Noch nicht das Gelbe vom Ei
Yellowworld.ch will künftig vor allem ein zentrales Postportal sein und darum postfremde Dienste reduzieren
Yellowworld.ch will künftig vor allem ein zentrales Postportal sein und darum postfremde Dienste reduzierenVon Clemens Hörler Bei Yellowworld ging die Post bisher nicht wie gewünscht ab. Ihre Besitzerin, die Schweizerische Post, ging deshalb über die Bücher: Yellowworld soll sich künftig stärker auf postspezifische Angebote konzentrieren und ein zentrales Postportal werden.
Die Schweizerische Post hat beschlossen, ihr Internetportal Yellowworld.ch stärker auf Dienstleistungen und Informationen rund um Postprodukte zu konzentrieren. Yellowworld soll zum zentralen Postportal werden. Ein wichtiger Bestandteil wird das virtuelle Postamt sein mit Finanzdienstleistungen der Postfinance und einem grossen Informationsbereich. Doch auch neue Angebote, bei denen die Post ihre Kernkompetenzen (Zahlungsverkehr, Logistik usw.) ausspielen kann, sollen lanciert werden. Für Geschäftskunden wird eine breite Palette mit Marketing Services, Fulfillment Services (Finanzen und Logistik) und speziellen Branchenlösungen angeboten werden. Im B2B-Bereich arbeitet die Yellowworld AG gemäss Gerhard Schwab, CEO dieses Internetportals, schon heute mit schwarzen Zahlen.
Die Neuausrichtung von Yellowworld ist eine Folge des unbefriedigenden Geschäftsgangs mit dem bisherigen Portal. Dort hatte Yellowworld vor allem auf ein breites Angebot von News, Einkaufsmöglichkeiten, Spielen und E-Mail-Diensten gesetzt. Die Ertragssituation im Portalgeschäft hätte allerdings weit unter den Erwartungen gelegen und sei nicht im zeitlichen Rahmen eingetroffen, musste die Post nun eingestehen. Beim Start von Yellowworld im September 2000 war von Investitionen in der Höhe von 350 Millionen Franken und Einnahmen von 150 Millionen Franken in den ersten drei Jahren die Rede. Diese Zahlen wurden inzwischen deutlich nach unten korrigiert. Stellen sollen bei Yellowworld allerdings keine abgebaut werden.
Ein Retortenportal hats im Internet alles andere als leicht
Dass Yellowworld.ch mit der bisherigen Ausrichtung bei den Konsumenten nicht zu den Topwebadressen gehört, liegt nicht unbedingt an der Qualität des Inhalts. Die Frage ist, ob Content an sich ein hinreichender Grund ist, ein horizontales Portal zu besuchen oder ob die User dafür nicht lieber direkt die Website ihrer Tageszeitung ansteuern. Kommt hinzu, dass Yellowworld ein Retortenportal ist. Als solches wurde es nicht um einen zentralen, bekannten Service wie zum Beispiel eine Suchmaschine oder den Internetzugang herum aufgebaut, sondern mehr oder weniger aus dem Boden gestampft. Darin vor allem unterscheidet sich Yellowworld von SwissOnline oder Bluewin. Auch dessen Benützer klicken nicht primär das Portal an, um tagesaktuelle News zu lesen. Aber immerhin haben diese Portale die Möglichkeit, die User mit geschickt platzierten Schlagzeilen gleich nach dem Einwählen oder mit der Benützung eines anderen Dienstes zu ködern und zum Verweilen anzuregen.
Yellowworld tut also gut daran, das Portal stärker an neue Postangebote anzubinden. Diese sind nämlich auch im Web durchaus gefragt. Laut Digital Media Audience Ratings Report von MMXI Europe zählen die Websites der Post zu den Top-20-Properties bei den Schweizer Heimnutzern, wofür vor allem Yellownet.ch verantwortlich ist.
In Zukunft sollen die Besucher, die auf ihrer Tastatur die Adresse www.post.ch eintippen, auf Yellowworld umgeleitet werden. Auch die anderen Postangebote im Internet werden gemäss Schwab integriert. Mit den Websites von Post Finance (zum Beispiel Yellownet.ch) soll das Postportal nun zumindest enger verbunden werden.
Swisscontent bleibt Content-partner des Postportals
Die inhaltliche Neuausrichtung vom multimedialen News- und Lifestyleportal zum Postportal hat logischerweise auch Konsequenzen für den Contentpartner von Yellowworld, die SwisscontentCorp. Post-Mediensprecher Hubert Staffelbach sagte, dass die Inhalte auf dem Portal weiterhin von Swisscontent geliefert würden. Art und Umfang des Volumens hingen jedoch von den künftigen Bedürfnissen ab. «Einsparungen wird es in den horizontalen Contents geben, ebenso bei nichtrentablen, postfernen Angeboten», präzisierte Schwab. Verzichtet werden soll auch auf multimediale Inhalte.
Gänzlich freie Hand bei den Sparübungen hat Yellowworld aber nicht, denn die Post muss die bestehenden längerfristigen Verträge mit Swisscontent berücksichtigen. Bendicht Luginbühl, CEO von Swisscontent, zeigte sich offen für Marktanpassungen, solange diese im Rahmen der gemeinsam entwickelten Contentstrategie blieben.
Yellowworld ist bei der Neuausrichtung in guter Gesellschaft
Yellowworld ist nicht das einzige Schweizer Portal, das in den letzten Monaten über die Bücher gehen musste. Wie bereits in der WerbeWoche berichtet, sah sich Marktführer Bluewin ebenfalls gezwungen, seine Portalstrategie zu überarbeiten, und priorisierte die diversen Angebote des Portals neu. Der Grund: die nicht befriedigende Ertragssituation im Portalgeschäft.
Vor einigen Wochen kündigte auch Cablecom an, dass SwissOnline den Gürtel enger schnallen müsse. Alle Geschäftsfelder und Projekte der «besseren Welt» werden auf ihre Rentabilität beziehungsweise ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis geprüft. Anders als bei Yellowworld führt die Neustrukturierung bei Bluewin und SwissOnline auch zu einem Stellenabbau.
Die Sparbemühungen und Neuausrichtungen der grossen Schweizer Portale zeigen, dass sich viele Player vor allem beim Content etwas zu viel zugemutet und dabei die Werbeeinnahmen etwas gar optimistisch kalkuliert haben. Die Herausforderung besteht für sie gegenwärtig darin, neue Einnahmequellen zu erschliessen und sich auf jene Bereiche zu konzentrieren, die von den Benützern im kleinen Schweizer Markt wirklich gefragt werden und die sich auch vernünftig finanzieren lassen.
Die Schweizerische Post hat beschlossen, ihr Internetportal Yellowworld.ch stärker auf Dienstleistungen und Informationen rund um Postprodukte zu konzentrieren. Yellowworld soll zum zentralen Postportal werden. Ein wichtiger Bestandteil wird das virtuelle Postamt sein mit Finanzdienstleistungen der Postfinance und einem grossen Informationsbereich. Doch auch neue Angebote, bei denen die Post ihre Kernkompetenzen (Zahlungsverkehr, Logistik usw.) ausspielen kann, sollen lanciert werden. Für Geschäftskunden wird eine breite Palette mit Marketing Services, Fulfillment Services (Finanzen und Logistik) und speziellen Branchenlösungen angeboten werden. Im B2B-Bereich arbeitet die Yellowworld AG gemäss Gerhard Schwab, CEO dieses Internetportals, schon heute mit schwarzen Zahlen.
Die Neuausrichtung von Yellowworld ist eine Folge des unbefriedigenden Geschäftsgangs mit dem bisherigen Portal. Dort hatte Yellowworld vor allem auf ein breites Angebot von News, Einkaufsmöglichkeiten, Spielen und E-Mail-Diensten gesetzt. Die Ertragssituation im Portalgeschäft hätte allerdings weit unter den Erwartungen gelegen und sei nicht im zeitlichen Rahmen eingetroffen, musste die Post nun eingestehen. Beim Start von Yellowworld im September 2000 war von Investitionen in der Höhe von 350 Millionen Franken und Einnahmen von 150 Millionen Franken in den ersten drei Jahren die Rede. Diese Zahlen wurden inzwischen deutlich nach unten korrigiert. Stellen sollen bei Yellowworld allerdings keine abgebaut werden.
Ein Retortenportal hats im Internet alles andere als leicht
Dass Yellowworld.ch mit der bisherigen Ausrichtung bei den Konsumenten nicht zu den Topwebadressen gehört, liegt nicht unbedingt an der Qualität des Inhalts. Die Frage ist, ob Content an sich ein hinreichender Grund ist, ein horizontales Portal zu besuchen oder ob die User dafür nicht lieber direkt die Website ihrer Tageszeitung ansteuern. Kommt hinzu, dass Yellowworld ein Retortenportal ist. Als solches wurde es nicht um einen zentralen, bekannten Service wie zum Beispiel eine Suchmaschine oder den Internetzugang herum aufgebaut, sondern mehr oder weniger aus dem Boden gestampft. Darin vor allem unterscheidet sich Yellowworld von SwissOnline oder Bluewin. Auch dessen Benützer klicken nicht primär das Portal an, um tagesaktuelle News zu lesen. Aber immerhin haben diese Portale die Möglichkeit, die User mit geschickt platzierten Schlagzeilen gleich nach dem Einwählen oder mit der Benützung eines anderen Dienstes zu ködern und zum Verweilen anzuregen.
Yellowworld tut also gut daran, das Portal stärker an neue Postangebote anzubinden. Diese sind nämlich auch im Web durchaus gefragt. Laut Digital Media Audience Ratings Report von MMXI Europe zählen die Websites der Post zu den Top-20-Properties bei den Schweizer Heimnutzern, wofür vor allem Yellownet.ch verantwortlich ist.
In Zukunft sollen die Besucher, die auf ihrer Tastatur die Adresse www.post.ch eintippen, auf Yellowworld umgeleitet werden. Auch die anderen Postangebote im Internet werden gemäss Schwab integriert. Mit den Websites von Post Finance (zum Beispiel Yellownet.ch) soll das Postportal nun zumindest enger verbunden werden.
Swisscontent bleibt Content-partner des Postportals
Die inhaltliche Neuausrichtung vom multimedialen News- und Lifestyleportal zum Postportal hat logischerweise auch Konsequenzen für den Contentpartner von Yellowworld, die SwisscontentCorp. Post-Mediensprecher Hubert Staffelbach sagte, dass die Inhalte auf dem Portal weiterhin von Swisscontent geliefert würden. Art und Umfang des Volumens hingen jedoch von den künftigen Bedürfnissen ab. «Einsparungen wird es in den horizontalen Contents geben, ebenso bei nichtrentablen, postfernen Angeboten», präzisierte Schwab. Verzichtet werden soll auch auf multimediale Inhalte.
Gänzlich freie Hand bei den Sparübungen hat Yellowworld aber nicht, denn die Post muss die bestehenden längerfristigen Verträge mit Swisscontent berücksichtigen. Bendicht Luginbühl, CEO von Swisscontent, zeigte sich offen für Marktanpassungen, solange diese im Rahmen der gemeinsam entwickelten Contentstrategie blieben.
Yellowworld ist bei der Neuausrichtung in guter Gesellschaft
Yellowworld ist nicht das einzige Schweizer Portal, das in den letzten Monaten über die Bücher gehen musste. Wie bereits in der WerbeWoche berichtet, sah sich Marktführer Bluewin ebenfalls gezwungen, seine Portalstrategie zu überarbeiten, und priorisierte die diversen Angebote des Portals neu. Der Grund: die nicht befriedigende Ertragssituation im Portalgeschäft.
Vor einigen Wochen kündigte auch Cablecom an, dass SwissOnline den Gürtel enger schnallen müsse. Alle Geschäftsfelder und Projekte der «besseren Welt» werden auf ihre Rentabilität beziehungsweise ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis geprüft. Anders als bei Yellowworld führt die Neustrukturierung bei Bluewin und SwissOnline auch zu einem Stellenabbau.
Die Sparbemühungen und Neuausrichtungen der grossen Schweizer Portale zeigen, dass sich viele Player vor allem beim Content etwas zu viel zugemutet und dabei die Werbeeinnahmen etwas gar optimistisch kalkuliert haben. Die Herausforderung besteht für sie gegenwärtig darin, neue Einnahmequellen zu erschliessen und sich auf jene Bereiche zu konzentrieren, die von den Benützern im kleinen Schweizer Markt wirklich gefragt werden und die sich auch vernünftig finanzieren lassen.
