Lokal-TV gewinnt weiter an Boden

SRG-Forschungsdienst bescheinigt auch Privatradios Zuwachs der Reichweiten

SRG-Forschungsdienst bescheinigt auch Privatradios Zuwachs der ReichweitenVon Daniel Schifferle Das private Regionalfernsehen ist in der Schweiz weiter im Vormarsch. Dies zeigen die neuesten Zuschauerzahlen, die der SRG-Forschungsdienst am vergangenen Freitag präsentierte. Nach dem Scheitern von Tele 24 und TV 3 ist das zur Abwechslung mal eine gute Nachricht.
Die Sender des TeleNewsCombi (TNC) – Tele Züri, Tele Bärn, Tele Basel, Tele M1, Tele Tell, Tele Top, Tele Ostschweiz und Tele Südostschweiz – erzielten im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Tagesreichweite von 21,6% oder wurden von rund 1,1 Millionen Zuschauern gesehen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um immerhin 130000 Personen oder mehr als 13%. Ein schöner Zuwachs. Die durchschnittliche Sehdauer betrug 14,5 Minuten pro Tag.
Das gewachsene Interesse an den Lokalfernsehsendern spiegelt sich ebenfalls in einem gestiegenen Marktanteil. Insgesamt verbesserten sich die acht TNC-Sender um 0,3 auf 2,3 Prozentpunkte.
Tele Züri hat Reichweite nach Tele-24-Sendeschluss gehalten
Die Stärke und die Entwicklung der einzelnen Stationen präsentieren sich jedoch von Region zu Region höchst unterschiedlich. Bei Tele Züri krebste der Marktanteil im ganzen Jahr 2001 auf 4,7% zurück (2000: 5,1%), womit der Sender rund 31% der Zürcher Bevölkerung erreichte. Interessanter sind allerdings die Zahlen nach der Einstellung von Tele 24 und dem Abgang von Roger Schawinski. Entgegen verbreiteter Befürchtungen gingen die Zuschauerzahlen in den ersten Monaten nach dem Aus nicht runter.
Erfreulich sieht es ebenfalls für Tele Tell aus, das seine Zuschauerleistung von Jahr zu Jahr kontinuierlich steigern konnte. Im 2001 legte der Zentralschweizer Sender nochmals um 4000 Personen zu und erreichte damit 84000 Personen oder 16% der Bevölkerung im Konzessionsgebiet ab dem Alter von drei Jahren. Auf genau den gleichen Wert kam Tele Basel, das aber bei der Reichweite mit 18% die Nase vorn hat. Leicht rückläufig waren hingegen die Zuschauerzahlen bei Tele M1, das auf 18% Reichweite zurückbuchstabierte (2000: 19%). Allerdings konnte Tele M1 den Marktanteil, der sich aus Zuschauerzahl und durchschnittlicher Sehdauer zusammensetzt, bei 1% halten. Das heisst, es schalteten zwar etwas weniger Leute den Sender ein, diese blieben aber länger dran.
Westschweizer und Tessiner Lokalsender weniger genutzt
Steigerungen verzeichnet ebenfalls Tele Top, das seine Reichweite um 12000 Personen auf 63000 ausbaute. Dessen Konkurrent Tele Ostschweiz konnte zwar ebenfalls um 6000 Zuschauer zulegen, bleibt aber mit 53000 täglichen Zuschauern deutlich hinter Top zurück.
Weitaus geringere Publikumszahlen erzielen die Westschweizer Lokal-TVs. Léman bleu kam auf eine Tagesreichweite von 5,7% oder 26000 Personen, was gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 2000 Zuschauer bedeutet. TV Région Lausanne (TVRL) stagnierte bei einer Reichweite von 7,2% oder 21000 täglichen Zuschauern. Auch die durchschnittliche Sehdauer pro Tag lag in der Romandie mit 5,5 Minuten hinter den Vergleichszahlen aus der Deutschschweiz zurück.
Deutlich besser präsentiert sich das noch junge Tessiner Lokalfernsehen Tele Ticino. Es konnte seine Reichweite im vergangenen Jahr um 9000 auf 57000 Zuschauer ausbauen. Dies entspricht immerhin 18% der Bevölkerung – ein Wert, der nur gut 3% hinter dem Durchschnitt der TNC-Partner zurückliegt. Auch mit seiner durchschnittlichen Sehdauer von rund 10 Minuten lässt Tele Ticino die Westschweizer mit grossem Abstand hinter sich, hat aber im Vergleich mit den TNC-Sendern (14,5 Minuten) noch Aufholpotenzial.
Dank neuer Messmethode im Vormarsch

Auf Grund der neuen Messmethode mit Radiocontrol ist der Abstand zwischen den privaten Radiosendern und den von der SRG betriebenen Radiostationen im vergangenen Jahr zusammengeschmolzen. Die Deutschschweizer Privatradios kommen auf eine Nettoreichweite von 57,6%, alle DRS-Programme zusammen auf 62,8%. Gegenüber der früheren SRG-Medienstudie, deren Werte allerdings nicht mit Radiocontrol vergleichbar sind, sei die Distanz um rund die Hälfte kleiner geworden, streicht Martin Muerner, Vizepräsident des Verbandes Schweizer Privatradios, hervor.
Ebenfalls keine Vergleiche mit dem Vorjahr erlaubt das Ranking der Privatradios. Deshalb ist in der Grafik dieses Mal ausnahmsweise nur das aktuelle Jahr 2001 ausgewiesen.

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