Mobbing vorbeugen heisst viel Geld sparen

Opfer von Intrigen und Mobbing am Arbeitsplatz leiden massiv und werden häufig krank. Die destruktiven Vorgänge schaden jedoch auch den Betrieben, welche die üblen Machenschaften nicht unterbinden. Von Irmtraud Bräunlich Keller, lic.rer.pol., Redaktorin und Arbeitsrechstsexpertin beim Beobachter-Beratungszentrum.

Laut einer Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) aus dem Jahr 2002 leidet in der Schweiz etwa jede 13. Person unter Mobbing am Arbeitsplatz. In der Krise dürften diese Zahlen noch zunehmen. Was dabei häufig vergessen geht: Leidtragende sind nicht nur die Opfer von Schikanen und Ausgrenzung. Den Betrieben, die Mobbing zulassen, entstehen massive Kosten: für Krankheitsabsenzen, Minderleistungen und unnötigen Personalwechsel. «Fachleute schätzen, dass ein Mobbingfall etwa ein Jahressalär kostet», ist auf der Website des Seco nachzulesen. Kosten also, die sich in schwierigen Zeiten kein Betrieb mehr leisten kann.
Wie können Betriebe Mobbing wirksam vorbeugen? Wie verhält man sich, wenn Spannungen im Team zu unfairen Machenschaften und Verdrängungskämpfen führen? Hier die wichtigsten Praxistipps:
– Sorgen Sie für eine offene Gesprächskultur. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter wissen, dass sie Probleme ansprechen und auch mal Kritik äussern können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
– Achten Sie auf gründliche Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Stellen Sie ihnen einen Ansprechpartner, einen «Götti», zur Verfügung, der dem neuen Teammitglied hilft, sich möglichst gut zu integrieren.
– Formulieren Sie Ihre Erwartungen an die Mitarbeitenden klar und unmissverständlich. Informieren Sie so früh und so offen wie möglich über anstehende Änderungen. Unsicherheit, Ängste und Gerüchte sind ein «idealer» Nährboden für Mobbing.
– Fragen Sie in Qualifikationsgesprächen auch nach dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden und ihrer allgemeinen Zufriedenheit.
– Äussern Sie berechtigte Kritik an einem Mitarbeiter unter vier Augen und nicht vor versammelter Mannschaft.
– Sprechen Sie Mitarbeitende bei Anzeichen von Spannungen direkt darauf an. Zum Beispiel: «Ich habe in letzter Zeit den Eindruck, dass Sie mit Herrn X nicht besonders gut auskommen. Wie sehen Sie das?»
– Nehmen Sie Klagen wegen Mobbing, sexueller Belästigung oder anderen Schikanen ernst und sorgen Sie für eine unparteiische Untersuchung. Bezeichnen Sie eine Anlaufstelle für Betroffene.
– Lassen Sie die an Mobbing Beteiligten, Opfer wie Täter, aktiv bei der Suche nach möglichen Lösungen mitarbeiten. Sprechen Sie nicht über die Beteiligten, sondern mit ihnen. Schützen Sie Mobbingopfer vor weiterer Blossstellung und Vergeltung, beispielsweise durch räumliche Trennung oder Versetzung.
– Seien Sie ehrlich mit sich selbst, wenn es nicht gelingt, einen Konflikt zu lösen, oder wenn Sie selbst daran beteiligt sind. Ziehen Sie eine (interne oder externe) Fachperson bei.
– Nehmen Sie sich Zeit für ein persönliches Gespräch mit austretenden Mitarbeitern und ermuntern Sie sie, offen zu sprechen: Wie haben sie das Betriebsklima erlebt? Welche Probleme haben allenfalls zur Kündigung geführt?
Buchtipp
Mobbing – was tun? von Irmtraud Bräunlich Keller Dieses umfassende Handbuch informiert über die Erscheinungsformen von Mobbing, erläutert Ursachen, Folgen und rechtliche Aspekte. Es enthält zahlreiche Handlungstipps für Betroffene und Führungskräfte.
Mit vielen Links, Mustertexten und kommentierten Gerichtsurteilen.
216 Seiten, broschiert,
1. Auflage, April 2006, Beobachter-Buchverlag, ISBN: 978-3-85569-348-1, Fr. 34.?.
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