Leidenschaft Papier
Jubiläum Die deutsche Büttenpapierfabrik Gmund feiert ihr 175-jähriges Bestehen.
Jubiläum Die deutsche Büttenpapierfabrik Gmund feiert ihr 175-jähriges Bestehen. Im verschneiten Gmund am Tegernsee, rund eine halbe Stunde südlich von München und nur wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, feierte die Büttenpapierfabrik Gmund (Gmund) Ende Januar ihr 175-jähriges Firmenjubiläum. Eigentlich etwas mit Verspätung, denn genau genommen hätte das Firmenjubiläum 2004 stattfinden müssen: Die Büttenpapierfabrik Gmund – die älteste noch produzierende Papierfabrik Europas – wurde bereits 1829 durch Johann Nepomuk Haas gegründet. Doch verschiedene Verpflichtungen hätten dies unmöglich gemacht, erklärte Florian Kohler, Geschäftsführer von Gmund, den über 200 Gästen u. a. aus dem Papierhandel und der Werbebranche am Gmund Congress im Barocksaal des Tegernseer Schlosses. Klein und feinSeit 100 Jahren gehört der Papierproduzent Gmund der Familie Kohler. Als der im vergangenen Jahr verstorbene Ludwig Maximilian Kohler nach dem Krieg die Fabrik übernahm, entschloss er sich, dass das Unternehmen klein und eigenständig bleiben sollte. Diese Strategie zahlt sich bis heute aus. So beschäftigt das Unternehmen «nur» 100 Mitarbeitende – «nur» rund 5000 Tonnen Feinstpapiere verlassen das Werk pro Jahr. Trotzdem hat sich Gmund längst zum global tätigen Unternehmen entwickelt. Von 3 Prozent Exportanteil vor 55 Jahren werden heute über 70 Prozent der hergestellten Papiere in mehr als 70 Länder verkauft – vor allem nach Westeuropa, Asien und Amerika. Produziert wird direkt am aus dem Tegernsee tretenden Fluss Mangfall mit zwei Papiermaschinen: einer alten Maschine, die 1883 installiert wurde, und einer neueren aus dem Jahr 1978.
Haptik und OptikFlorian Kohler ist seit 2004 für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich. Er glaubt, dass hochwertige Papiere nicht verschwinden werden, dass sie in der Lage sind, Emotionen und Werte zu transportieren. Das Internet hingegen halte meist «nur» Informationen bereit.
Oft frage man ihn, wie die vielen neuen Papiere entwickelt würden. Kohler erklärt, dass man dazu sehr analytisch vorgehe. Man beschäftige sich der Reihe nach mit Haptik («Papier muss sich gut anfühlen.»), Optik («Papier muss gut ausschauen.»), Sound/Klang («Dieser Parameter hat viel mit Papier zu tun, da Papier einen Sound hat, den Nutzer schätzen.»), Geruch («Wir können/wollen nicht zu viel Geruch ins Papier packen.») und Geschmack («Derzeit ist dieser Parameter noch kein wichtiges Prüfkriterium.»).
Papierdesign und MarketingErfolgsfaktoren des Unternehmens sind neben handwerklichem Können und edlen Rohstoffen die Kreativität und das innovative Papierdesign auf der einen sowie Marketing auf der anderen Seite. Die Kombination daraus ist das Erfolgsrezept. Florian Kohler macht es an der Jubiläumsfeier gleich vor: «Wenn sich Papier wie Leder anfühlt, dann muss es von Gmund sein.» Er erzählt, wie die Haptik beim Papier Alezan wieder und wieder verbessert werden konnte, bis es den eigenen Anforderungen entsprochen hat. Herausgekommen ist ein Papier, das sich tatsächlich wie Leder anfühlt und sogar wie Leder geprägt wird.
Oder die neu aufgelegte Kollektion Gmund Kaschmir: Diesen Klassiker hat der Papierproduzent überarbeitet. Das Farbsortiment wurde um tiefe, intensive Farbtöne ergänzt. Das in sattem Dunkelblau (Deep Blue) und dunklem Rot (True Red) sowie in Weiss (White) erhältliche Papier Kaschmir Cloth aus dieser Kollektion verfügt über eine samtige Oberfläche, die Gmund mit einem Spezialverfahren erreicht. Kohler lässt die Gäste die Papiere fühlen und stellt mit einem auf Kaschmir True Red für Bulgari gedruckten Muster gleich den Bezug zu Luxus her: «Papier wird somit zu einem wertvollen Accessoire.»
Doch der hohe Designanspruch, den man bei Gmund erhebt, erstreckt sich nicht nur auf die Papiere selbst, sondern zieht sich wie ein Faden durch das Unternehmen und die Produkte: Die aufwändigen Kollektionen sind wunderschön gestaltet, erhalten regelmässig Auszeichnungen und zählen zu den begehrtesten Kollektionen. So darf man auch in Zukunft gespannt sein, mit welchen Kreationen und Kollektionen die Papiermacher vom Tegernsee als Nächstes überraschen.
PapiermarketingGmund beherrscht die Klaviatur des Marketings perfekt – Corporate Identity durch und durch. Von der schriftlichen Begrüssung im Hotelzimmer auf einem anlässlich der 100-Jahr-Feier kreierten Original-Briefbogen, über bedruckte Getränkeetiketten auf den als Pausenverpflegung servierten Fruchtsäften bis zu den bedruckten Servietten und Bierdeckeln im Braustüberl: Das Gmund-Logo war omnipräsent. Doch vor allem «on stage» versteht man bei Gmund, Papier mit Emotionen und damit auch die Marke zu verkaufen.
Auch die vielen Papierkollektionen – vertrieben durch •Baumgartner, Sihl+Eika und Thalo Papier (Antalis) sind ideale Marketingwerkzeuge. Sie inspirieren Kreative, halten aber zudem technische Informationen für Druckereien bereit. (jf)
175 Jahre Gmund – die wichtigsten Stationen1829 Johann Nepomuk Haas kauft ein abgebranntes Werk, baut die Mühle neu auf und beginnt mit der Papierproduktion.
1860 Die Mühle brennt ab und wird ein Jahr später wieder aufgebaut.
1904 Die Fabrik wird durch die Familien Kohler, Pfannenberg und Stahl übernommen.
1921 Ludwig Alois Kohler kommt bei einem Betriebsunfall ums Leben; die Teilhaberrechte gehen an seinen Neffen Ludwig Wilhelm Kohler.
1952 Ludwig Maximilian Kohler wird in die Geschäftsleitung aufgenommen.
1984 Ludwig Wilhelm Kohler stirbt, Florian Kohler tritt in die Geschäftsleitung ein.
1991 Die erste Markenkollektion Silencium wird auf den Markt gebracht.
1994 Sohn Korbinian Kohler tritt in die Geschäftsleitung ein.
2000 Gmund gründet das Unternehmen LakePaper.
2004 Ludwig Maximilian Kohler stirbt, Florian Kohler übernimmt in vierter Generation die alleinige Geschäftsleitung.
Auszug aus dem von Gmund herausgegebenen Buch «Die Geschichte der Büttenpapierfabrik Gmund».
Die älteste noch produzierende Papiermaschine Europas leistet für Gmund immer noch gute Dienste.
Gmund stellte am Gmund Congress die erneuerte Kollektion Kaschmir vor.
Die Büttenpapierfabrik Gmund ist bis heute stark geprägt durch die Familie Kohler.
Jürgen Franck
Haptik und OptikFlorian Kohler ist seit 2004 für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich. Er glaubt, dass hochwertige Papiere nicht verschwinden werden, dass sie in der Lage sind, Emotionen und Werte zu transportieren. Das Internet hingegen halte meist «nur» Informationen bereit.
Oft frage man ihn, wie die vielen neuen Papiere entwickelt würden. Kohler erklärt, dass man dazu sehr analytisch vorgehe. Man beschäftige sich der Reihe nach mit Haptik («Papier muss sich gut anfühlen.»), Optik («Papier muss gut ausschauen.»), Sound/Klang («Dieser Parameter hat viel mit Papier zu tun, da Papier einen Sound hat, den Nutzer schätzen.»), Geruch («Wir können/wollen nicht zu viel Geruch ins Papier packen.») und Geschmack («Derzeit ist dieser Parameter noch kein wichtiges Prüfkriterium.»).
Papierdesign und MarketingErfolgsfaktoren des Unternehmens sind neben handwerklichem Können und edlen Rohstoffen die Kreativität und das innovative Papierdesign auf der einen sowie Marketing auf der anderen Seite. Die Kombination daraus ist das Erfolgsrezept. Florian Kohler macht es an der Jubiläumsfeier gleich vor: «Wenn sich Papier wie Leder anfühlt, dann muss es von Gmund sein.» Er erzählt, wie die Haptik beim Papier Alezan wieder und wieder verbessert werden konnte, bis es den eigenen Anforderungen entsprochen hat. Herausgekommen ist ein Papier, das sich tatsächlich wie Leder anfühlt und sogar wie Leder geprägt wird.
Oder die neu aufgelegte Kollektion Gmund Kaschmir: Diesen Klassiker hat der Papierproduzent überarbeitet. Das Farbsortiment wurde um tiefe, intensive Farbtöne ergänzt. Das in sattem Dunkelblau (Deep Blue) und dunklem Rot (True Red) sowie in Weiss (White) erhältliche Papier Kaschmir Cloth aus dieser Kollektion verfügt über eine samtige Oberfläche, die Gmund mit einem Spezialverfahren erreicht. Kohler lässt die Gäste die Papiere fühlen und stellt mit einem auf Kaschmir True Red für Bulgari gedruckten Muster gleich den Bezug zu Luxus her: «Papier wird somit zu einem wertvollen Accessoire.»
Doch der hohe Designanspruch, den man bei Gmund erhebt, erstreckt sich nicht nur auf die Papiere selbst, sondern zieht sich wie ein Faden durch das Unternehmen und die Produkte: Die aufwändigen Kollektionen sind wunderschön gestaltet, erhalten regelmässig Auszeichnungen und zählen zu den begehrtesten Kollektionen. So darf man auch in Zukunft gespannt sein, mit welchen Kreationen und Kollektionen die Papiermacher vom Tegernsee als Nächstes überraschen.
PapiermarketingGmund beherrscht die Klaviatur des Marketings perfekt – Corporate Identity durch und durch. Von der schriftlichen Begrüssung im Hotelzimmer auf einem anlässlich der 100-Jahr-Feier kreierten Original-Briefbogen, über bedruckte Getränkeetiketten auf den als Pausenverpflegung servierten Fruchtsäften bis zu den bedruckten Servietten und Bierdeckeln im Braustüberl: Das Gmund-Logo war omnipräsent. Doch vor allem «on stage» versteht man bei Gmund, Papier mit Emotionen und damit auch die Marke zu verkaufen.
Auch die vielen Papierkollektionen – vertrieben durch •Baumgartner, Sihl+Eika und Thalo Papier (Antalis) sind ideale Marketingwerkzeuge. Sie inspirieren Kreative, halten aber zudem technische Informationen für Druckereien bereit. (jf)
175 Jahre Gmund – die wichtigsten Stationen1829 Johann Nepomuk Haas kauft ein abgebranntes Werk, baut die Mühle neu auf und beginnt mit der Papierproduktion.
1860 Die Mühle brennt ab und wird ein Jahr später wieder aufgebaut.
1904 Die Fabrik wird durch die Familien Kohler, Pfannenberg und Stahl übernommen.
1921 Ludwig Alois Kohler kommt bei einem Betriebsunfall ums Leben; die Teilhaberrechte gehen an seinen Neffen Ludwig Wilhelm Kohler.
1952 Ludwig Maximilian Kohler wird in die Geschäftsleitung aufgenommen.
1984 Ludwig Wilhelm Kohler stirbt, Florian Kohler tritt in die Geschäftsleitung ein.
1991 Die erste Markenkollektion Silencium wird auf den Markt gebracht.
1994 Sohn Korbinian Kohler tritt in die Geschäftsleitung ein.
2000 Gmund gründet das Unternehmen LakePaper.
2004 Ludwig Maximilian Kohler stirbt, Florian Kohler übernimmt in vierter Generation die alleinige Geschäftsleitung.
Auszug aus dem von Gmund herausgegebenen Buch «Die Geschichte der Büttenpapierfabrik Gmund».
Die älteste noch produzierende Papiermaschine Europas leistet für Gmund immer noch gute Dienste.
Gmund stellte am Gmund Congress die erneuerte Kollektion Kaschmir vor.
Die Büttenpapierfabrik Gmund ist bis heute stark geprägt durch die Familie Kohler.
Jürgen Franck
