Meister der Feinmechanik

Martin Fueter feiert sein 40. Dienstjahr bei der Condor Communications.

Martin Fueter feiert sein 40. Dienstjahr bei der Condor Communications.Eigentlich wollte er Automechaniker werden. Aber in einer Familie, in der bis heute ausnahmslos alle Mitglieder aus der Nachkommenschaft von Anne-Marie Blanc und Heinrich Fueter in der Medienbranche arbeiten, war das ein schwieriges Unterfangen. Das Zürcher Schauspielhaus lockte schon den Buben mit einem ersten Auftritt als Walterli in Schillers «Tell». Später wurde der Autotraum von einer Rolle als Jöggi im Spielfilm «S Vreneli vom Eggisberg» verdrängt. Zum Glück gab es bei dieser Produktion aber wochenlang schlechtes Wetter, sodass Martin doch noch von der Schauspielerei weg zu einem wenigstens halbwegs technischen Beruf fand. Während das Filmteam in den Bergen tagelang auf Sonne wartete, brachte dem damaligen Mittelschüler eine junge Standfotografin das Entwickeln von Fotos bei. Im Badezimmer des Hotels hätten sie stundenlang zusammen «bädelet». Zurück im Condor-Haus richtete sich Fueter gleich ein richtiges Labor ein. Die Berufung war gefunden. Aus dem Fotografen wurde ein Kameramann – auf autodidaktischem Weg. Schliesslich führte ihn die Laufbahn zum Assistenten, Cutter, Regisseur und final zum Produzenten. Heute blickt er auf sein Mitwirken bei mehr als 3000 Filmen zurück.
Seine ersten professionellen Arbeiten waren Reportagen, die Martin Fueter noch während der Gymnasialzeit jeweils am Wochenende drehte. Etwa einen Klatschfilm über Jackie Kennedy mit ihren Kindern beim Skifahren. Hier stahl der junge Reporter allen anderen Paparazzi in St.Moritz die Show, weil er auf seinen Skiern rückwärtige Spitzen montiert hatte und damit immer noch besser als die Präsidentengattin zu fahren wusste. «Das habe ich bei Art Furrer gelernt», erinnert sich Fueter – und man ahnt, dass er noch stundenlang in Anekdoten schwelgen könnte.
Mehr als eine Fussnote der Filmgeschichte wurde aus seiner Idee, 1965 bei Condor eine eigene Commercials-Abteilung einzurichten. Als das Fernsehen nach Einführung von Werbung immer mehr Spots benötigte, hatte Martin Fueter «die Lücke erkannt». Für seinen Vater war das zwar «als Reklame» verschrien. Der Patron betreute lieber die Abteilung «wissenschaftliche Filme» sowie Auftragsfilme, die damals als Vorfilme im Kino gezeigt wurden. Weil Vater Fueter einige Werber als «unkultivierte Pinsel» betrachtete, wollte er sich umgekehrt aber auch nicht gross ins neue Geschäft seines Sohnes einmischen. «Dadurch durfte ich sehr selbstständig arbeiten, und es war wunderbar», erinnert sich Martin Fueter.
Sein Bruder Peter Christian habe es schwerer gehabt. PC, wie er genannt wird, schlug zuerst eine Laufbahn beim Theater ein und kehrte auf Drängen des Familienrats in die Abteilung seines Vaters zurück – weil dieser nach einem Herzinfarkt kürzer treten musste. Später baute PC die Abteilung TV-Produktionen massiv aus. Gemeinsam sind die beiden Brüder noch immer stolz darauf, dass sie mit Xavier Kollers «Reise der Hoffnung» für Condor 1991 einen Oscar gewannen.
Unter seinen zahlreichen Arbeiten für die Werbung ragt Martin Fueters Unesco-Spot «Mädchen» heraus, für den er in Cannes einen Löwen erobert hatte. Gerne erinnert er sich auch an den Sinalco-Spot mit dem spritzenden Glas. «Als verkappter Automech liebe ich eben die technischen Dimensionen des Filmens nach wie vor», meint er.
Freuen tut er sich auch an seinen Verdiensten für den Aufbau des Young Directors Award beim europäischen Werbespotverband, in dem er die Schweiz vertritt. Anregend war für ihn daneben ein Engagement als Verwaltungsrat für das Zürcher Theater Neumarkt. Nicolas Baerlocher von der Präsidialabteilung der Stadt Zürich und Ex-Condor-Mann hatte ihn damals vorgeschlagen, weil man sich viel von seinem Talent zum «Organisieren von Geld» versprochen hatte. Fueter gab sich zehn Jahre Zeit für die Bühne, «und es hat sich gelohnt». Als Werber müsse man eben die verschiedensten Anregungen aus
der Kultur «aufsaugen wie ein Schwamm».
Am meisten freut Fueter heute seine Familie. Sohn Michael ist ein gefragter Regisseur. Der zweitgeborene Oliver war Redaktor bei Radio 24 und sitzt heute bei Radio DRS vor dem Mikrofon. Tochter Corinna war Sonderpädagogin für Behinderte. Nach einem Burn-out hat auch sie jetzt ins Medienbusiness gewechselt und arbeitet als Produktionsassistentin bei «Lüthi & Blanc». Vorher war sie die Einzige des Fueter-Clans gewesen, die nicht in der Medienbranche arbeiten wollte. «Jetzt ist auch diese Bastion gefallen», resümiert Fueter, der nun mit fundiertem Rückhalt seine Nachfolge regeln will. «Ab dem
1. Januar 2005 arbeite ich nur noch 50 Prozent», verspricht er. Den Rest seiner Zeit will er «beim Mechen» in seinem Ferienhaus im Burgund verbringen.
Andreas Panzeri

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