Monopole, Duopole und Oligopole: neue Perspektiven mit Admeira?

Printmarkt: Oligopol im nationalen Markt
Bei den Zeitungen und Zeitschriften hat sich durch den Rückgang der Inserateeinnahmen in den letzten Jahren viel verändert. So kam es zu Fusionen, Kooperationen, Übernahmen und Einstellungen von Titeln. Mit dem Ergebnis, dass heute wenige grosse Medienhäuser wie Tamedia, Ringier, NZZ, AZ Medien oder Somedia den nationalen Printmarkt beherrschen. Diese konnten teilweise regionale Monopole mit Printtiteln, TV-, Radio- und Online-Angeboten etablieren.Bei den Lokalzeitungen sowie der Fach- und Spezialpresse gibt es nach wie vor ein grosses Angebot mit vielen Anbietern. Und auch die Publicitas ist hier weiter als Vermittlerin und Vermarkterin aktiv, hat aber viel von ihrer früheren Marktstellung eingebüsst. Viele Printtitel haben es in den letzten Jahren versäumt, ihre offiziellen Tarife den Leistungen anzupassen.
Fernsehen: klares Duopol
Im TV gibt es immer mehr Sender mit kleinen Marktanteilen. Damit besteht für die Werbekunden ein sehr breites Angebot. Auf der Vermarkterseite hat sich jedoch mit dem Start von Admeira die Duopol-Situation der beiden Grossen nun nochmals akzentuiert. Goldbach Media und Admeira, welche zusammen auch die AGFS, die Arbeitsgemeinschaft Fernsehwerbung Schweiz, bilden, teilen sich jetzt das TV-Geschäft. Dies weil Ringier nun nicht mehr selbst als TV-Vermarkter agiert.Die von den regionalen Medienhäusern wie zum Beispiel AZ Medien verkauften Lokal-TV-Sender können an dieser Duopol-Situation nichts ändern. Die Reichweiten der Lokal-TV-Sender sind für nationale Werbung schlicht zu unbedeutend. Nach dem Streit um die Gründung von Admeira wäre es jetzt an der Zeit, um den TV-Markt, im Interesse der Vermarkter und Werbekunden, weiter zu entwickeln: interaktives TV, zielgruppenspezifisches TV, präzisere Messdaten über die Nutzung und eine gemeinsame Währung für Bewegtbilder auf allen Screens.
Aussenwerbung: Duopol bis Monopol
Im Plakatmarkt gibt es faktisch zwei grosse Anbieter. Dabei hat die APG|SGA ihre bereits starke Marktstellung mit dem kürzli-chen Kauf von Alpenplakat AG nochmals ausgebaut. In gewissen Angebotsbereichen wie zum Beispiel SBB-Flächen verfügt die APG|SGA bereits über eine Monopolstellung. Das kann für die Kunden Nachteile, wie beispielsweise in der Preis- oder Rabattpolitik, haben.Clear Channel holt zwar bei Neuausschreibungen von Plakatflächen in einigen Städten auf (Luzern, Zürich) ist aber die klare Nr. 2 im Markt. Weitere Anbieter sind nur regional oder in Nischen tätig. So zum Beispiel die Neo Advertising, welche die Flächen am Flughafen Genf oder in zahlreichen Einkaufscentern vermarktet.Als Nachteil dieser Marktmacht der beiden grossen Anbieter warten die Werbeauftraggeber schon länger auf neue Forschungsdaten und haben wenig Alternativen zu deren analogen und digitalen Angeboten.
Kino: klares Monopol
Nachdem die Publicitas aus dem Kinogeschäft ausstieg, konnte sich Werbeweischer die Kinoverträge der ehemaligen Cinecom sichern. Damit verfügt Werbeweischer seit Anfang Jahr über ein klares Monopol. Dabei ist das Unternehmen erst vor wenigen Jahren aus Deutschland in den Schweizer Kinomarkt eingedrungen. Bis auf wenige Open-Air-Kinos kann somit Kinowerbung nur noch bei diesem Vermarkter gebucht werden.Für den kleinen Schweizer Kinomarkt hat diese Vermarktersituation nicht nur Nachteile. Es bietet sich nun die Gelegenheit, alle Kinos aus einer Hand, mit einfachen und transparenten Angeboten zu vermarkten und weiterzuentwickeln!
Radiomarkt: Duopol oder Oligopol?
Obwohl bei fast allen Privat-Radiosendern Werbung direkt gebucht werden kann, spielen bei der nationalen Vermarktung vor allem zwei Unternehmen eine Rolle: Swiss Radioworld, eine Tochter der Goldbach Group sowie Cover Media. Als dritter Vermarkter sei hier noch Spot-Promotion genannt. Zudem verkauft Admeira seit vielen Jahren die nationalen Sponsoringangebote der SRG-Sender.Noch unklar bleibt, wie stark sich Admeira künftig im Radiomarkt engagiert. Die drei NRJ-Sender von Ringier in Basel, Bern und Zürich sind heute (noch) nicht im Admeira-Portfolio enthalten. Leider konnte sich der Schweizer Radiomarkt, wegen der fehlenden Werbemöglichkeiten auf den SRG-Stationen, bisher nur ungenügend entwickeln.
Digital-Markt: Wettbewerb bei Schweizer Anbietern
Das Schlechte zuerst: an den Global Playern Google und Facebook kommt keiner vorbei. Google dominiert dabei klar den Suchmaschinenmarkt mit ihren Angeboten für Adwords oder Display und auch das Angebot für Werbung mit Bewegtbildern auf Youtube ist fast konkurrenzlos. Ebenso stark ist die Stellung von Facebook in den sozialen Medien. Eine angenehme Situation für die beiden amerikanischen Konzerne, welche praktisch unberührt von Regulation und der Schweizer Politik ihren Geschäften nachgehen können.Die lokale Konkurrenz hat hier das Nachsehen und ebenso die Werbekunden. So müssen sich die Schweizer Publisher mit ihrem Werbeinventar an Display, Bewegtbild, Native Advertising und Rubrikenmärkten zufrieden geben. Dafür herrscht hierzu reger Wettbewerb unter den Anbietern. Bedeutende Vermarkter und Vermittler sind: Goldbach Audience, Serranetga, Adwebster, Stailamedia, Publicitas, Tamedia, NZZ und zahlreiche weitere Medienhäuser und Onlinespezialisten.Auch Admeira hat explizit angekündigt, hier eine Rolle spielen zu wollen und es gegen Google und Facebook aufzunehmen. Das Werbeinventar von Ringier, Swisscom und der SRG hat dabei eine beachtliche Grösse. Allerdings gilt für die Websites der SRG nach wie vor ein Online-Werbeverbot.Nachteil der zahlreichen globalen und inländischen Player sind fehlende Marktstandards, Intransparenz von Preisen und Leistungen und wenig gemeinsame Marktinitiativen. So fehlen nach wie vor eine Online-Reichweitenforschung, wie diese andere Mediengattungen längst kennen oder genaue Zahlen zu den Werbeumsätzen. Letzteres weil viele Online-Marktteilnehmer seit Jahren wenig Lieferbereitschaft zeigen und ihnen diese Intransparenz gerade recht ist?Admeira ist gefordert, die Versprechungen zu erfüllenWas ändert nun im Werbemarkt mit dem Eintritt von Admeira? Im ersten Moment wenig. Im ersten Jahr müssen nun die drei Unternehmen und ihre Mitarbeiter zuerst kulturell zusammenwachsen, an ihre neuen Standorte ziehen und ihr Portfolio unter einen Hut bringen. Dabei dürfen immerhin erste crossmediale Angebote erwartet werden. Allerdings melden sich derzeit zahlreiche Admeira-Verkäufer für Print, TV, Radio und Online bei den Werbeauftraggebern. Hier wird es noch einiges zu koordinieren geben – insbesondere im Key Accounting, wo sich die grossen Kunden Informationen und Angebote aus einer Hand wünschen.Damit lasten sehr viel Arbeit und noch mehr Erwartungen des Marktes auf dem Management und den Mitarbeitern des neuen Anbieters! Ob Admeira neue Perspektiven im Werbemarkt eröffnet, wie sie mit ihrem Slogan verspricht, wird sich erst in den nächsten ein bis zwei Jahren erweisen!SWA kämpf für kompetitive Bedingungen im WerbemarktDer SWA setzt sich seit 1950 für kompetitive Rahmenbedingungen im Werbemarkt ein. Mit der Arbeit der Geschäftsstelle und den zahlreichen Vertretungen in Organisationen des Schweizer Werbemarktes kämpft er an vorderster Front für die Anliegen seiner Mitglieder. Dazu gehören zahlreiche Initiativen und Forderungen gegenüber den Marktteilnehmern. Aktuelle Beispiele sind die SWA-Forderungen nach zielgruppenspezifischer Werbung auf allen TV-Sendern oder ein neues, leistungsbasiertes Pricing für sämtliche Out-of-Home-Angebote.Mehr unter www.swa-asa.ch
