Paradoxes Politdoping
Aufgefallen Anstössig ist die mediale Treibjagd auf Anita Fetz & Co., nicht deren Spendenverhalten. Denn wer in diesem Business seine Sponsoren offen legt, hat bald keine mehr.
Kolumne Anstössig ist die mediale Treibjagd auf Anita Fetz & Co., nicht deren Spendenverhalten. Denn wer in diesem Business seine Sponsoren offen legt, hat bald keine mehr.Anita Fetz hatte keinen guten Sommer. Roberto Zanetti, der zum solothurnischen Regierungsherrn aufgerückte Gewerkschafter, hatte es in ihrem Windschatten nur wenig leichter. Denn der Kommunikations-GAU der beiden bodennahen sozialdemokratischen Politiker hätte brutaler kaum seinkönnen. Dabei haben sie lediglich Wahlspenden von Leuten angenommen, die ihnen gewogen sind – zum Teil über die Parteigrenzen hinweg. Was, bitte schön, soll daran verwerflich sein?
Die Sponsoren werden in die Nähe eines Finanzingenieurs gerückt, der wohl manche Frage offen lässt, dem bislang aber noch niemand Unlauteres nachweisen konnte. Dieser Dieter Behring ist offensichtlich das Ziel einer orchestrierten Kampagne. Dass solche Kampagnen nie etwas mit Konkurrenzneid auf den Finanzplätzen zu tun haben und dass sie immer lauteren Motiven entspringen, ist so wahr wie dass die Erde eine Scheibe ist. Hat Behring für seine Spende – für seine Verhältnisse ein besseres Trinkgeld – etwas von Fetz/Zanetti verlangt oder gar erhalten? Hat
die Stiftung Pro Facile, deren gemeinnützige Leistungen bis jetzt nicht angezweifelt worden sind, ungebührliche Vorteile herausgeholt? Offenbar nicht. Übrig bleiben Wahlkampfspenden in – wenigstens für den Kanton Solothurn – ungewöhnlichen Grössenordnungen. Wobei man auch das nicht so eng sehen sollte. Ich lese zum Beispiel gerade in der Zeitschrift «Jagd & Natur», dass die Solothurner Jäger Anfang 2004 für die Abwehr zweier kantonaler Volksinitiativen gegen die Jagd satte 220000 Franken aufwenden mussten.
In Zürich weiss jeder, der nicht mit der Gnade der Naivität gesegnet ist, welche Unternehmer seit Jahr und Tag die Wahlkampf-konten von Politikern füllen. Vor allem derjenigen, die für Exekutiv-Ämter kandidieren, von denen man also annehmen darf, dass sie dann selbst die Hand auf der
Kasse haben. Bedacht werden nicht etwa nur stramm bürgerliche Exponenten; nein, auch die Landschaft links vom Mittelstreifen will gepflegt sein.
Nie würde es einem der edlen Spender einfallen, eine Gegenleistung zu verlangen; sie können sich vielmehr auf den vorauseilenden Gehorsam ihrer Volksvertreter verlassen. Die wissen im entscheidenden Augenblick schon, was sich gehört. Wie das im Einzelnen funktioniert, lässt sich in den Memoiren des verstorbenen Werner Spross nachlesen. Dass amtierende Zürcher Regierungsräte – lang ists her – auf dessen Jacht sogar nach Goldstücken tauchten, die der Tycoon mutwillig ins Wasser warf, sei nur der Kuriosität halber vermerkt.
Gegen den bösen Schein der Käuflichkeit und zur Aufhellung der Grauzonen zwischen Politik und Geschäft gibt es ein ganz einfaches Mittel: Offenheit und Öffentlichkeit. Was klar deklariert ist, verdient Vertrauen, egal ob es nun ein Kotelett ist oder eine Spende. Was öffentlich oder zumindest öffentlich zugänglich ist, ist kontrollierbar und damit auch behaftbar. Denn was ich weiss, ist nicht mehr so heiss. Daraus könnte man folgern: Politiker, die ihre Sponsoren offen legen, zeigen Souveränität und Unabhängigkeit. Das Problem ist nur, dass unter diesen Umständen viele Spender nichts mehr geben. Die oben angedeuteten Unternehmer – obschon sie jeder kennt, der draus kommt – wären die Ersten, die sich diskret zurückzögen. Spross war der Einzige, der offen seinen Praktiken stand. Die meisten anderen würden sich lieber die Zunge abbeissen als zugeben, dass auch sie säen, um die Landschaft zu pflegen.
Offenheit entwaffnet Angreifer. Sie wirkt allerdings nur, wenn sie freiwillig und vorsorglich geleistet und nicht von anderen eingefordert wird. Wer sich in die Defensive drängen, wer Neider und Heckenschützen die Agenda setzen lässt, der hat schon verloren. Wie Anita Fetz und Roberto Zanetti.
> Karl Lüönd ist Leiter des Medieninstituts des Verbands Schweizer
Presse, Publizist und Jäger.
Die Sponsoren werden in die Nähe eines Finanzingenieurs gerückt, der wohl manche Frage offen lässt, dem bislang aber noch niemand Unlauteres nachweisen konnte. Dieser Dieter Behring ist offensichtlich das Ziel einer orchestrierten Kampagne. Dass solche Kampagnen nie etwas mit Konkurrenzneid auf den Finanzplätzen zu tun haben und dass sie immer lauteren Motiven entspringen, ist so wahr wie dass die Erde eine Scheibe ist. Hat Behring für seine Spende – für seine Verhältnisse ein besseres Trinkgeld – etwas von Fetz/Zanetti verlangt oder gar erhalten? Hat
die Stiftung Pro Facile, deren gemeinnützige Leistungen bis jetzt nicht angezweifelt worden sind, ungebührliche Vorteile herausgeholt? Offenbar nicht. Übrig bleiben Wahlkampfspenden in – wenigstens für den Kanton Solothurn – ungewöhnlichen Grössenordnungen. Wobei man auch das nicht so eng sehen sollte. Ich lese zum Beispiel gerade in der Zeitschrift «Jagd & Natur», dass die Solothurner Jäger Anfang 2004 für die Abwehr zweier kantonaler Volksinitiativen gegen die Jagd satte 220000 Franken aufwenden mussten.
In Zürich weiss jeder, der nicht mit der Gnade der Naivität gesegnet ist, welche Unternehmer seit Jahr und Tag die Wahlkampf-konten von Politikern füllen. Vor allem derjenigen, die für Exekutiv-Ämter kandidieren, von denen man also annehmen darf, dass sie dann selbst die Hand auf der
Kasse haben. Bedacht werden nicht etwa nur stramm bürgerliche Exponenten; nein, auch die Landschaft links vom Mittelstreifen will gepflegt sein.
Nie würde es einem der edlen Spender einfallen, eine Gegenleistung zu verlangen; sie können sich vielmehr auf den vorauseilenden Gehorsam ihrer Volksvertreter verlassen. Die wissen im entscheidenden Augenblick schon, was sich gehört. Wie das im Einzelnen funktioniert, lässt sich in den Memoiren des verstorbenen Werner Spross nachlesen. Dass amtierende Zürcher Regierungsräte – lang ists her – auf dessen Jacht sogar nach Goldstücken tauchten, die der Tycoon mutwillig ins Wasser warf, sei nur der Kuriosität halber vermerkt.
Gegen den bösen Schein der Käuflichkeit und zur Aufhellung der Grauzonen zwischen Politik und Geschäft gibt es ein ganz einfaches Mittel: Offenheit und Öffentlichkeit. Was klar deklariert ist, verdient Vertrauen, egal ob es nun ein Kotelett ist oder eine Spende. Was öffentlich oder zumindest öffentlich zugänglich ist, ist kontrollierbar und damit auch behaftbar. Denn was ich weiss, ist nicht mehr so heiss. Daraus könnte man folgern: Politiker, die ihre Sponsoren offen legen, zeigen Souveränität und Unabhängigkeit. Das Problem ist nur, dass unter diesen Umständen viele Spender nichts mehr geben. Die oben angedeuteten Unternehmer – obschon sie jeder kennt, der draus kommt – wären die Ersten, die sich diskret zurückzögen. Spross war der Einzige, der offen seinen Praktiken stand. Die meisten anderen würden sich lieber die Zunge abbeissen als zugeben, dass auch sie säen, um die Landschaft zu pflegen.
Offenheit entwaffnet Angreifer. Sie wirkt allerdings nur, wenn sie freiwillig und vorsorglich geleistet und nicht von anderen eingefordert wird. Wer sich in die Defensive drängen, wer Neider und Heckenschützen die Agenda setzen lässt, der hat schon verloren. Wie Anita Fetz und Roberto Zanetti.
> Karl Lüönd ist Leiter des Medieninstituts des Verbands Schweizer
Presse, Publizist und Jäger.
