Nach uns die Sintflut

Hunderte junge Leute suchen ihr Glück für die Zukunft in der Werbung. Aber höchstens ein Prozent bekommt die Chance. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. 

Schauen Sie sich mal um, wie ungekonnt und langweilig uns die Werbung bewerben will. Mit wenigen Ausnahmen besteht die Kommunikation der Werbung aus über 90 Prozent Schrott. Dies hat mein Expartner, Walter Bosch, schon vor 30 Jahren behauptet und dafür kein Lob geerntet. Aber keine Spur hat sie sich verbessert. 

Würde man dem, mir immer sympathischer werdenden Hayek Junior zuhören, dann müsste auch die Werbebranche auf 12 Mitarbeiter einen Lehrling einstellen und ausbilden. Das wäre gut. Doch da beginnt bei mir bereits das Problem. Existieren denn diese Lehrmeister noch, die in der Lage sind, einem jungen Menschen die Reduktion auf das Wesentliche, witzige Texte, eine überraschende Bildsprache, eine langfristige Strategie, die Wirkung eines Plakates oder die richtige Mediastrategie beizubringen? Schaue ich mir das ganze Resultat der Werbung an, kommen mir Zweifel. Ich sehe schwarz, dass die noch vorhandenen, fähigen Werber dies zwar könnten, aber aus wirtschaftlichen Gründen die Wünsche der Kunden erfüllen müssen.

Meine Theorie: Jung von Matt hat ein Exempel statuiert und eine Akademie für den Nachwuchs gegründet. Die ADC-Kreativschule ist leider nur für Leute mit Lehrlingsabschluss. Michael Conrad’s Berlin School of Creative Leadership versucht die Marketing-Verschlimmbesserer umzukrempeln. An den Kunstgewerbeschulen, neuestens Akademien genannt, unterrichten Lehrer in Grafik, meistens weil das im realen Leben nicht geklappt hat. Es gibt auch Ausnahmen. Das SAWI ist eine Katastrophe.

Der Beruf Grafiker wird nicht mehr richtig weitergegeben. Schon damals, als ich in der Grafik- Fachklasse in Basel ausgebildet wurde, stiegen viele der Lehrer direkt nach der Grafikschule ohne Praxis direkt zum Lehrer auf. Die Ausnahmen waren der Kunstmaler Theo Eble, die Grafiker Donald Brun oder Armin Hoffmann. Das Wichtigste dabei aber ist, dass Ihr diesen Leuten zumindest eine Chance gebt. Im Internet finde ich unter Grafik-Lehrstellen null Einträge.

Ich denke Schule, Akademie oder Praxis, Hauptsache, die Fähigsten und Besten nehmen sich der Ausbildung der jungen Leute an. Wenn der einst stolzeste Beruf, Schweizer Grafiker zu sein, nichts mehr wert ist, dann werden wir einem noch dilettantischeren Werbegemurkse ausgesetzt sein.

Mein Aufsteller ist die Forderung von Hayek und auch der neue Swatch-Spot. Letzterer ist auf dem Produkt und auf dem Punkt. «Same same und doch different.»

Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
 

More articles on the topic