Mit einer Prise Manfred Deix

Euro RSCG und Markus Cavegn Werbung wünschen Homosexuellen das amtlich abgesegnete Glück

Euro RSCG und Markus Cavegn Werbung wünschen Homosexuellen das amtlich abgesegnete GlückVon Andreas PanzeriGleich zwei unterschiedliche Kampagnen werben zurzeit für ein Ja zum Partnerschaftsgesetz. Die Vorlage, die am 22. September vors Zürcher Stimmvolk kommt, will die Gleichstellung der Homosexuellen im Kanton Zürich rechtlich verankern.
Am 22. September wird im Kanton Zürich über die Zulassung registrierter Partnerschaften für homosexuelle Paare abgestimmt. Dadurch sollen einige der rechtlichen und gesellschaftlichen Nachteile beseitigt werden, die gleichgeschlechtliche Paare nach wie vor in Kauf zu nehmen haben. Vor allem räumt das Gesetz mit fiskalischen Diskriminierungen gleichgeschlechtlicher Paare auf, die Tisch und Bett teilen.
Damit die Botschaft «Ja zum Partnerschaftsgesetz» im ganzen Kanton und «auf beiden Uferseiten» ankommt, hat die Werbeagentur Euro RSCG Switzerland für die Abstimmungskampagne «mit den Buchstaben J und A eine enge Partnerschaft geknüpft», wie CD Jürg Aemmer erklärt.
Die Kampagnenidee nimmt die Hauptbotschaft «JA zum Partnerschaftsgesetz» auf und verbindet die beiden Buchstaben J und A aus der Botschaft auf zwei zusammengehörenden Werbeträgern. «J und A stehen damit symbolhaft für zwei Individuen, die sich zu einer Partnerschaft verbinden», meint Aemmer.
Diese Botschaft «Wir gehören zusammen: Ja zum Partnerschaftsgesetz am 22. September.» wird in allen denkbaren Werbemitteln umgesetzt. «Die Idee mit den beiden Buchstaben, die ein Paar bilden, ist einfach deklinierbar, schnell wiedererkennbar und bildet die optische Klammer zur Abstimmungskampagne», sagt AD Anita Lussmann-Aragão.
In klassischen Werbemitteln wie Anzeigen oder Plakaten stehen hinter den beiden Buchstaben aber vor allem Menschen, Paare und Partner, die sich zum «Ja» bekennen. «Schwule Paare, lesbische Paare, heterosexuelle Paare, Freunde, Väter und Töchter, Mütter und Söhne, bekannte Leute – einfach alle, die zusammengehören und Ja zum Partnerschaftsgesetz sagen, füllen die Kampagne mit Leben» meint Euro RSCG. Gezeigt wurden die Sujets erstmals am Christopher Street Day am 29. Juni, wo viele Paare mit T-Shirts, Caps, Ballonen, Pins und Flyers die Botschaft durch Zürichs Strassen verkündeten. Inzwischen gibt es auch TV-Spots, die Patrick Senn konzipiert und zusammen mit Blood Sweat & Tears Ltd., Zürich, realisiert hat.
Der ironische Blick in ein «schwules» Schlafzimmer
Mit der geplanten Gesetzesänderung soll der Kanton Zürich auf dem Weg zu einer Gesellschaft mit freien Rechten wieder einmal eine Vorreiterrolle für ein entsprechendes eidgenössisches Gesetz einnehmen.
Um mit starker integrierter Kommunikation auf einen positiven Ausgang der Abstimmung hinzuwirken, gelangten die mit der Kampagnenführung betrauten PR-Agenturen PiAr und Relations & More an die Werbeagentur Euro RSCG Switzerland. Diese hat die Arbeiten im Rahmen einer Goodwill-Aktion in Angriff genommen.
Die Kampagne von Euro RSCG wird vom überparteilichen Komitee «Ja zum Partnerschaftsgesetz» getragen. Die Verantwortung haben dort Bettina Volland, Hans-Peter Portmann, Pierre André Rosselet, Lars Baumgartner, Rolf Trechsel und Gioia Hofmann.
Unabhängig von diesen Persönlichkeiten haben auch einige Kreative aus dem Kreis von CD Markus Cavegn ein Sujet für die Abstimmung zum Partnerschaftsgesetz kreiert. Ebenfalls in Fronarbeit, obwohl «keiner schwul» sei, wie Cavegn anmerkt, ist ein Plakat entstanden, das schliesslich von der Vereinigung «Network. Für schwule Führungskräfte» gerne übernommen und vom 9. bis 22. September an rund 100 B12-Plakatstellen im gesamten Kanton Zürich aufgehängt wird sowie zusätzlich auf 12 Quadratmetern an der Zürcher Weinbergstrasse.
Diese Plakatstelle hat für Cavegn schliesslich auch den Impuls zur Kreation der Kampagne «Gleiche Liebe. Gleiche Rechte.» gegeben. Der selbstständige CD hat den 12-Quadratmeter-Platz im Frühling schon gebucht, weil er sich «früher immer aufgeregt hat, dass es im Herbst keine guten Plakatstellen mehr gibt». Als Cavegn dann entdeckte, dass am 22. September die Abstimmung über das Partnerschaftsgesetz stattfindet, fand er die noch jungfräuliche Lücke an der Weinbergstrasse wie geschaffen für dieses Problem.
Tarkan Özküp hat schliesslich die Gesamtverantwortung übernommen, Chris Burkhard gestaltete die Grafik, und Julien Vonier hat das homosexuelle Pärchen im Bett fotografiert. «Wir haben absichtlich keine knackigen jungen Männer beim Bumsen genommen, sondern Alltagsmenschen, die nach dreissig Jahren Zusammenleben auch nicht mehr so wild sind, sondern völlig normal ihr Fotoalbum angucken», erklärt Cavegn den ironischen Blick ins Schlafzimmer. Da alle Beteiligten im Studio inklusive der beiden männlichen Modelle «Hetis» waren, habe eine «ziemlich schräge Atmosphäre» beim Fotografieren geherrscht. Mit einer Liebe zum Detail, wie es sonst fast nur bei Schwulen vorkommt, ist die Aufnahme dabei über die Bühne gegangen.
Vonier und Cavegn, die bereits unzählige solche «Monumentalaufnahmen» zusammen realisiert haben, wollten wieder einmal aus dem Vollen schöpfen und haben das ganze Schlafzimmer von Null auf künstlich gestalten lassen. Eine echte Tapete wurde aufgezogen. Die Stylistin Marlise Isler hat eigenhändig einen passenden Bettüberwurf genäht.
Mit der Darstellung von Normalität Klischees abbauen
Erreichen wollte man gemäss Cavegn einen «englischen Stil mit einem Touch Manfred Deix». Man soll im subtilen Humor-Bild verweilen und immer wieder Neues entdecken können. Erwähnt werden darf dabei auch die Gratis-Arbeit der Reproscan, die «alle Feinheiten dieser Gestaltung optimal zur Geltung gebracht hat».
Die Reaktionen, die Markus Cavegn und Julien Vonier bis jetzt für ihren Fronbeitrag «zu einer sehr wichtigen Sache» bekommen haben, sind sehr positiv und kommen «von jungen Lesben bis gereiften Heteros». Verstanden werde dabei die Absicht, dass dieses Plakat «Klischees abbaut, indem es völlig normal ist». Die Werber wollten «der Mittelklasse Klasse zeigen» sowie eine «Affinität mit dem vielleicht eher konservativen Betrachter herstellen», Motto: «Schaut, bei den Schwulen sieht es genauso aus wie bei euch im Schlafzimmer.»

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