. Genauso wie der theatralisch anmutende Spot, in dem mit subtiler Erotik ein junger, ungelenker Hotdog-Verkäufer das Würstchen nicht ins Brötchen kriegt, auf das die aufgetakelte Kundin genervt wartet.
Bereit fürs Leben: Schauspielhaus-Kampagne von Publicis. Zappeliges Würstchen will nicht in den Hotdog: Teenager im TV-Spot fürs Schauspielhaus Zürich.
Luca Aloisi

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