Plädoyer für den Stutz
Aufgefallen Die Diskussion um die Gesundheit Sprechstunde ist recht. Ob die Argumente gerecht sind, ist eine andere Frage.
Kolumne Die Diskussion um die Gesundheit Sprechstunde ist recht. Ob die Argumente gerecht sind, ist eine andere Frage.Der Kalauer ist so billig, dass ich ihn nicht für mich behalten kann. Dr. Samuel Stutz ist der ehrlichste Arzt der Schweiz. Schon sein Name sagt, um was es wirklich geht …Haha … Die Kollegen aus den konkurrierenden Häusern – allemal die verlässlichsten PR-Helfer und Imageträger für Akteure im Medienumfeld – hatten in den letzten Wochen ausreichend Gelegenheit, die Verflechtungen des populären Fernseharztes mit der Pharmaindustrie und die Techniken der Quersubventionierung von Fernsehsendungen zu diskutieren. Was der «Beobachter» an den Tag brachte – immerhin einem Hause zugehörig, das ebenfalls von Presse-TV profitiert –, sollte zu einer grundsätzlichen Klärung der Fragen um Produktnennungen, Sponsoring, Medienpartnerschaften und andere Mischformen in einem winzigen und deshalb Fixkosten-anfälligen Fernsehmarkt wie der Schweiz führen.
Aus eigener Erfahrung möchte ich dazu nur zwei Aspekte beitragen: Erstens gehört es zu den journalistischen Pflichten, die kleinstmögliche Einheit genau zu benennen, das heisst also auch Produktenamen zu nennen, wenn sie für die Aussage der Geschichte wesentlich sind. (Die Alternativen wären unzählige Rückfragen und frustrierte Nutzer). Dies dann allerdings unabhängig von Produktionsbeiträgen oder Sponsoring-Zuwendungen. Zweitens erledigen sich die meisten hygienischen Probleme um «Stutz für Inhalt» durch Transparenz. Wenn klar und lückenlos benannt ist, wer eine Mediendarbietung finanziell unterstützt, kann sich der an die Wirklichkeiten des Lebens gewöhnte Nutzer seinen Reim selber machen.
Im Hintergrund der aktuellen Stutz-Diskussion steht allerdings ein Phänomen, das die meisten Ringier-Kritiker schlicht verschlafen haben. In den 70er-Jahren war es noch fast unmöglich, das Bild eines Arztes zu publizieren, der gegenüber einer Publikumszeitschrift ein (selbstverständlich sorgfältig gegengelesenes) Statement abgab: Standesregeln! Heute staune ich nicht einmal mehr, wenn ich erfahre, dass nicht nur Ärztegesellschaften, sondern sogar einzelne Praxisgemeinschaften Werbeagenturen und PR-Berater beschäftigen.
Das Gesundheitswesen und der Medienbetrieb haben voneinander gelernt. Auf beiden Seiten hat nicht nur die Einsicht, die gegenseitige Abhängigkeit betreffend, zugenommen, sondern vor allem die Kompetenz. Die meist von Amerika-Erfahrungen geprägte neue Ärzte-Generation weiss, dass sie die Leitwährung des öffentlichen Lebens, die Aufmerksamkeit, braucht, um ihre Ziele zu erreichen. Und die Medien ihrerseits haben gemerkt, dass sie ihren Aufklärungsanspruch und ihre Wächterrolle nicht mehr mit unverantwortbaren Geschichten über obskure Krebsheiler glaubwürdig aufrechterhalten können, sondern allein mit gesteigerter fachlicher Kompetenz.
Samuel Stutz ist der Erste, der mit dem Rückhalt von Ringier diese riesige publizistische Marktlücke ausgefüllt hat.
Ich habe persönliche Erfahrungen mit seiner Arbeitsweise, denn ich war zweimal als Patient in seiner Sendung und bezeuge gerne, dass ich von diesem Doktor immer gut behandelt worden bin. Ich habe Samuel Stutz als sensiblen, überaus gewissenhaften und taktvollen Profi erlebt. Jede schriftliche und mündliche Aussage war abgesprochen und gegengelesen. Es gab keine Suggestiv-Fragen und keine Überfall-Situationen. Für jedermann – Interviewpartner wie Zuschauer – war klar: Der weiss zwar mehr, aber er nimmt diesen Vorsprung zurück, weil er wirklich interessiert ist an dem, was der andere, der Betroffene, zu sagen hat. Seine Interviews sind auf Erkenntnisgewinn ausgelegt, nicht auf Konfrontation.
In unserer Medienwelt herrschen zwei journalistische Techniken vor, die mich anöden: erstens die «Schawinskisierung» – grundsätzliche Aggression an der Anstandsgrenze bei mangelhafter Vorbereitung. Zweitens die «Sommarugisierung» – Schutz des Konsumenten notfalls gegen dessen Willen durch aufsässige Ignoranz, verbunden mit der jakobinischen Forderung nach Staatskontrolle.
Damit dieser Unfug nicht stilbildend wird, braucht es unaufgeregte, kompetente Journalisten wie Samuel Stutz, die direkt fragen, aber fair. Die auf wesentlichen Antworten bestehen, diese aber nicht schon im vorneherein zu kennen glauben.
Dr. Samuel Stutz plant seine Sendungen und Publikationen mit einer Genauigkeit, die ich vorher nur bei Wysel Gyr beobachtet habe. Bei aller Geschäftstüchtigkeit weiss er offenkundig, dass er mit fragilen Gütern hantiert: mit der Verletzlichkeit kranker Menschen – und mit der eigenen Glaubwürdigkeit. Nur mit dieser Mischung aus Kompetenz und Respekt ist es möglich, über Jahre hinweg Hunderte von Menschen zu finden, die bereit sind, öffentlich über ihr Übergewicht, ihren Alkoholismus, ihren Krebs zu sprechen.
Karl Lüönd hält Samuel Stutz für gewissenhaft und taktvoll.
Aus eigener Erfahrung möchte ich dazu nur zwei Aspekte beitragen: Erstens gehört es zu den journalistischen Pflichten, die kleinstmögliche Einheit genau zu benennen, das heisst also auch Produktenamen zu nennen, wenn sie für die Aussage der Geschichte wesentlich sind. (Die Alternativen wären unzählige Rückfragen und frustrierte Nutzer). Dies dann allerdings unabhängig von Produktionsbeiträgen oder Sponsoring-Zuwendungen. Zweitens erledigen sich die meisten hygienischen Probleme um «Stutz für Inhalt» durch Transparenz. Wenn klar und lückenlos benannt ist, wer eine Mediendarbietung finanziell unterstützt, kann sich der an die Wirklichkeiten des Lebens gewöhnte Nutzer seinen Reim selber machen.
Im Hintergrund der aktuellen Stutz-Diskussion steht allerdings ein Phänomen, das die meisten Ringier-Kritiker schlicht verschlafen haben. In den 70er-Jahren war es noch fast unmöglich, das Bild eines Arztes zu publizieren, der gegenüber einer Publikumszeitschrift ein (selbstverständlich sorgfältig gegengelesenes) Statement abgab: Standesregeln! Heute staune ich nicht einmal mehr, wenn ich erfahre, dass nicht nur Ärztegesellschaften, sondern sogar einzelne Praxisgemeinschaften Werbeagenturen und PR-Berater beschäftigen.
Das Gesundheitswesen und der Medienbetrieb haben voneinander gelernt. Auf beiden Seiten hat nicht nur die Einsicht, die gegenseitige Abhängigkeit betreffend, zugenommen, sondern vor allem die Kompetenz. Die meist von Amerika-Erfahrungen geprägte neue Ärzte-Generation weiss, dass sie die Leitwährung des öffentlichen Lebens, die Aufmerksamkeit, braucht, um ihre Ziele zu erreichen. Und die Medien ihrerseits haben gemerkt, dass sie ihren Aufklärungsanspruch und ihre Wächterrolle nicht mehr mit unverantwortbaren Geschichten über obskure Krebsheiler glaubwürdig aufrechterhalten können, sondern allein mit gesteigerter fachlicher Kompetenz.
Samuel Stutz ist der Erste, der mit dem Rückhalt von Ringier diese riesige publizistische Marktlücke ausgefüllt hat.
Ich habe persönliche Erfahrungen mit seiner Arbeitsweise, denn ich war zweimal als Patient in seiner Sendung und bezeuge gerne, dass ich von diesem Doktor immer gut behandelt worden bin. Ich habe Samuel Stutz als sensiblen, überaus gewissenhaften und taktvollen Profi erlebt. Jede schriftliche und mündliche Aussage war abgesprochen und gegengelesen. Es gab keine Suggestiv-Fragen und keine Überfall-Situationen. Für jedermann – Interviewpartner wie Zuschauer – war klar: Der weiss zwar mehr, aber er nimmt diesen Vorsprung zurück, weil er wirklich interessiert ist an dem, was der andere, der Betroffene, zu sagen hat. Seine Interviews sind auf Erkenntnisgewinn ausgelegt, nicht auf Konfrontation.
In unserer Medienwelt herrschen zwei journalistische Techniken vor, die mich anöden: erstens die «Schawinskisierung» – grundsätzliche Aggression an der Anstandsgrenze bei mangelhafter Vorbereitung. Zweitens die «Sommarugisierung» – Schutz des Konsumenten notfalls gegen dessen Willen durch aufsässige Ignoranz, verbunden mit der jakobinischen Forderung nach Staatskontrolle.
Damit dieser Unfug nicht stilbildend wird, braucht es unaufgeregte, kompetente Journalisten wie Samuel Stutz, die direkt fragen, aber fair. Die auf wesentlichen Antworten bestehen, diese aber nicht schon im vorneherein zu kennen glauben.
Dr. Samuel Stutz plant seine Sendungen und Publikationen mit einer Genauigkeit, die ich vorher nur bei Wysel Gyr beobachtet habe. Bei aller Geschäftstüchtigkeit weiss er offenkundig, dass er mit fragilen Gütern hantiert: mit der Verletzlichkeit kranker Menschen – und mit der eigenen Glaubwürdigkeit. Nur mit dieser Mischung aus Kompetenz und Respekt ist es möglich, über Jahre hinweg Hunderte von Menschen zu finden, die bereit sind, öffentlich über ihr Übergewicht, ihren Alkoholismus, ihren Krebs zu sprechen.
Karl Lüönd hält Samuel Stutz für gewissenhaft und taktvoll.
> Karl Lüönd ist Publizist und Leiter des Medieninstituts vom Verband
