Putsch mit Unwägbarkeiten
Der zwischen Ringier und BM geplatzte Jean-Frey-Deal lässt weiter viele Fragen offen
Der zwischen Ringier und BM geplatzte Jean-Frey-Deal lässt weiter viele Fragen offenVon Daniel Schifferle Noch weiss man wenig über Absichten und Pläne der neuen Herren bei der Jean Frey AG
(siehe auch Interview auf Seite 5). Klar ist aber: Mit der Kehrtwende erhalten deren Titel eine radikal veränderte Zukunftsperspektive.
Wenn man Investmentbanker einsetzt, kann man innert kürzester Zeit alles auf den Kopf stellen. Das hat die Basler Mediengruppe (BM) drastisch vorgeführt. Mit der Kehrtwende beim Verkauf der Jean Frey AG hat sie sich aber auch rundum Kritik eingehandelt und muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, mit schlechtem Stil gehandelt zu haben.
Fakt ist: Der Presseputsch stellt die Chancen und Risiken für die Jean Frey AG in ein völlig neues Licht. Ringier hätte den Titeln eine berechenbare Struktur geboten, ist stattdessen am Wundenlecken. Bereits zum zweiten Mal wurde dem grössten Schweizer Medienunternehmen die Jean Frey AG vor der Nase weggeschnappt. Und wieder sind es Investoren, die zulangen. War es damals im Jahr 1987 Werner K. Rey, der mit dem besseren Angebot zuvorkam, so ist es heute die Privatbank Swissfirst.
Die wichtigste Botschaft der hastig aufgetischten Lösung: Alles ist wieder offen. Denn als unabhängiger Verlag steht der Jean Frey AG zweifellos eine ganz andere Zukunft bevor, als man bei einem Zusammengehen mit Ringier hätte erwarten können. Wobei noch völlig offen ist, wohin die Reise mit den neuen Exponenten Christoph Richterich (VR-Präsident) und Filippo Leutenegger (CEO) führen wird. Zumal beide im Verlagsgeschäft Branchenneulinge sind.
Viele Fragen bleiben vorderhand offen
Die im Moment dringendste Frage, die Klärung der Ungewissheit bezüglich der Investoren, wird noch länger unbeantwortet bleiben. Nicht vor April will der frisch gekürte VR-Präsident informieren. Und dies, obschon auch die Chefredaktoren der Jean Frey AG unisono auf sofortige Offenlegung der Investoren pochen. Zuerst müsse das Private Equity abgeschlossen sein, wie Richterich im Gespräch mit der WerbeWoche erklärt.
Er macht sich keine Sorgen, dass das Image der Jean Frey AG mit diesem Vertrösten Schaden nehmen könnte. «Wir haben sehr positives Feedback aus dem Markt. Es sind weitest gehend die Medienschaffenden selber, die im Moment damit noch Probleme haben», sagt Richterich.
Trotzdem tischen die Pressestimmen vom vergangenen Wochenende einige unangenehme oder zumindest provokative Fragen auf. Dabei wird nicht nur unisono Transparenz gefordert. Eine berechtigte Frage stellte Südostschweiz-Verleger Hanspeter Lebrument in der SonntagsZeitung: «Mich erstaunt, dass es keinem der grossen Medienhäuser gelungen ist, mit der Basler Mediengruppe einen Vertrag abzuschliessen.»
BM behält Druckauftrag für Weltwoche und TR7
Noch weiss man kaum etwas über die Pläne der Neuen bei der Jean Frey AG. Bis jetzt sind vor allem die Gelöbnisse von VR-Präsident und CEO bekannt, sie würden keinerlei Einfluss politischer oder welcher Art auch immer dulden. Im Gegenteil sei man unterwegs zu einem Verlagshaus frei von allen Bindungen. Ob dem tatsächlich so ist, wird die Offenlegung der Investoren zeigen.
Sichere Gewinnerin ist die Basler Mediengruppe. Sie bekommt nun einen wesentlich höheren Preis für die Jean Frey AG bezahlt. Von Ringier konnte sie einen Betrag um die 50 Millionen Franken erwarten. Oder sogar empfindlich darunter, nachdem die Due Dilligence ein Loch in der Pensionskasse von 12 bis 20 Millionen Franken zutage gefördert hatte. Wesentlich besser sieht der Handel hingegen mit der Swissfirst aus: Auch wenn vom genannten Transaktionsvolumen in der Höhe zwischen 90 und 110 Millionen Franken 20 bis 30 Millionen für die Kapitalerhöhung weggehen und zusätzlich das Pensionskassenloch zu stopfen ist, dürften trotzdem immer noch mehr als 60 Millionen Franken zur BM fliessen.
Ein weiterer Gewinn für die Basler: Sie können den Druckauftrag für TR7 und die Weltwoche behalten. Bei der Weltwoche allerdings nur so lange, wie sie noch eine Zeitung ist. Denn für das Magazinformat wären die Basler drucktechnisch nicht gerüstet.
Ringier wird wohl auf eine Klage verzichten
Offen ist, was Ringier in Sachen Vorwurf des Vertragsbruchs noch vom Stapel lassen wird. Ob man gegen die BM klage oder nicht, werde gegen Ende dieser Woche entschieden, sagt Ringier-Sprecher Fridolin Luchsinger. «Ich persönlich glaube eher, dass man davon absehen wird. Denn eine Klage bringt uns den Deal nicht zurück», erklärt er. Richterich seinerseits distanziert sich klar vom Vorwurf des Vertragsbruchs: «Das ist ein Problem zwischen Ringier und der Basler Mediengruppe. Falls es einen Teilvertragsbruch gibt, dann hat der sicher nichts mit uns zu tun.» Ein gutes Einvernehmen mit Ringier und grundsätzlich allen Medienunternehmen sei ihm ein sehr wichtiges Anliegen. Er werde deshalb demnächst von sich aus das Gespräch suchen.
(siehe auch Interview auf Seite 5). Klar ist aber: Mit der Kehrtwende erhalten deren Titel eine radikal veränderte Zukunftsperspektive.
Wenn man Investmentbanker einsetzt, kann man innert kürzester Zeit alles auf den Kopf stellen. Das hat die Basler Mediengruppe (BM) drastisch vorgeführt. Mit der Kehrtwende beim Verkauf der Jean Frey AG hat sie sich aber auch rundum Kritik eingehandelt und muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, mit schlechtem Stil gehandelt zu haben.
Fakt ist: Der Presseputsch stellt die Chancen und Risiken für die Jean Frey AG in ein völlig neues Licht. Ringier hätte den Titeln eine berechenbare Struktur geboten, ist stattdessen am Wundenlecken. Bereits zum zweiten Mal wurde dem grössten Schweizer Medienunternehmen die Jean Frey AG vor der Nase weggeschnappt. Und wieder sind es Investoren, die zulangen. War es damals im Jahr 1987 Werner K. Rey, der mit dem besseren Angebot zuvorkam, so ist es heute die Privatbank Swissfirst.
Die wichtigste Botschaft der hastig aufgetischten Lösung: Alles ist wieder offen. Denn als unabhängiger Verlag steht der Jean Frey AG zweifellos eine ganz andere Zukunft bevor, als man bei einem Zusammengehen mit Ringier hätte erwarten können. Wobei noch völlig offen ist, wohin die Reise mit den neuen Exponenten Christoph Richterich (VR-Präsident) und Filippo Leutenegger (CEO) führen wird. Zumal beide im Verlagsgeschäft Branchenneulinge sind.
Viele Fragen bleiben vorderhand offen
Die im Moment dringendste Frage, die Klärung der Ungewissheit bezüglich der Investoren, wird noch länger unbeantwortet bleiben. Nicht vor April will der frisch gekürte VR-Präsident informieren. Und dies, obschon auch die Chefredaktoren der Jean Frey AG unisono auf sofortige Offenlegung der Investoren pochen. Zuerst müsse das Private Equity abgeschlossen sein, wie Richterich im Gespräch mit der WerbeWoche erklärt.
Er macht sich keine Sorgen, dass das Image der Jean Frey AG mit diesem Vertrösten Schaden nehmen könnte. «Wir haben sehr positives Feedback aus dem Markt. Es sind weitest gehend die Medienschaffenden selber, die im Moment damit noch Probleme haben», sagt Richterich.
Trotzdem tischen die Pressestimmen vom vergangenen Wochenende einige unangenehme oder zumindest provokative Fragen auf. Dabei wird nicht nur unisono Transparenz gefordert. Eine berechtigte Frage stellte Südostschweiz-Verleger Hanspeter Lebrument in der SonntagsZeitung: «Mich erstaunt, dass es keinem der grossen Medienhäuser gelungen ist, mit der Basler Mediengruppe einen Vertrag abzuschliessen.»
BM behält Druckauftrag für Weltwoche und TR7
Noch weiss man kaum etwas über die Pläne der Neuen bei der Jean Frey AG. Bis jetzt sind vor allem die Gelöbnisse von VR-Präsident und CEO bekannt, sie würden keinerlei Einfluss politischer oder welcher Art auch immer dulden. Im Gegenteil sei man unterwegs zu einem Verlagshaus frei von allen Bindungen. Ob dem tatsächlich so ist, wird die Offenlegung der Investoren zeigen.
Sichere Gewinnerin ist die Basler Mediengruppe. Sie bekommt nun einen wesentlich höheren Preis für die Jean Frey AG bezahlt. Von Ringier konnte sie einen Betrag um die 50 Millionen Franken erwarten. Oder sogar empfindlich darunter, nachdem die Due Dilligence ein Loch in der Pensionskasse von 12 bis 20 Millionen Franken zutage gefördert hatte. Wesentlich besser sieht der Handel hingegen mit der Swissfirst aus: Auch wenn vom genannten Transaktionsvolumen in der Höhe zwischen 90 und 110 Millionen Franken 20 bis 30 Millionen für die Kapitalerhöhung weggehen und zusätzlich das Pensionskassenloch zu stopfen ist, dürften trotzdem immer noch mehr als 60 Millionen Franken zur BM fliessen.
Ein weiterer Gewinn für die Basler: Sie können den Druckauftrag für TR7 und die Weltwoche behalten. Bei der Weltwoche allerdings nur so lange, wie sie noch eine Zeitung ist. Denn für das Magazinformat wären die Basler drucktechnisch nicht gerüstet.
Ringier wird wohl auf eine Klage verzichten
Offen ist, was Ringier in Sachen Vorwurf des Vertragsbruchs noch vom Stapel lassen wird. Ob man gegen die BM klage oder nicht, werde gegen Ende dieser Woche entschieden, sagt Ringier-Sprecher Fridolin Luchsinger. «Ich persönlich glaube eher, dass man davon absehen wird. Denn eine Klage bringt uns den Deal nicht zurück», erklärt er. Richterich seinerseits distanziert sich klar vom Vorwurf des Vertragsbruchs: «Das ist ein Problem zwischen Ringier und der Basler Mediengruppe. Falls es einen Teilvertragsbruch gibt, dann hat der sicher nichts mit uns zu tun.» Ein gutes Einvernehmen mit Ringier und grundsätzlich allen Medienunternehmen sei ihm ein sehr wichtiges Anliegen. Er werde deshalb demnächst von sich aus das Gespräch suchen.
