Mehr Verkehr ist sehr erwünscht
Museum Das Verkehrshaus der Schweiz will sich mit einer Kampagne von Soldini Bienenfeld in Erinnerung rufen und die Besucherzahlen steigern.
Museum Das Verkehrshaus der Schweiz will sich mit einer Kampagne von Soldini Bienenfeld in Erinnerung rufen und die Besucherzahlen steigern.Alle kennen es, aber den wenigsten kommt in den Sinn, es wieder einmal zu besuchen: das Verkehrshaus der Schweiz (VHS) in Luzern. Dieses ernüchternde Fazit aus Besucherbefragungen ist aber nur ein Grund für die seit Jahren weniger werdenden Eintritte. «Sowohl die Zahl der Museen wie auch die Angebote im Freizeitmarkt sind gestiegen», erklärt Beat Heuberger, Marketingleiter des VHS, das Problem. Mit rund 720000 Besuchern im vergangenen Jahr blieb das Verkehrshaus trotz eines Rückgangs um gut 14 Prozent das am meisten besuchte Museum der Schweiz. Die starke Abnahme ist einerseits auf den Jahrhundertsommer zurückzuführen, andererseits verbuchte das VHS im Expo-Jahr 2002 Rekordwerte. Zürcher siegten gegen Luzerner
Beat Heuberger ist überzeugt, dass der Besucherschwund gebrochen werden kann. Indiz dafür seien die Auswertungen des ersten Quartals 2004, die «sehr positive Vorzeichen aufweisen». Eine langfristige Trendwende will man beim VHS durch das innovative Produkt selbst und mit Marketingmassnahmen voran- treiben. Letztere sollen von einer Markenkampagne überdacht werden, deren Budget die Verantwortlichen letztes Jahr ausgeschrieben haben. Gegen Konkurrenz aus der Leuchtenstadt durchgesetzt hat sich das Konzept der Zürcher Agentur Soldini Bienenfeld.
Das neue Claim «Verkehrshaus der Schweiz. Offen für Entdecker» soll Herr und Frau Schweizer in Erinnerung rufen, dass sie im VHS Antworten auf Fragen rund um Verkehr, Mobilität und Kommunikation finden. Diese Fragen hat das Kreativduo Frank Bienenfeld und Mark Soldini als Basis für die sieben Plakat-Sujets und vier TV-Spots verwendet. Während die Umsetzung im Print eher Corporate-lastig daherkommt, appellieren die Filme an die Lachmuskeln: Menschen von der Strasse sollen ein Phänomen aus der Technik erklären. Einfache Fragen wie «Was ist der Unterschied zwischen analog und digital?» bringen die anfänglich selbstbewussten Befragten rasch ins Stocken. Im Print verzichten die Kreativen auf eine wiederholte Abbildung der Personen. Stattdessen illustrieren sie die Fragen mit alltäglichen Gegenständen als Eyecatcher.
Neue Sponsoren, neue Power In der Geschichte des VHS ist eine derartige Dachkampagne einzigartig. Während bis anhin – finanziell bedingt – nur projektbezogen geworben wurde, ermöglichen die neuen Sponsoringpartner SBB, Swisscom, APG und SRG nebst der Produktion auch die Distribution der Massnahmen. Eine ähnliche Kampagne wäre vor Abschluss der Verträge Ende letzten Jahres bloss ein Tropfen auf den heissen Stein gewesen, wie Heuberger erklärt.
Auch kam das Verkehrshaus bis Anfang der Neunzigerjahre ohne Beiträge der öffentlichen Hand aus. Die verschlechterte Wirtschaftslage, der Rückgang des Tourismus in der Schweiz sowie das wachsende Freizeitangebot setzten dem VHS aber arg zu. Seit 1993 leisten Kanton und Stadt Luzern sowie der Bund Subventionsbeiträge an den Museumsbetrieb. Mit jährlich rund zwei Millionen Franken entsprechen diese allerdings nur gerade zehn Prozent des Jahresertrages. Den Rest erwirtschaftet das VHS nach wie vor selbst. Eine 2003 an den Ständerat überwiesene Motion sieht vor, dass der Bundesrat das VHS in das Konzept der Musée-Suisse-Gruppe einbezieht. Dem VHS soll die Sammlung und Vermittlung des kulturellen Erbes aus den Bereichen Mobilität/Verkehr und Kommunikation übertragen und dieser Auftrag im Entwurf des Bundesgesetzes über eine Stiftung für das Schweizerische Landesmuseum verankert werden. Bis eine entsprechende Regelung vorliegt, wird allerdings noch viel Wasser die Reuss hinunterfliessen.
Verkehrshaus der Schweiz Im Zusammenhang mit der Landesausstellung 1939 in Zürich entstand die Idee, ein Verkehrsmuseum zu schaffen. 1942 wurde in Zürich der Verein Verkehrshaus der Schweiz gegründet – heute noch Träger und Betreiber des VHS. Die Museumsprojekte konnten aber weder in der Stadt Zürich noch in der näheren Umgebung verwirklicht werden.
1950 stellte die Stadt Luzern dem Verein das heutige Grundstück unentgeltlich zur Verfügung. Neun Jahre später öffnete das VHS seine Pforten. Der Bau der Anlage wurde zu rund 80 Prozent aus Bundesmitteln finanziert. In den folgenden Jahren erwei-terte das VHS sein Angebot um
verschiedene Hallen und Attraktionen. Heute umfasst das Verkehrshaus den Museumsteil sowie den kommerziell betriebenen Bereich, zu dem das Imax-Filmtheater, der Standballon Highflyer, der Museumsshop und die Gastrobetriebe zählen. (sk)
«Offen für Entdecker»: Das Verkehrshaus beantwortet Alltagsfragen.
Antwort auf Alltagsfragen: So will das Verkehrshaus wieder mehr Publikum anlocken. >> Seite 8
Simone Keller
Beat Heuberger ist überzeugt, dass der Besucherschwund gebrochen werden kann. Indiz dafür seien die Auswertungen des ersten Quartals 2004, die «sehr positive Vorzeichen aufweisen». Eine langfristige Trendwende will man beim VHS durch das innovative Produkt selbst und mit Marketingmassnahmen voran- treiben. Letztere sollen von einer Markenkampagne überdacht werden, deren Budget die Verantwortlichen letztes Jahr ausgeschrieben haben. Gegen Konkurrenz aus der Leuchtenstadt durchgesetzt hat sich das Konzept der Zürcher Agentur Soldini Bienenfeld.
Das neue Claim «Verkehrshaus der Schweiz. Offen für Entdecker» soll Herr und Frau Schweizer in Erinnerung rufen, dass sie im VHS Antworten auf Fragen rund um Verkehr, Mobilität und Kommunikation finden. Diese Fragen hat das Kreativduo Frank Bienenfeld und Mark Soldini als Basis für die sieben Plakat-Sujets und vier TV-Spots verwendet. Während die Umsetzung im Print eher Corporate-lastig daherkommt, appellieren die Filme an die Lachmuskeln: Menschen von der Strasse sollen ein Phänomen aus der Technik erklären. Einfache Fragen wie «Was ist der Unterschied zwischen analog und digital?» bringen die anfänglich selbstbewussten Befragten rasch ins Stocken. Im Print verzichten die Kreativen auf eine wiederholte Abbildung der Personen. Stattdessen illustrieren sie die Fragen mit alltäglichen Gegenständen als Eyecatcher.
Neue Sponsoren, neue Power In der Geschichte des VHS ist eine derartige Dachkampagne einzigartig. Während bis anhin – finanziell bedingt – nur projektbezogen geworben wurde, ermöglichen die neuen Sponsoringpartner SBB, Swisscom, APG und SRG nebst der Produktion auch die Distribution der Massnahmen. Eine ähnliche Kampagne wäre vor Abschluss der Verträge Ende letzten Jahres bloss ein Tropfen auf den heissen Stein gewesen, wie Heuberger erklärt.
Auch kam das Verkehrshaus bis Anfang der Neunzigerjahre ohne Beiträge der öffentlichen Hand aus. Die verschlechterte Wirtschaftslage, der Rückgang des Tourismus in der Schweiz sowie das wachsende Freizeitangebot setzten dem VHS aber arg zu. Seit 1993 leisten Kanton und Stadt Luzern sowie der Bund Subventionsbeiträge an den Museumsbetrieb. Mit jährlich rund zwei Millionen Franken entsprechen diese allerdings nur gerade zehn Prozent des Jahresertrages. Den Rest erwirtschaftet das VHS nach wie vor selbst. Eine 2003 an den Ständerat überwiesene Motion sieht vor, dass der Bundesrat das VHS in das Konzept der Musée-Suisse-Gruppe einbezieht. Dem VHS soll die Sammlung und Vermittlung des kulturellen Erbes aus den Bereichen Mobilität/Verkehr und Kommunikation übertragen und dieser Auftrag im Entwurf des Bundesgesetzes über eine Stiftung für das Schweizerische Landesmuseum verankert werden. Bis eine entsprechende Regelung vorliegt, wird allerdings noch viel Wasser die Reuss hinunterfliessen.
Verkehrshaus der Schweiz Im Zusammenhang mit der Landesausstellung 1939 in Zürich entstand die Idee, ein Verkehrsmuseum zu schaffen. 1942 wurde in Zürich der Verein Verkehrshaus der Schweiz gegründet – heute noch Träger und Betreiber des VHS. Die Museumsprojekte konnten aber weder in der Stadt Zürich noch in der näheren Umgebung verwirklicht werden.
1950 stellte die Stadt Luzern dem Verein das heutige Grundstück unentgeltlich zur Verfügung. Neun Jahre später öffnete das VHS seine Pforten. Der Bau der Anlage wurde zu rund 80 Prozent aus Bundesmitteln finanziert. In den folgenden Jahren erwei-terte das VHS sein Angebot um
verschiedene Hallen und Attraktionen. Heute umfasst das Verkehrshaus den Museumsteil sowie den kommerziell betriebenen Bereich, zu dem das Imax-Filmtheater, der Standballon Highflyer, der Museumsshop und die Gastrobetriebe zählen. (sk)
«Offen für Entdecker»: Das Verkehrshaus beantwortet Alltagsfragen.
Antwort auf Alltagsfragen: So will das Verkehrshaus wieder mehr Publikum anlocken. >> Seite 8
Simone Keller
