Mauerblümchen ade
TVtäglich lehrt Programmpresse das Fürchten
TVtäglich lehrt Programmpresse das FürchtenVon Daniel Schifferle Die TV-Presse bekommt den fester sitzenden Geldbeutel deutlich zu spüren. Aber auch den Zeitschriften rund um das Auto scheint die neue Sparlust im Publikum schlecht zu bekommen.
Die Schmalkost bei der TV-Programmlektüre scheint derzeit vielen Leserinnen und Lesern zu genügen. Nur so lässt sich das unerwartete Durchstarten der Programmbeilage TVtäglich erklären. Allerdings dürfen die 216000 zusätzlichen Lesenden (+23%) nicht zum Vollwert genommen werden, denn ein wesentlicher Teil der eklatanten Steigerung muss als Effekt einer abgeänderten Befragung abgebucht werden (siehe Kasten).
Auch nach Abzug eines grosszügigen Malus bleibt für das Gratisheft ein beträchtlicher Lesergewinn. Dies sieht man den Kauftiteln unter den Programmheften auch an. Ausnahmslos alle TV-Titel waren in der Deutschschweiz im Krebsgang. Am stärksten betroffen war Tele, das 37000 Lesende (–5,2%) eingebüsst
hat, gefolgt von TV-Spielfilm
mit 33000 weniger Lesenden (–10,1%) und TR7, das um 21000 Lesende (–5,2%) ärmer ist als im Vorjahr. In welchem Umfang Rüdiger Hahns TV 4 für die wegbröckelnden Leserschaften mitverantwortlich war, muss noch offen bleiben. Der vierwöchige Programmtitel, dem bald ein zweiwöchiger nachfolgen soll, nimmt weder an Leserschaftsstudien noch an Auflagenbeglaubigungen teil.
Autozeitschriften erleben schwierige Zeiten
Neben den Kauftiteln bei der TV-Presse ist eine weitere ganze Titelgruppe in Schieflage geraten: Die Autopresse der Deutschschweiz war durchwegs im Rückwärtsgang. Dabei sind die Verluste für alle gleichermassen hoch: Auto Motor und Sport verlor 26000 Lesende (–11,4%), die Auto Illustrierte büsste 25000 Lesende (–11,7%) ein, und die Automobil Revue rutschte um 21000 Lesende (–8,7%) ab. Es scheint, dass die Lesenden im Moment weniger Geld für hedonistische Beschäftigungen ausgeben und deshalb auch auf die entsprechende Lektüre verzichten. So liesse sich auch der Taucher um 17000 Lesende (–11,0%) bei der Einrichtungszeitschrift Ideales Heim erklären.
Ein ernsthaftes Problem hat ebenfalls Du, das mit einem Verlust von 13 000 Lesenden (–9,4%) erneut einen markanten Teil seiner Leserschaft verloren hat. Der noch nicht bestimmte Nachfolger von Chefredaktor Marco Meierwird noch viele gute Ideen umsetzen müssen, soll die Zeitschrift dereinst wieder auf Kurs kommen, das machen die unbefriedigenden Zahlen offensichtlich.
K-Tipp «gestürzt» – Beobachter wieder Spitze
Als hausgemacht erscheint der Sturz des K-Tipp. Nach Jahren Reichweitenleader unter den Deutschschweizer Zeitschriften musste er den Spitzenplatz jetzt wieder an den Beobachter abtreten. Ursächlich dafür ist ein Verlust von nicht weniger als 93000 Lesenden (–8,4%) – keine andere Zeitschrift oder Zeitung hat in der diesjährigen Mach Basic auch nur annähernd so viel Lesende verloren. Dabei handelt es sich um einen klaren Fall von Kannibalisierung, denn die Konkurrenz, die am K-Tipp nagt, das Schwestermagazin Saldo, kommt ebenfalls aus dem Hause KI Konsumenteninfo AG. Allerdings bleibt offen, wie viele zusätzliche Leser Saldo holte, denn das werbefreie Magazin macht bei der Leserschaftsstudie nicht mit. Ein Trost bleibt für den K-Tipp aber so oder so: Bon à Savoir, sein Westschweizer Pendant, konnte total 29000 Lesende (+10,6%) hinzugewinnen.
Für Ringier brachte der Westschweizer Markt nur Erfreuliches. Neben dem Sonntagstitel Dimanche.ch segelte auch das Frauenmagazin Edelweiss mit 11000 zusätzlichen Leserinnen (+18,6%) komfortabel im Aufwind. Darüber hinaus bleiben aber nur noch gerade zwei weitere Zeitschriften, die auch mit signifikanten Zugewinnen aufwarten können. Auch sie gehören Ringier: GesundheitSprechstunde und Glückspost. Für den Titel zur gleichnamigen TV-Sendung liessen sich 39000 neue Leser (+7,9%) begeistern. Genugtuung verschafft aber vor allem das Resultat der Glückspost, die in den Vorjahren markant Leserschaft verloren und dringend eine Trendwende nötig hatte. Mit den neu hinzugewonnenen 22000 Leserinnen (+5,1%) ist diese zumindest vorläufig gelungen.
Als kleiner Schönheitsfehler entpuppt sich das negative Resultat der Schweizer Familie, die laut Mach Basic 2002 zwar 22000 Lesende (–3,7%) verloren hat. Doch dieser Abrutscher ist mit den Abonnenten, die vom eingestellten Meyers übernommen werden konnten, inzwischen mehr als ausgebügelt. Insgesamt habe die Schweizer Familie 35000 Abos geerbt, sagt Verlagsleiter Roland Wahrenberger. Er schätzt, dass diese Zahl rund 100000 zusätzlichen Lesenden entspricht.
Unbeantwortet bleibt die Frage, wie sich die neueste Zeitschrift in der Deutschschweiz, die Weltwoche, bisher entwickelt hat. Zwar existieren in der aktuellen Mach Basic Werte der Zeitung, die in etwa im Bereich des Vorjahres liegen. Doch diese interessieren heute niemanden mehr. Mit Spannung wird jetzt erwartet, ob das Magazinformat tatsächlich zusätzliche Lesende generiert, wie vermutet wird. Für den November hat die neue Weltwoche erste Leserzahlen angekündigt.
TVtäglich-Zuwachs ist zu optimistischDie Befragung für den Titel TVtäglich wurde für die aktuelle Mach Basic erweitert. Und zwar so: Im Sinne einer Erinnerungshilfe wurden bei der Abfrage dieses Mal zusätzliche Trägertitel genannt, denen TVtäglich beiliegt, mittlerweile sind es deren zehn. Diese erweiterte Erinnerungsstütze führte auch zu zusätzlichen Nennungen – ein bekannter Mechanismus, den im Fall von TVtäglich auch niemand bestreitet. Wie gross die durch die Änderung der Befragung herbeigeführte Verfälschung des Resultates ist, lässt sich allerdings nicht quantifizieren. (dse)
Die Schmalkost bei der TV-Programmlektüre scheint derzeit vielen Leserinnen und Lesern zu genügen. Nur so lässt sich das unerwartete Durchstarten der Programmbeilage TVtäglich erklären. Allerdings dürfen die 216000 zusätzlichen Lesenden (+23%) nicht zum Vollwert genommen werden, denn ein wesentlicher Teil der eklatanten Steigerung muss als Effekt einer abgeänderten Befragung abgebucht werden (siehe Kasten).
Auch nach Abzug eines grosszügigen Malus bleibt für das Gratisheft ein beträchtlicher Lesergewinn. Dies sieht man den Kauftiteln unter den Programmheften auch an. Ausnahmslos alle TV-Titel waren in der Deutschschweiz im Krebsgang. Am stärksten betroffen war Tele, das 37000 Lesende (–5,2%) eingebüsst
hat, gefolgt von TV-Spielfilm
mit 33000 weniger Lesenden (–10,1%) und TR7, das um 21000 Lesende (–5,2%) ärmer ist als im Vorjahr. In welchem Umfang Rüdiger Hahns TV 4 für die wegbröckelnden Leserschaften mitverantwortlich war, muss noch offen bleiben. Der vierwöchige Programmtitel, dem bald ein zweiwöchiger nachfolgen soll, nimmt weder an Leserschaftsstudien noch an Auflagenbeglaubigungen teil.
Autozeitschriften erleben schwierige Zeiten
Neben den Kauftiteln bei der TV-Presse ist eine weitere ganze Titelgruppe in Schieflage geraten: Die Autopresse der Deutschschweiz war durchwegs im Rückwärtsgang. Dabei sind die Verluste für alle gleichermassen hoch: Auto Motor und Sport verlor 26000 Lesende (–11,4%), die Auto Illustrierte büsste 25000 Lesende (–11,7%) ein, und die Automobil Revue rutschte um 21000 Lesende (–8,7%) ab. Es scheint, dass die Lesenden im Moment weniger Geld für hedonistische Beschäftigungen ausgeben und deshalb auch auf die entsprechende Lektüre verzichten. So liesse sich auch der Taucher um 17000 Lesende (–11,0%) bei der Einrichtungszeitschrift Ideales Heim erklären.
Ein ernsthaftes Problem hat ebenfalls Du, das mit einem Verlust von 13 000 Lesenden (–9,4%) erneut einen markanten Teil seiner Leserschaft verloren hat. Der noch nicht bestimmte Nachfolger von Chefredaktor Marco Meierwird noch viele gute Ideen umsetzen müssen, soll die Zeitschrift dereinst wieder auf Kurs kommen, das machen die unbefriedigenden Zahlen offensichtlich.
K-Tipp «gestürzt» – Beobachter wieder Spitze
Als hausgemacht erscheint der Sturz des K-Tipp. Nach Jahren Reichweitenleader unter den Deutschschweizer Zeitschriften musste er den Spitzenplatz jetzt wieder an den Beobachter abtreten. Ursächlich dafür ist ein Verlust von nicht weniger als 93000 Lesenden (–8,4%) – keine andere Zeitschrift oder Zeitung hat in der diesjährigen Mach Basic auch nur annähernd so viel Lesende verloren. Dabei handelt es sich um einen klaren Fall von Kannibalisierung, denn die Konkurrenz, die am K-Tipp nagt, das Schwestermagazin Saldo, kommt ebenfalls aus dem Hause KI Konsumenteninfo AG. Allerdings bleibt offen, wie viele zusätzliche Leser Saldo holte, denn das werbefreie Magazin macht bei der Leserschaftsstudie nicht mit. Ein Trost bleibt für den K-Tipp aber so oder so: Bon à Savoir, sein Westschweizer Pendant, konnte total 29000 Lesende (+10,6%) hinzugewinnen.
Für Ringier brachte der Westschweizer Markt nur Erfreuliches. Neben dem Sonntagstitel Dimanche.ch segelte auch das Frauenmagazin Edelweiss mit 11000 zusätzlichen Leserinnen (+18,6%) komfortabel im Aufwind. Darüber hinaus bleiben aber nur noch gerade zwei weitere Zeitschriften, die auch mit signifikanten Zugewinnen aufwarten können. Auch sie gehören Ringier: GesundheitSprechstunde und Glückspost. Für den Titel zur gleichnamigen TV-Sendung liessen sich 39000 neue Leser (+7,9%) begeistern. Genugtuung verschafft aber vor allem das Resultat der Glückspost, die in den Vorjahren markant Leserschaft verloren und dringend eine Trendwende nötig hatte. Mit den neu hinzugewonnenen 22000 Leserinnen (+5,1%) ist diese zumindest vorläufig gelungen.
Als kleiner Schönheitsfehler entpuppt sich das negative Resultat der Schweizer Familie, die laut Mach Basic 2002 zwar 22000 Lesende (–3,7%) verloren hat. Doch dieser Abrutscher ist mit den Abonnenten, die vom eingestellten Meyers übernommen werden konnten, inzwischen mehr als ausgebügelt. Insgesamt habe die Schweizer Familie 35000 Abos geerbt, sagt Verlagsleiter Roland Wahrenberger. Er schätzt, dass diese Zahl rund 100000 zusätzlichen Lesenden entspricht.
Unbeantwortet bleibt die Frage, wie sich die neueste Zeitschrift in der Deutschschweiz, die Weltwoche, bisher entwickelt hat. Zwar existieren in der aktuellen Mach Basic Werte der Zeitung, die in etwa im Bereich des Vorjahres liegen. Doch diese interessieren heute niemanden mehr. Mit Spannung wird jetzt erwartet, ob das Magazinformat tatsächlich zusätzliche Lesende generiert, wie vermutet wird. Für den November hat die neue Weltwoche erste Leserzahlen angekündigt.
TVtäglich-Zuwachs ist zu optimistischDie Befragung für den Titel TVtäglich wurde für die aktuelle Mach Basic erweitert. Und zwar so: Im Sinne einer Erinnerungshilfe wurden bei der Abfrage dieses Mal zusätzliche Trägertitel genannt, denen TVtäglich beiliegt, mittlerweile sind es deren zehn. Diese erweiterte Erinnerungsstütze führte auch zu zusätzlichen Nennungen – ein bekannter Mechanismus, den im Fall von TVtäglich auch niemand bestreitet. Wie gross die durch die Änderung der Befragung herbeigeführte Verfälschung des Resultates ist, lässt sich allerdings nicht quantifizieren. (dse)
