Nationale Marketingvision
Krisenbewältigung Genau 17 Tage hat es gedauert, bis das Tourismusbureau von New Orleans nach den verheerenden Auswirkungen des Hurrikans Katrina zu einem optimistischen Ausblick auf die Lage zurückkehrte.
abgepumpt. Das Marketing für ein New Orleans der Zukunft lässt aber
bereits allen Schrecken vergessen.Genau 17 Tage hat es gedauert, bis das
Tourismusbureau von New Orleans nach den verheerenden Auswirkungen des
Hurrikans Katrina zu einem optimistischen Ausblick auf die Lage
zurückkehrte. «Wir können es kaum erwarten, unsere Stadt wieder zu
eröffnen und Sie in der für New Orleans einzigartigen Art und Weise
wieder willkommen zu heissen», ist seit Mitte der vergangenen Woche auf
der Webseite des Conventions and Visitors Bureaus der überfluteten
Stadt zu lesen. «Es wird besser sein als je zuvor.»
Wiederaufbau als oberstes Ziel
Auch für Laurence Geller, Präsident der Investorengruppe Strategic
Hotel Capital, gibt es nach dem «Disaster» nur eine Devise:
Wiederaufbau. Und das gilt nicht nur für eines seiner Projekte, das
Hyatt Regency Hotel in New Orleans, von dem die Bilder des
zerschmetterten Gebäudes um die ganze Welt gingen. «Es wird einen Boom
in New Orleans geben. Dies wird die erste moderne Stadt des 21.
Jahrhunderts werden», sagte er auf einer Konferenz des
Tourismusverbandes HSMAI in New York. Seiner Ansicht nach wird im
nächsten Frühjahr nicht nur die Business Conventions Branche zurückkommen, die einen wichtigen Teil der
Besucherindustrie in New Orleans ausmacht. Auch alle grossen
Markenfirmen werden sich hier niederlassen, sofern ein Fehler vermieden
wird: «Dies ist nicht die Zeit für schnelle Ad-hoc-Ausbesserungen,
sondern für eine umfassende, nationale Vision.»
Richard Copland, früherer Präsident der Reiseagentur-Vereinigung ASTA,
sieht in der gegenwärtigen Zerstörung sogar eine potenzielle
Touristenattraktion. «Das French Quarter ist trocken, und schon zu
Weihnachten kann die Industrie mit günstigen Reisepaketen werben. Für
abenteuerlustige Besucher kann man sogar Touren in die Aussenviertel
anbieten, um zu sehen, was noch übrig ist.» Er verweist auf den 11.
September und dass noch heute Touristen nach New York reisen, um Ground
Zero zu sehen. «Die Leute kamen, um ihre Unterstützung zu
demonstrieren.»
Schwierige Kontaktaufnahme
Während die Tourismusindustrie schon die weisse Flagge für zukünftige
Besucher hisst, bemühten sich zahlreiche andere Unternehmen noch, mit
der Schadensbegrenzung fertig zu werden. Während herkömmliche
Kommunikationswege wie Post, Telefon und mangels Strom auch das
Internet ausfielen, versuchten Firmen wie Shell, Visa, Cox
Communications und lokale Banken und Versicherungsunternehmen mit ihren
im ganzen Land verstreuten Angestellten und Kunden Kontakt aufzunehmen.
Das beste Kommunikationsmittel waren hier Anzeigen auf den Seiten der aus der Stadt evakuierten
Regionalzeitung Times-Picayune. Kabelkunden wurden darin zum Beispiel
unterrichtet, dass sie für den Monat September keine Gebühren zahlen
müssen. Angestellte wurden angehalten, bei ihrem Arbeitgeber zu melden, wie die
Lohnzahlungen abgewickelt werden sollten. Viele Unternehmen drückten
damit schlichtweg ihre Unterstützung und Hilfsbereitschaft in einer
Zeit des nationalen Traumas aus.
Besucher zurückbringen
Auch Florida hat im letzten Jahr eine Reihe verheerender Hurrikans gesehen, die grossen Schaden für die
Tourismusindustrie angerichtet haben. Hier sprang der Bundesstaat
Florida mit Zuschüssen von insgesamt 450000 Dollar ein, die eigens für
das Marketing der betroffenen Gemeinden genutzt werden, um die Besucher
zurückzubringen. Allein die Agentur von Santa Rosa County etwa, ID
Group, verschickte über 20000 Postkarten an frühere Besucher, in denen
sie für die weiterhin bestehenden Attraktionen warb und auf die
Webseite www.beaches-rivers.com verwies, wo aktuelle Infos über
Wiederaufbau und Hotelkapazitäten abrufbar waren. Die Printwerbung
wurde auf die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr reduziert. «Wir wollen
die Leute ja nicht erst anlocken, um ihnen dann sagen zu müssen, wir
haben nicht genug Unterbringungen», sagt Tina Lombardo, die bei der ID
Group für die Werbekampagne zuständig ist. Viele der betroffenen
Regionen haben auf ihren Webseiten ausserdem aktuelle Fotos oder
Webcams, um den Besuchern ein Live-Bild zu vermitteln, wie die Strände
und Hotels aussehen.
Für alle Betroffenen von Katastrophenzonen gilt: die Situationen ernst nehmen, sagt Laurence Geller.
«Denken Sie an alles, was schief gehen kann, multiplizieren Sie es um
ein Zehnfaches, dann hat man die Situation halbwegs im Griff.» Ist der
Sturm dann vorbei, ist das Entscheidende, schnell zu handeln. «Sofort
nachdem ein Hotel oder ein Vergnügungspark renoviert ist, muss man die
Botschaft unter die Leute bringen», sagt Todd May von der Agentur
Identity Travel in Miami. «Wenn es nicht anders geht, ruft jeden
einzelnen Kunden an und gebt ihnen ein Update.»
Gerti Schön
