SF DRS hat die Schnauze voll

Der Burgfrieden zwischen Schuhmacher, Räz und Gasche löst bei SF DRS im Moment nur Misstrauen aus

Der Burgfrieden zwischen Schuhmacher, Räz und Gasche löst bei SF DRS im Moment nur Misstrauen ausVon Daniel SchifferleMit der Aufteilung des Printmedienimperiums der drei Konsumentenschützer Hans Räz, Urs P. Gasche und René Schuhmacher hat sich letzterer die meisten Probleme eingehandelt. Neben einer sinnvollen Positionierung der beiden praktisch identischen Hefte Saldo und
K-Tipp muss ihm die Rettung der Zusammenarbeit mit SF DRS
gelingen. Dort hat man die Nase gestrichen voll vom Hin und Her mit den Partnermagazinen (siehe auch Seite 5).
Eine Ära ist zu Ende: Die drei Konsumentenschützer Schuhmacher, Räz und Gasche dividieren ihr Printmedienimperium auseinander und entflechten ihre Tätigkeiten. So gibt es für die drei Streithähne, deren Konflikte auch für die Weiterentwicklung der Publikationen nicht förderlich waren, künftig kaum mehr Anlass zum Streiten. Einzig die Vermarktung sowie der Bereich Abonenntenservice bleiben auch weiterhin für sämtliche Titel dieselben.
Schuhmacher hat jetzt mit dem K-Tipp und dem ebenfalls sehr erfolgreichen Saldo zwar ein Powerduo mit einer Auflage von zusammen über 520000 Exemplaren, das aber reichlich Probleme aufwirft. Denn die beiden Hefte sind praktisch identisch positioniert. Die Aufgabe wird sein, diesen vernünftig nebeneinander genügend Lebensraum zu schaffen. Wie, das wird die Aufgabe der nächsten Wochen und Monate sein.
Eines ist für Schuhmacher aber bereits jetzt klar: Er will beide Hefte behalten, eine Zusammenführung ist kein Thema. Denn er ist optimistisch, dass beide Titel im Markt Platz haben. Schuhmacher: «Beide Magazine kommen nur vierzehntäglich heraus und sind mit je 32 Seiten Umfang relativ schmalbrüstig. Im Vergleich mit der Coop- und der Migros-Presse, die Auflagen von über zwei Millionen Exemplaren haben, ist es immer noch wenig, was die Konsumentenpresse dem entgegensetzt.»
SF DRS grollt und traut im
Moment keinem mehr
Weit einfacher ist hingegen die neue Struktur für Hans Räz und Urs P. Gasche, die zwei erfolgreiche Hefte weiterführen. Gasche gehört neu zu 100 Prozent die Puls Media AG, Herausgeberin des Puls-Tipp. Räz wird alleiniger Besitzer der Edition Plus GmbH, Herausgeberin von Bon à Savoir. Weil Konsumenten- und Gesundheitsthemen gegenwärtig stark boomen, sind für beide Hefte weiterhin genügend Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden. Räz und Gasche werden aber immer weniger am Sitz der KI Konsumenteninfo anzutreffen sein, dafür umso häufiger bei ihrer gemeinsamen TV-Produktionsfirma Xproductions, die nur einen Sprung von der KI Konsumenteninfo entfernt liegt.
Derweil Puls-Tipp und Bon à Savoir beruhigt in die Zukunft schauen können, haben sich über Saldo düstere Wolken zusammengebraut. Nichts weniger, als die für den Erfolg so wichtige Zusammenarbeit mit SF DRS ist bedroht.
Denn dort hat der jetzt von den drei Konsumentschützern geschlossene Burgfrieden nicht etwa beruhigt, sondern im Gegenteil das Misstrauen noch erhöht.
Man fühlt sich als Spielball, den Launen der Drei ausgeliefert. SF-DRS-Chefredaktor Filippo Leutenegger grollt: «Gerade erst hat uns der K-Tipp, noch unter Räz und Gasche, eingeklagt, weil wir Saldo und damit Schuhmacher geholfen haben sollen. Und jetzt ist alles wieder bei Schuhmacher. Da kommt man sich doch komisch vor, wenn dauernd die Karten neu gemischt werden.»
Deshalb will man nun auch die Zusammenarbeit mit Saldo grundsätzlich überdenken. Leutenegger: «Zwar haben die Drei das Feld jetzt neu aufgeteilt, aber das können sie auch wieder ändern, denn alle Drei sind bei der KI Konsumenteninfo AG weiterhin Gesellschafter. Es bleibt deshalb das Problem, dass zwei von ihnen den Dritten auch in Zukunft überstimmen und wieder alles umkrempeln können, wenn sie Lust dazu verspüren.»
SF DRS könnte ganz gut
auch ohne Saldo leben
Dass die Stimmrechte bei der KI Konsumenteninfo nun zu 100 Prozent bei Schuhmacher liegen, ist für ihn überhaupt keine Garantie für eine ärgerfreie Zukunft. «Was wir dringend brauchen, sind verlässliche Partner», betont Leutenegger.
Doch profitiert nicht auch der «Kassensturz» enorm vom Partnermagazin? Leutenegger winkt ab: «Der ‹Kassensturz› hat bisher keinen Zuschauer und keine Zuschauerin mehr wegen Saldo oder K-Tipp gehabt. Wenn schon, stimmt das Gegenteil: Die Magazine brauchen uns.»
Zwar schätzt auch Leutenegger die Möglichkeit, den Zuschauern des «Kassensturz» zusätzliche Serviceleistungen in Printform anbieten zu können. Doch trotzdem schliesst er ein Ende der Zusammenarbeit nicht aus. Leutenegger: «Wir könnten ganz sicher auch ohne Partnermagazin leben.»
Chronologie eines zerwürfnisses mit nachfolgendem burgfrieden

1991: Der Zürcher Anwalt René Schuhmacher gründet den
K-Tipp als Begleitheft zur
Fernsehsendung «Kassensturz». Herausgeberin ist die KI Konsumenteninfo AG, die zu 100 Prozent Schuhmacher gehört.
1994: Schuhmacher lanciert den Puls-Tipp als Begleitheft zur Sendung «Puls» im gleichen Verlag.
1995: Der K-Tipp erscheint erstmals mit Werbung.
1997: SF DRS löst den Zusammenarbeitsvertrag mit K-Tipp und Puls-Tipp wegen schwerwiegender verlegerischer und publizistischer Meinungsverschiedenheiten.
1997: Die KI Konsumenteninfo AG lanciert Bon à Savoir, eine Westschweizer Version des
K-Tipp.
1998: Räz und Gasche setzen Schuhmacher als publizistischen Leiter des K-Tipp ab. Gasche übernimmt neben der publizistischen Leitung des Puls-Tipp auch diejenige des K-Tipp.
1999: Schuhmacher einigt sich mit SF DRS auf eine neue Begleitpublikation zu den Sendungen «Kassensturz» und «Puls». Das neue Heft heisst Saldo und erscheint erstmals im Januar.
2001: Im Mai geben Schuhmacher, Räz und Gasche die Entflechtung ihrer Aktivitäten bekannt. Hans Räz wird in der Folge alleiniger Besitzer der Firma Edition Plus GmbH, Herausgeberin von Bon à Savoir. Urs P. Gasche erhält zu 100 Prozent die Puls Media AG, die den Puls-Tipp herausgibt. In den Händen Schuhmachers sind jetzt neben Saldo auch wieder der K-Tipp sowie die zugehörigen Spezialhefte. Zwar behalten Räz und Gasche ihre Anteile von je einem Drittel an der Herausgeberin KI Konsumentinfo AG, laut vertraglicher Abmachung geben sie aber ihre Stimmen an Schuhmacher ab, der bei der KI Konsumenteninfo AG nun alleine das Sagen hat.
Publikationen von Räz, Gasche, SchuhmacherTitel Auflage 2000
K-Tipp 378982
Saldo 141275
Puls-Tipp 148187
Bon à Savoir 100204
K-Spezial 79125

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