Neue Wege einer Vermittlung

Lilo Killer hört auf und macht weiter. Eine der ersten und bekanntesten Art-Buyerinnen der Schweiz gründet einen neuartigen Pool mit über 20 Schweizer Fotografen. Darunter finden sich sowohl bekannte Namen als auch jüngere Nachwuchstalente mit grossem Potenzial.

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Sie hat das Art-Buying in der Schweiz mehr oder weniger eingeführt. Inzwischen hat sich dieser Bereich dank den neuen Möglichkeiten mit Suchmaschinen und Bilddatenbanken im Internet stark verändert. «Mach etwas anderes!», hat sich Lilo Killer deshalb gesagt.

Nach 24 Jahren im Art-Buying will Lilo Killer ihre Erfahrung mit neuen Ideen in die Agenturen einfliessen lassen. Sie hat ein Konzept für einen neuartigen Pool zur Vermittlung von Fotografen entwickelt.

«Ich wollte mit 15 Fotografen starten und habe 24 für einen Test angeschrieben. 23 waren sofort begeistert.» Diese finden sich jetzt auf einem neuen Portal www.lilokillerfotografen.ch. Auf diesem sieht sich Lilo Killer primär als Schnittstelle zwischen Agentur und Fotograf. Einerseits berät sie die Agenturen über besondere Fähigkeiten und Spezialgebiete ihrer Fotografen, andererseits diese über Honorare und Copyrights, über Organisation und Produktion.

«Ich schaffe den Kontakt zwischen Auftraggeber und Fotograf, kläre Verfügbarkeiten ab und hole erste Informationen und Offerten ein.» Besonderen Wert legt sie darauf, dass sich die Fotografen des Pools in ihren Spezialgebieten gut ergänzen und dass sie sowohl renommierte Namen als auch jüngere, noch weniger bekannte Talente vermittelt. Sie hat den Anspruch, dass in ihrem Pool «jeder Art Director mindestens einen bis zwei Fotografen findet, die er noch nicht kennt.»

Nicht aufgeben gewinnt

Ihren Einstieg in die Welt des Films und der Foto¬grafie erlebte Lilo Killer bei Pueblo Film. Diese Produktion betreute von Zürich aus die weltweite Dis¬tribution der Spielfilme von Alexander Salkind, der in Hollywood die drei «Superman»-Filme produzier¬te sowie in den 80er-Jahren Erfolge wie «Santa Claus» und «Supergirl». Bei diesen und «Superman III» betreute Lilo Killer verschiedene Film-Treu¬handmandate und hatte Kontakt mit Produzenten und Anwälten in aller Welt. Als ihr die unvermeid¬lichen Pausen zwischen zwei Einsätzen «zu langwei¬lig» wurden, erhoffte sie sich mehr Action in einer Werbeagentur.

Bei Klöti wollte man dazu ein Diplom vom Sawi sehen. «Ich wusste allerdings nicht einmal, was das ist.» Trotzdem hat die Autodidaktin nicht losgelassen. Als die Probezeit mit der Sawi-Frau scheiterte, kam für Killer die zweite Chance. In ihrem Job als Assistentin musste die Newcomerin viele Protokolle schreiben «und lernte so, wie Werbung funktioniert».

Ein ähnliches Durchsetzungsvermögen zeigte Lilo Killer auch, als bei der Agentur ein neuer CD aus Deutschland eingestellt wurde und dieser nach einem Art-Buying verlangte. Weil man in Zürich eine solch neuartige Abteilung noch gar nicht kannte, musste Killer ein Inserat aufsetzen. «Als ich die Anforderungen beschrieb, fand ich diesen neuen Job viel interessanter als meine bisherige Tätigkeit. So habe ich mich gleich selber beworben.» Der Ge-schäftsleiter wollte sie allerdings nicht verlieren – und so hat die ausgebremste Assistentin eben gekündigt.

Zur genau richtigen Zeit – denn bei Young & Rubicam wurde inzwischen auch eine Art-Buyerin gesucht. «Wer überhaupt weiss, was das ist, soll sich melden», stand im Inserat. Da Lilo Killer soeben selber einen solchen Jobbeschrieb tippen musste, rief sie bei Hansjörg Zürcher an und erklärte: «Ich weiss seit drei Wochen, was Art-Buying ist.»

Die folgenden zwei Jahre bei Y&R wurden eine «sehr fantastische Zeit». Lilo Killer durfte das Hand¬werk «on the job» an der Seite von gleichzeitig aufstrebenden Kreativen wie Martin Spillmann, André Benker, Roland Scotoni oder Matthias Babst erlernen.

«Die Zeiten damals funktionierten noch ein biss¬chen anders. Oft staunte ich, wie Martin Spillmann und Hansjörg Zürcher einen ganzen Tag lang Schach spielten – und am Abend präsentierten sie plötzlich die kompletten Ideen für eine ganze Kampagne», erinnert sich Killer.

Ihr erster Job im Bereich Art-Buying war für «Painted Faces» von Kodak. Sie musste in der Stadt möglichst viele Farben besorgen und testete diese dann auf ihrem eigenen Gesicht auf mögliche Allergien. Anschliessend hätte Killer die später eingesetzten Models auch beim Foto-Shooting auf den Seychellen betreuen dürfen. «Ich war noch nie auf den Seychellen und die Arbeit mit dem Fotografen Hans Feurer wäre sicher ein Traumjob gewesen.» Aber weil in Zürich gleichzeitig ein Film angeschoben werden musste, hat Killer Professionalität bewiesen und zum unglaublichen Staunen ihrer Kolleginnen freiwillig auf die Arbeit am Traumstrand verzichtet.

«Ich bin sehr gewissenhaft», meint Lilo Killer zu diesem Verhalten, das manchmal nicht ganz in die damals noch gerne als «chaotisch» gesehene Welt einer Werbeagentur passte – aber mehr denn je gefragt war, als sich auch die Branche der «wilden Kreativen» ständig mehr Richtung hartes Arbeiten entwickeln musste.

Als 1990 bei Y&R die Fusion mit Advico ins Haus stand und damit der Umzug nach Gockhausen, war Lilo Killer eben aufs Land auf die andere Seeseite gezogen. Zweimal täglich durch die Stadt pendeln war keine grosse Verlockung. Zudem wollte sie als Art-Buyerin die Buchhandlungen, Fotostudios oder auch Ramschläden mehr in ihrer Nähe wissen. So musste Hansjörg Zürcher sie «schweren Herzens» ziehen lassen. Sein Abschlusszeugnis wurde legendär in der Branche: «Falls jetzt Lilo Killer vor Ihnen steht, in ihrer ganzen Grösse, mit ihrem Charme, mit all ihren Fähigkeiten und ihren Kenntnissen, und sie sich bei Ihnen zum Beispiel als Art-Buyerin bewirbt, dann stellen Sie sie auf der Stelle an. Sie machen den Coup Ihres Lebens.»

Der eigene Stil

Vorweisen musste Lilo Killer dieses Empfehlungsschreiben seither noch nie. «Weil ich eine der ersten Art-Buyerinnen der Branche war, hat man mich auch so gekannt.» Eine nächste Station war in der Folge bei Wirz Werbung. Dort sollte sie ebenfalls das neu aufgekommene Art-Buying aufbauen. Allerdings war auch ihre Sehnsucht nach dem Kinofilm noch nicht ganz erloschen. Es gab deshalb gleichzeitig eine Option bei T&C Film für eine Produktionsleitung bei «Jazz» von Daniel Helfer. Noch wartete man hier aber auf das Geld der Filmförderung. Lilo Killer arbeitete in dieser Phase ein Jahr lang für diverse Werbespots, bis sie sich noch einmal von Wirz Werbung abwerben liess und dann hier von 1992 bis 1999 das Art-Buying und FFF betreute.

«Das war eine sehr spannende Zeit bei Wirz. André Benker erlebte ich nach Y&R zum zweiten Mal als CD. Danielle Lanz war da und gestaltete für mich ein Briefpapier, mit dem sie beim ADC Silber gewann.» Auch Jost Wirz hat sich über den Würfel gefreut. Er meinte allerdings: «Wozu brauchst du ein Briefpapier?» – «Nützt es nichts – so schadet es nichts», war die Antwort von Lilo Killer. Es sollten aber noch einmal ein gutes Angebot von Jean-Etienne Aebi und damit zwei Jahre bei Publicis dazwischenkommen, bevor Lilo Killer 2001 ihren Schritt in die Selbstständigkeit wagte.

«Ich wollte mehr nach meinem Stil sorgfältig und in meinem eigenen Tempo arbeiten und weniger fabrikmässig, wie es innerhalb einer grossen Agentur oft unumgänglich wird», meint sie heute zu ihrer Motivation. Mit ihrer Einzelfirma konnte Lilo Killer seither für fast alle wichtigen Agenturen als Art-Buyerin arbeiten.

Wie ein Test bei einigen dieser Agenturen in den letzten Monaten gezeigt hat, weckt nun auch ihr neues Angebot mit dem Fotografenpool inzwischen bereits sehr grosses Interesse. Andreas Panzeri

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