«Sofort wachsen ist nicht nötig»
Verleger Matthias Hagemann zum Verkauf der Jean Frey AG an Ringier und über seine neuen Optionen
Verleger Matthias Hagemann zum Verkauf der Jean Frey AG an Ringier und über seine neuen OptionenZurück zu den Kerngeschäften in der Nordwestschweiz – das ist die neue Devise der Basler Mediengruppe (BM). Ihr Verwaltungsratspräsident Matthias Hagemann denkt bereits wieder an Expansion – über den Hauenstein oder die Landesgrenze hinaus.Im letzten Mai wollten Sie die Weltwoche noch behalten, jetzt verkaufen Sie sie gleich mit der ganzen Jean Frey AG. Warum?
Matthias Hagemann: Wir fragten uns letztes Jahr intensiv, was denn unsere Kerngeschäfte sind. Im Verlagsbereich mussten wir uns entscheiden, ob wir die bisherige nationale Strategie, die grosse Investitionen vorausgesetzt hätte, oder ob wir den Rückzug auf die Nordwestschweiz wählen sollten. Weil dann der Inseratemarkt einbrach und so beträchtliche Teile unserer geplanten Einnahmen ausblieben, überwog schliesslich die Option Rückzug.
Aber es könnte ja in Sachen Inserate auch wieder aufwärts gehen?
Hagemann: Sicher, aber wir versuchen ja auch schon seit acht Jahren, die Jean Frey AG zu einer für uns Gewinn bringenden Sache zu machen. Irgendwann mussten wir bilanzieren, ob wir erfolgreich sind oder nicht. Und dieser Zeitpunkt war angesichts des Umfeldes gekommen. Auch Tamedia hat ja noch vor kurzem ihre Multimediastrategie bejaht und sich plötzlich anders entschlossen.
Den Entscheid, bei der Jean Frey AG einzusteigen, hatten damals Peter Sigrist und Ihr Vater getroffen. War er falsch?
Hagemann: Man kann den damaligen Schritt nicht mit den heutigen Kenntnissen beurteilen. Damals hatte man das Gefühl, die Chance packen zu müssen, weil sich eine von mehreren Möglichkeiten bot, über die Region hinaus zu expandieren. Viele Schwierigkeiten, wie jene bei der Weltwoche, waren ja auch nicht absehbar. Kurz: Ich glaube, dass beide Entscheide – damals einzusteigen und jetzt auszusteigen – richtig sind.
Die grossen Schweizer Medienhäuser müssen mit Zukäufen, neuen Projekten, Auflagesteigerungen wachsen. Die BM bildet mit ihrem Rückzug eine Ausnahme. Hat sie Zukunft?
Hagemann: Wir haben den Baslerstab vor kurzem zu einer ausgebauten Gratiszeitung gemacht. Auch Tachles und Projekte im Onlinebereich haben wir lanciert. Zudem erhält die Redaktion der Basler Zeitung (BaZ) durch die neue Zeitungsrotation neue Möglichkeiten. Wir sind in unserer Region in einer relativ starken Position, eine Position, die sich etwa die Aargauer Zeitung noch erarbeiten muss. Unsere Zukunftsfähigkeit ist also keineswegs beeinträchtigt.
Heisst das, dass sich die BM nur in ihrem heimischen Monopolmarkt behaupten kann, nicht aber in einem Konkurrenzumfeld?
Hagemann: Konkurrenz herrscht auch bei uns. Und sie wird immer stärker. Die Pendlerzeitung 20 Minuten ist für uns auf der Kostenseite eine Herausforderung, und die NZZ am Sonntag könnte dazu führen, dass Inseratekampagnen von der Tagespresse weg auf den Sonntag verlegt werden.
Die Berner Zeitung (BZ) glaubt, eine Auflage von 200000 Exemplaren erreichen zu müssen, um im Werbemarkt bestehen zu können. Und die BaZ?
Hagemann: Für die BZ mögen diese Zahlen stimmen. Damit aber eine Zeitung wie die BaZ eine Vollredaktion finanzieren kann, braucht es drei Eckpfeiler: Sie muss in einem Wirtschaftsraum mit urbanem Zentrum beheimatet sein, ihn optimal abdecken und eine Auflage von 100000 Exemplaren überschreiten. Solange dies bei der BaZ gegeben ist und unsere Region die Nummer zwei in der Schweiz bleibt, sehe ich kein Problem.
Abgesehen vom Oberbaselbiet hat die BaZ aber kaum Wachstumsspielraum.
Hagemann: Die Basellandschaftliche Zeitung in Liestal und die Volksstimme in Sissach machen einen guten Job. Käme von dieser Seite aber der Wunsch nach einer Zusammenarbeit, würden wir uns nicht a priori verweigern. Doch ich glaube auch nicht, dass wir nur so noch wachsen können. Ich bin nicht sicher, ob im Mittelland die Würfel schon definitiv gefallen sind. Das glaubt auch die Espace Media Groupe nicht.
Sie sehen also über den Hauenstein hinaus?
Hagemann: Ja. Das ist für uns nicht vordringlich, aber dort besteht für uns durchaus ein gewisses Wachstumspotenzial. Übrigens auch in Deutschland. Falls sich die Schweiz nach Europa hin öffnen sollte, könnte der Wirtschaftsraum Oberrhein Realität werden. Das würde dem Zentrum Basel und der BaZ neue Möglichkeiten eröffnen. Auch wenn das noch weit weg ist, soll dies zeigen, dass wir uns mit unserem jetzigen Entscheid nicht hinter die sieben Berge zurückziehen.
Gibt es jenseits des Hauensteins schon konkretere Gespräche?
Hagemann: Nein. Die Mittelland Zeitung ist ja erst gerade gestartet.
Sehen Sie denn für die gesamte BM kurzfristige Wachstumsmöglichkeiten?
Hagemann: Ich sehe dafür keine Notwendigkeit, aber durchaus gewisse Chancen, etwa unsere Multimedialität (Radio, TV, Internet) zu steigern.
Die SonntagsZeitung schrieb, dass Sie auch Birkhäuser abstossen wollen und dass bis in einem Jahr die ganze BM Tamedia gehören könnte.
Hagemann: Beides stimmt klar nicht. Einen Verkauf der Gruppe hatten wir nie vor. Wir wollen das Familienunternehmen mit der bisherigen Aktionärsstruktur weiterführen. Und in der neuen regionalen Strategie ist die Druckerei Birkhäuser mit ihrem Umsatz von 80 Millionen Franken ein Eckpfeiler.
Kann man sagen, dass die BM ihre Restrukturierung nun abgeschlossen hat?
Hagemann: Ja. Das, was wir als ausserordentliche Restrukturierung bezeichnet haben, ist mit dem Verkauf der Jean Frey AG beendet. Aber das Unternehmen ist natürlich nie fertig.
Interview: Markus Knöpfli
Matthias Hagemann: Wir fragten uns letztes Jahr intensiv, was denn unsere Kerngeschäfte sind. Im Verlagsbereich mussten wir uns entscheiden, ob wir die bisherige nationale Strategie, die grosse Investitionen vorausgesetzt hätte, oder ob wir den Rückzug auf die Nordwestschweiz wählen sollten. Weil dann der Inseratemarkt einbrach und so beträchtliche Teile unserer geplanten Einnahmen ausblieben, überwog schliesslich die Option Rückzug.
Aber es könnte ja in Sachen Inserate auch wieder aufwärts gehen?
Hagemann: Sicher, aber wir versuchen ja auch schon seit acht Jahren, die Jean Frey AG zu einer für uns Gewinn bringenden Sache zu machen. Irgendwann mussten wir bilanzieren, ob wir erfolgreich sind oder nicht. Und dieser Zeitpunkt war angesichts des Umfeldes gekommen. Auch Tamedia hat ja noch vor kurzem ihre Multimediastrategie bejaht und sich plötzlich anders entschlossen.
Den Entscheid, bei der Jean Frey AG einzusteigen, hatten damals Peter Sigrist und Ihr Vater getroffen. War er falsch?
Hagemann: Man kann den damaligen Schritt nicht mit den heutigen Kenntnissen beurteilen. Damals hatte man das Gefühl, die Chance packen zu müssen, weil sich eine von mehreren Möglichkeiten bot, über die Region hinaus zu expandieren. Viele Schwierigkeiten, wie jene bei der Weltwoche, waren ja auch nicht absehbar. Kurz: Ich glaube, dass beide Entscheide – damals einzusteigen und jetzt auszusteigen – richtig sind.
Die grossen Schweizer Medienhäuser müssen mit Zukäufen, neuen Projekten, Auflagesteigerungen wachsen. Die BM bildet mit ihrem Rückzug eine Ausnahme. Hat sie Zukunft?
Hagemann: Wir haben den Baslerstab vor kurzem zu einer ausgebauten Gratiszeitung gemacht. Auch Tachles und Projekte im Onlinebereich haben wir lanciert. Zudem erhält die Redaktion der Basler Zeitung (BaZ) durch die neue Zeitungsrotation neue Möglichkeiten. Wir sind in unserer Region in einer relativ starken Position, eine Position, die sich etwa die Aargauer Zeitung noch erarbeiten muss. Unsere Zukunftsfähigkeit ist also keineswegs beeinträchtigt.
Heisst das, dass sich die BM nur in ihrem heimischen Monopolmarkt behaupten kann, nicht aber in einem Konkurrenzumfeld?
Hagemann: Konkurrenz herrscht auch bei uns. Und sie wird immer stärker. Die Pendlerzeitung 20 Minuten ist für uns auf der Kostenseite eine Herausforderung, und die NZZ am Sonntag könnte dazu führen, dass Inseratekampagnen von der Tagespresse weg auf den Sonntag verlegt werden.
Die Berner Zeitung (BZ) glaubt, eine Auflage von 200000 Exemplaren erreichen zu müssen, um im Werbemarkt bestehen zu können. Und die BaZ?
Hagemann: Für die BZ mögen diese Zahlen stimmen. Damit aber eine Zeitung wie die BaZ eine Vollredaktion finanzieren kann, braucht es drei Eckpfeiler: Sie muss in einem Wirtschaftsraum mit urbanem Zentrum beheimatet sein, ihn optimal abdecken und eine Auflage von 100000 Exemplaren überschreiten. Solange dies bei der BaZ gegeben ist und unsere Region die Nummer zwei in der Schweiz bleibt, sehe ich kein Problem.
Abgesehen vom Oberbaselbiet hat die BaZ aber kaum Wachstumsspielraum.
Hagemann: Die Basellandschaftliche Zeitung in Liestal und die Volksstimme in Sissach machen einen guten Job. Käme von dieser Seite aber der Wunsch nach einer Zusammenarbeit, würden wir uns nicht a priori verweigern. Doch ich glaube auch nicht, dass wir nur so noch wachsen können. Ich bin nicht sicher, ob im Mittelland die Würfel schon definitiv gefallen sind. Das glaubt auch die Espace Media Groupe nicht.
Sie sehen also über den Hauenstein hinaus?
Hagemann: Ja. Das ist für uns nicht vordringlich, aber dort besteht für uns durchaus ein gewisses Wachstumspotenzial. Übrigens auch in Deutschland. Falls sich die Schweiz nach Europa hin öffnen sollte, könnte der Wirtschaftsraum Oberrhein Realität werden. Das würde dem Zentrum Basel und der BaZ neue Möglichkeiten eröffnen. Auch wenn das noch weit weg ist, soll dies zeigen, dass wir uns mit unserem jetzigen Entscheid nicht hinter die sieben Berge zurückziehen.
Gibt es jenseits des Hauensteins schon konkretere Gespräche?
Hagemann: Nein. Die Mittelland Zeitung ist ja erst gerade gestartet.
Sehen Sie denn für die gesamte BM kurzfristige Wachstumsmöglichkeiten?
Hagemann: Ich sehe dafür keine Notwendigkeit, aber durchaus gewisse Chancen, etwa unsere Multimedialität (Radio, TV, Internet) zu steigern.
Die SonntagsZeitung schrieb, dass Sie auch Birkhäuser abstossen wollen und dass bis in einem Jahr die ganze BM Tamedia gehören könnte.
Hagemann: Beides stimmt klar nicht. Einen Verkauf der Gruppe hatten wir nie vor. Wir wollen das Familienunternehmen mit der bisherigen Aktionärsstruktur weiterführen. Und in der neuen regionalen Strategie ist die Druckerei Birkhäuser mit ihrem Umsatz von 80 Millionen Franken ein Eckpfeiler.
Kann man sagen, dass die BM ihre Restrukturierung nun abgeschlossen hat?
Hagemann: Ja. Das, was wir als ausserordentliche Restrukturierung bezeichnet haben, ist mit dem Verkauf der Jean Frey AG beendet. Aber das Unternehmen ist natürlich nie fertig.
Interview: Markus Knöpfli
