Rosies Ratatouille

Gruner + Jahr USA lanciert für den TV-Star Rosie O’Donnell eine Frauenzeitschrift

Gruner + Jahr USA lanciert für den TV-Star Rosie O’Donnell eine FrauenzeitschriftVon Thérèse BalduzziAngespornt durch den Erfolg der Zeitschrift O, The Oprah Magazine der erfolgreichsten Talkshowmoderatorin Amerikas, Oprah Winfrey, doppelt Gruner + Jahr USA mit der Zeitschrift Rosie nach. Sie ist nach der Talkmoderatorin Rosie O’Donnell benannt. Neben Martha Stewart Living ist dies die dritte Frauenzeitschrift einer TV-Persönlichkeit.
Die im vergangenen Jahr lancierte Zeitschrift O, The Oprah Magazine wurde innerhalb eines Jahres profitabel und erreicht eine Auflage von 2,1 Millionen Exemplaren – für ein Konsumentenmagazin grenzt dies an ein Wunder. O wurde deshalb von der Zeitschrift Advertising Age sowohl zum «Magazine of the Year» als auch zum «Launch of the Year» gekürt. O ist ein Joint Venture zwischen dem Verlagshaus Hearst und Oprah Winfreys eigener Firma Harpo Entertainment. Diese Erfolgsgeschichte hat bei der Entscheidung von Gruner + Jahr USA, ihre angestaubte Frauenzeitschrift McCall’s als Rosie neu zu lancieren, sicher eine grosse Rolle gespielt.
Dank neuem Namen leben Totgeglaubte länger
McCall’s war in den Fünfziger- und Sechzigerjahren eine der wichtigsten Frauenservicezeitschriften Amerikas und blickt auf eine über hundertjährige Geschichte zurück: Ende des 19. Jahrhunderts immigrierte der Schneider James McCall aus Schottland, der kurz nach der Eröffnung seines Ateliers in Amerika eine Modebroschüre herausgab, die sich rasch zur Zeitschrift McCall’s entwickelte.
Nach verschiedenen Redaktorenwechseln erreichte McCall’s Mitte der Sechzigerjahre ihre Blütezeit und setzte 8,5 Millionen Exemplare ab. In den letzten Jahren verlor sie jedoch kontinuierlich Leser und Anzeigen, bis die Auflage letztes Jahr auf die Hälfte der Sechzigerjahre sank.
Rosie O’Donnells Show «Rosie» findet jeweils morgens um zehn statt, Oprah’s Show dagegen um vier Uhr nachmittags. Während Oprah zum inoffiziellen Guru der Self-Help-Kultur avanciert ist, gibt sich die übergewichtige O’Donnell als bodenständig, direkt und erlaubt sich recht scharfe Witze.
Im Gegensatz zur esoterisch angehauchten Oprah haftet ihr das Image eines Kumpels an, dem man es verzeiht, wenn er seine Meinung offen sagt, weil er ehrlich ist und ein grosses Herz hat. Neben ihrem humorvollen Auftreten ist O’Donnell auch für ihre Leidenschaft für soziale Anliegen bekannt, wie etwa die Adoption von Kindern.
Diese Mischung soll sich auch im Inhalt der Zeitschrift niederschlagen, die nun mit einer Auflage von 3,5 Millionen Exemplaren lanciert wird. So erschien in der ersten Nummer beispielsweise eine Geschichte über Uma Thurmans Engagement in einer Spielzeug- und Kleiderbörse für arme Kinder, in der die Schauspielerin ungeschminkt abgelichtet wurde.
Während Martha Stewart Living jeweils einen Kalender veröffentlicht, der anzeigt, wann welche Blumen zu pflanzen und welche Feste vorzubereiten sind, veröffentlicht Rosie die Parodie auf einen solchen Kalender. Ein Eintrag heisst etwa Learning to pronounce Ratatouille. Rosies Publikum sind jüngere, gebildete Frauen. Obwohl es ein Risiko ist, eine Zeitschrift so stark an eine Persönlichkeit zu binden, scheint das Muster Schule zu machen.

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