Ohne Limit
Sandro Prezzi hat mit Oliver Scotoni, Harun «Shark» Dogan und Nadja Stäubli zusammen die Agentur «Unlimited» gegründet. Das Angebot heisst Branded Content.

Der Launch zum Start-up hätte nicht besser über die Bühne gehen können. Über 2000 Interessierte feierten am 25. April «The Vernissage ». Geboten wurde eine Ausstellung im Provisorium Sihlpost in Zürich sowie gleichzeitig Music & Entertainment in der Rio Bar auf der anderen Seite der Sihlbrücke. Einlass gab es «by Invitation only» über Mundpropaganda sowie natürlich Facebook.
An der «Vernissage», kuratiert und organisiert von Oliver Scotoni und «Shark» Dogan, zeigten 15 Repräsentanten der Zürcher «Szene» – Gastronomen, Schauspieler, Models, DJs, Künstler und Grafiker – ihr Lieblings-Instagram-Foto. Diese Handy- Bilder wurden durch namhafte, aber für diese Show anonym gebliebene Künstler von «Brush & Sons» in Acryl-Gemälde im Format 150 cm × 150 cm verwandelt.
Neben der Kunst, die allgemein gefallen hat, war für Sandro Prezzi das Spezielle an dieser Veranstaltung die Aktivierung der Zielgruppen. Durch die Zusammensetzung der «Artists» konnten 15 Communitys zeitgleich aktiviert werden. Damit wurde das Happening auch zu einem Schaulaufen des Who’s who der Zürcher Szene. Zu sehen gab es ganz nebenbei auch noch ebenso kunstvoll wie diskret inszeniert ein neues Modell von Mercedes Benz, den CLA.
Anpassen war Unlimited zu wenig kreativ
Für die Lancierung des neuen Viertürer-Coupé CLA wurde international die Aktion «Untamed-Installation » kreiert, eine Ausstellung in Paris, die mit einem Wettbewerb gestartet wurde, wo Leute ein möglichst «ungezähmtes» Foto auf Instagram hochladen konnten und als Gewinner zum Vernissage-Event nach Paris eingeladen wurden. Dort wurden alle Einreichungen via 3-D-Mapping-Projektion in einem weissen Raum gezeigt.
«Für uns war das irgendwie zu wenig», meint Sandro Prezzi, der mit der Aktivierung der CLA Zielgruppen im Bereich Kunst beauftragt wurde. «Wir sahen bei der Zielgruppe ein grosses Bedürfnis, sich selber zu inszenieren und dies real, authentisch und nachhaltiger, nicht nur digital.»
So ist die Idee «Gewinne dein Instagram als 1.5-Meter-Acryl-Bild» mit Brush & Sons und der Aktivierung unter Einbezug von 15 Prominenten sowie «The Vernissage» entstanden. Im Gegensatz zum internationalen Wettbewerb werden hier die Mitwirkenden von den Brush&Sons-Malern selber zu Künstlern und ihre Instagram-Fotos zu einer Kunstform erhoben. Die Kunstwerke werden dann im Rahmen der Ausstellung «Brush» der Contemporary CODES vom 19. Juli bis zum 17. August in der Remise der Europaallee in Zürich gezeigt.
Wie aus Reaktionen der «Szene» und Feedbacks der Gäste zu entnehmen war, hat Mercedes-Benz einen guten Schritt nach vorn bezüglich Sympathie bei den anvisierten Zielgruppen gemacht. Die Marke ermöglichte gesellschaftliche Momente mit Relevanz für die «Szene» und deren Umfelder. Über die damit generierte Community wird der in der Schweiz laufende Wettbewerb jetzt eine viel präziser bespielte Zielgruppe erreichen, ist Prezzi überzeugt. «Wir konnten auch das neue Auto in einem sehr dezenten und akzeptierten Rahmen unseren anspruchsvollen Gästen näherbringen. Mercedes- Benz konnte sich stilvoll, sympathisch und relevant in Szene setzen. Wir nennen das Konzept Markeninszenierung. International heisst es Branded Content oder auch Brand Staging», fasst der Kommunikationsfachmann das Erfolgsrezept zusammen.
«Viele Brands haben gerade im Segment der urbanen über 30- bis knapp 50-Jährigen anspruchsvollen Lifestyle-Zielgruppen Mühe, Fuss zu fassen. Es fehlt vielfach an Relevanz und Akzeptanz», hat Sandro Prezzi analysiert. In dieser Marktlücke will er zukünftig mit Unlimited aktiv neue Lösungen anbieten. «Als Spezialist im Bereich Media habe ich im Verlauf meiner Karriere Milliarden von Kontakten geplant und eingekauft. Musste aber auch feststellen, dass es immer schwieriger wird, den nötigen Impact zu erzielen. Die Fragmentierung und Digitalisierung macht dies auch finanziell für viele Werbetreibenden zur grossen Herausforderung. Man überlegt sich darum direktere Wege zu den Zielgruppen», ist der vielseitig erfahrene Prezzi überzeugt.
Nach seinen Anfängen bei der Publicitas, auf Verlagsseite, als Beratungsgruppenleiter bei der Publimedia in Zürich sowie Zenith Optimedia folgten fünf Jahre als Managing Director Zürich bei Mediaedge. cia. Danach führte Sandro Prezzi die MEC als Managing Director Switzerland bis zum Frühling 2013. «Wir haben in den letzten Jahren viel erreicht und mit den Neukundengewinnen die Agentur wieder unter die Top 3 der Schweiz gebracht.» Gleichzeitig merkte Sandro Prezzi aber: «Nach 7 Jahren bei MEC und über 12 Jahren in internationalen Mediaagenturen war ich wieder bereit für etwas Neues.»
Die ideale Kombination
In dieser Phase der Neuausrichtung haben sich verschiedene Gespräche mit Oliver Scotoni ergeben. Mit dem Erfinder von Rundfunk.fm hat Prezzi schon früher mehrmals zusammengearbeitet. Und da auch Scotoni die Konstellation als äusserst spannend empfand, mit neuem Partner gemeinsam Ideen umzusetzen, hat man sich schliesslich per 1. Mai 2013 zur Agentur Unlimited gefunden. Der Dritte im Bunde ist Harun Dogan, der als Urbanund Streetartist unter dem Namen Shark, aber auch mit seiner Design-Agentur «Raw Cut» über die Szene hinaus einen Namen machen konnte. Zum Beispiel als Kurator und künstlerischer Leiter der Ausstellungsserie «Grafik». Die vierte Partnerin ist Nadja Stäubli, die als Fotografin, aktive DJane, Künstlerin und Designerin – zuletzt mit ihrem Label «Schönstaub » für hochqualitative Design-Teppiche – über die Landesgrenzen hinweg für Aufmerksamkeit sorgen konnte.
«Wir sind ein Team von erfahrenen und bestens vernetzten Kreativen aus den Bereichen Kunst, Musik, Kino, Design und Lifestyle», erklärt Sandro Prezzi, der als diplomierter Kommunikationsleiter zuständig ist für die Beratung und als Geschäftsführer für das Management der Agentur.
Zusammen bietet das Quartett «massgeschneiderte und zielgruppenorientierte Lösungen. Für deren Umsetzung sollen in Zukunft neben den bestehenden Produkten Rundfunk.fm, Cinema Unlimited, Brush & Sons, The Vernissage auch weitere individuell spezialisierte Subbrands kreiert werden.
Bei Brush & Sons stellen verschiedene Künstler ihre kunsthandwerklichen Qualitäten zur Verfügung, bleiben dabei aber anonym. Brush & Sons ist somit eine Kunsthandwerk-Manufaktur «ganz im Stile der holländischen Schulen wie Rembrandt während der Epoche des Barocks».
Heute können die Talente auch für Gestaltungsaufgaben in der Gastronomie oder Architektur gebucht werden. «Mit Brush & Sons haben wir einen Fundus von Spezialisten in den verschiedensten Stilen. Die jeweilige Qualitätskontrolle wird dabei von Shark als Kurator und künstlerischer Leiter garantiert », erklärt Prezzi.
«Wir kreieren Content, der auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten ist, da sind wir ziemlich streng in der Interpretation und lassen uns auch kaum einschränken – Unlimited halt», meint Prezzi zur Strategie der Neugründung. Er sieht sein Unternehmen deshalb nicht als klassische Eventagentur, «welche nach Auftrag umsetzt, mit dem Fokus auf dem Auftraggeber». Das kreativere Angebot heisst «Qualitätscontent» und das hat seine Grenzen in der Vermarktungsmöglichkeit. «Wenn es zu platt wird, wird es von der Zielgruppe ignoriert und ist damit auch nicht im Interesse des Kunden. Der Köder sollte schliesslich dem Fisch und nicht dem Angler schmecken.»
Die Party geht weiter
«Da Oliver Scotoni seine Produkte und Projekte in die neue Firma mit einbringt und sich seit jeher der Qualität verschrieben hat, können wir bereits heute gut aufzeigen, was wir unter Qualitätscontent verstehen. » Rundfunk.fm zeigt eindrücklich, wie eine «Radiostation» zum urbanen Kulthappening mit internationaler Ausstrahlung werden kann. Aufbauend auf dem Anspruch, nur die beste Qualitätsmusik zu spielen, hat Rundfunk.fm es geschafft, mit allen Komponenten, also Location, Gastronomie, Stimmung, Aktivitäten wie zum Beispiel Flohmarkt, jeweils während 30 Tagen zum Taktgeber und Rhythmus einer Stadt zu werden. 300 Boutiquen, Coiffeure, Bars etc. nutzen heute den Sound von Rundfunk.fm.
Auch Scotonis «Cinema Unlimited» wird in Zukunft in die neue Konstellation integriert. Bei dieser Neuauflage des Open-Air-Kinos kann das Publikum die Filme über Funk-Kopfhörer geniessen. Mit dem Ton als Funksignal wird Freilichtkino auch an ganz neuen Orten möglich, die auch im Kontext zu den gezeigten Filmen stehen können. 2012 wurden so «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» im Oberen Letten gezeigt, der mit seiner Vergangenheit als Drogenzentrum dem Filmabend eine eindrückliche Kulisse geboten hat. Geplant in diesem Sommer sind 70 Events alleine in Zürich, neben Frau Gerolds Garten neu auch in der Badi Mythenquai sowie in der Sihlcity.
Zum Businessmodell von «Unlimited» gehört als ein wichtiges Element, dass die Agentur auch ohne Auftrag völlig eigene Ideen und Produkte entwickelt, auf Zielgruppen ausrichtet und erst dann gezielt kommerzielle Partner zur Finanzierung sucht.
Das Kunst-Engagement für Mercedes wird im Sommer seine Fortsetzung finden mit der Aktion «Brush Magazin». Hier wird Zürich im Juli und im August das «weltweit erste Magazin» zu sehen bekommen, «das ausschliesslich gemalt ist». Auf 6000 Quadratmeter in der Remise der Europaallee werden 100 Seiten von einem Magazin produziert, welches die Zuschauer begehen können. Alle «Seiten» sind 1,3 Meter × 1,7 Meter gross und handgemalt. «Damit ist die Auflage des Magazins gegeben – es wird genau ein Exemplar, das Original geben.»
Auch die Anzeigen, welche zum Teil noch gebucht werden können, werden von Brush & Sons je nach Anforderung in Öl, Acryl, Aquarell oder Bleistiftzeichnung umgesetzt. Kernstück des «Magazins» bilden Gemälde, Fotografien und Texte zum Thema «Rock ’n’ Roll». Diese Bilder werden von namhaften Künstlern gestaltet und sollen anschliessend verkauft werden. Die Fotografien werden analog von den Brush&Sons-Künstlern gemalt, die Texte von Grafikern gestaltet und auch von Hand gemalt.
Beim Mega-Event kommen drei Projekte zusammen, «Brush», Rundfunk.fm sowie Cinema Unlimited, welche in einem dynamischen Veranstaltungsprogramm das Thema «Rock ’n’ Roll» frei interpretieren. Erwartet werden rund 80 000 Besucher.
Andreas Panzeri

