Lauter Männergeschäfte
Trotz Finanzdebakel lanciert die Waadtländer Kantonalbank eine Produktekampagne
Trotz Finanzdebakel lanciert die Waadtländer Kantonalbank eine ProduktekampagneVon Anita Vaucher Kaum ist die Waadtländer Kantonalbank aus den Schlagzeilen verschwunden, wird auch wieder der Blick frei auf ihre Werbung. Diese Form von ungewohnter Krisenkommunikation aus der Kreativküche von Pulsion, Lausanne, scheint auch dem Aktienkurs gut zu bekommen.
Bis Ende Oktober verging kaum ein Tag, an dem das Finanzdebakel der Banque Cantonale Vaudoise (BCV) nicht die Spalten der Presse füllte. Doch seit der ausserordentlichen Generalversammlung der Banquiers vom Lac Léman am 31. Oktober ist Ruhe eingekehrt – zumindest nach aussen. Auch die BCV-Aktie beginnt sich zu erholen und kletterte vom 15. Oktober bis 15. November vom Jahrestief von 86 Franken auf mittlerweile 91 Franken. Freilich: Die Aktionäre haben dafür schwer bluten müssen. Vor genau einem Jahr befand sie sich auf dem Höchstkurs von 355,32 Franken.
Danach begann die Talfahrt. Ausgelöst wurde sie durch die Feststellung der Eidgenössischen Bankenkommission, wonach Risikokredite ungenügend gedeckt worden waren. Der Staat, mit 67,89 Prozent des Aktienkapitals Mehrheitsaktionär, musste in die Bresche springen und schoss Ende Oktober nochmals 1,25 Milliarden Franken ein, nachdem bereits Rückstellungen in der Höhe von 850 und 400 Millionen Franken getätigt worden waren. An der ausserordentlichen Generalversammlung wurde Tabula rasa beschlossen, der Bankrat in die Wüste geschickt, der Verwaltungsrat (VR) massiv verkleinert – von 21 auf 7 Mitglieder – und mit neuen Fachleuten besetzt.
Nicht für den Mann von der Strasse konzipiert
Während der Verwaltungsrat in diesen Krisenmonaten reichlich Prügel von der Presse einstecken musste, platzierte die BCV Anzeigen in eben diesen Medien, um das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen. Anders lässt sich der Claim fürs Asset Management der BCV wohl kaum lesen: «Kompetenzen bündeln um Dienstleistungen zu optimieren.»
Die Kampagne von Pulsion will Menschlichkeit und Kundennähe vermitteln. Das harmonische Gruppenbild mit Männern soll dem Leser suggerieren, dass bei der BCV ein sorgfältig ausgewähltes Team uneingeschränkt für die Bankkunden da ist.
Im Gegensatz zur kürzlich erschienenen Kampagne fürs Private Banking der BCV, in der realiter existierende Anlageberater mitwirkten, handelt es sich bei den Protagonisten in der neuesten Anzeigenkampagne um Models. Wahrscheinlich hätten sich die echten Berater verständlicherweise geziert, im aktuellen Umfeld in Zeitungsinseraten ihr Konterfei zu zeigen.
Privatbanken seien zu weit weg von ihren Kunden und wenig disponibel, ebenso die Grossbanken, deshalb habe die BCV diesen Markt der Vermögensverwaltung institutioneller Anleger für sich entdeckt, meint Alain Ciocca von Pulsion. Eine Kantonalbank sei von ihrer Struktur her sehr nahe beim Kunden, ergänzt der Berater. In der Teppichetage der BCV hat man allerdings lange darüber nachgedacht, ob die Kampagne nicht verschoben werden solle, da sie möglicherweise zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv sein könnte. Schliesslich habe man sich aber doch entschieden, die Sache durchzuziehen, allein schon deshalb, weil der Anzeigenraum bereits reserviert gewesen sei, erklärt Ciocca.
Für ein unaufgeregtes Business as usual entschloss sich auch der Projekt- und Kommunikationsverantwortliche für die institutionelle Vermögensverwaltung, Mauro Salvadori. Der Öffentlichkeit solle signalisiert werden, dass die Bank auch in Krisenmomenten für ihre Kunden da sei. Die Bank wollte in dieser schwierigen Situation nicht in Low Profile machen, begründet Salvadori die Vorwärtsstrategie. Ferner komme hinzu, meint Ciocca, dass es sich bei der Anzeigenkampagne um B2B-Kommunikation handle, die sich an Spezialisten richte. Den Mann von der Strasse werde die Anzeige kaum interessieren, rechtfertigt er sich.
Ad–Rating
Bis Ende Oktober verging kaum ein Tag, an dem das Finanzdebakel der Banque Cantonale Vaudoise (BCV) nicht die Spalten der Presse füllte. Doch seit der ausserordentlichen Generalversammlung der Banquiers vom Lac Léman am 31. Oktober ist Ruhe eingekehrt – zumindest nach aussen. Auch die BCV-Aktie beginnt sich zu erholen und kletterte vom 15. Oktober bis 15. November vom Jahrestief von 86 Franken auf mittlerweile 91 Franken. Freilich: Die Aktionäre haben dafür schwer bluten müssen. Vor genau einem Jahr befand sie sich auf dem Höchstkurs von 355,32 Franken.
Danach begann die Talfahrt. Ausgelöst wurde sie durch die Feststellung der Eidgenössischen Bankenkommission, wonach Risikokredite ungenügend gedeckt worden waren. Der Staat, mit 67,89 Prozent des Aktienkapitals Mehrheitsaktionär, musste in die Bresche springen und schoss Ende Oktober nochmals 1,25 Milliarden Franken ein, nachdem bereits Rückstellungen in der Höhe von 850 und 400 Millionen Franken getätigt worden waren. An der ausserordentlichen Generalversammlung wurde Tabula rasa beschlossen, der Bankrat in die Wüste geschickt, der Verwaltungsrat (VR) massiv verkleinert – von 21 auf 7 Mitglieder – und mit neuen Fachleuten besetzt.
Nicht für den Mann von der Strasse konzipiert
Während der Verwaltungsrat in diesen Krisenmonaten reichlich Prügel von der Presse einstecken musste, platzierte die BCV Anzeigen in eben diesen Medien, um das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen. Anders lässt sich der Claim fürs Asset Management der BCV wohl kaum lesen: «Kompetenzen bündeln um Dienstleistungen zu optimieren.»
Die Kampagne von Pulsion will Menschlichkeit und Kundennähe vermitteln. Das harmonische Gruppenbild mit Männern soll dem Leser suggerieren, dass bei der BCV ein sorgfältig ausgewähltes Team uneingeschränkt für die Bankkunden da ist.
Im Gegensatz zur kürzlich erschienenen Kampagne fürs Private Banking der BCV, in der realiter existierende Anlageberater mitwirkten, handelt es sich bei den Protagonisten in der neuesten Anzeigenkampagne um Models. Wahrscheinlich hätten sich die echten Berater verständlicherweise geziert, im aktuellen Umfeld in Zeitungsinseraten ihr Konterfei zu zeigen.
Privatbanken seien zu weit weg von ihren Kunden und wenig disponibel, ebenso die Grossbanken, deshalb habe die BCV diesen Markt der Vermögensverwaltung institutioneller Anleger für sich entdeckt, meint Alain Ciocca von Pulsion. Eine Kantonalbank sei von ihrer Struktur her sehr nahe beim Kunden, ergänzt der Berater. In der Teppichetage der BCV hat man allerdings lange darüber nachgedacht, ob die Kampagne nicht verschoben werden solle, da sie möglicherweise zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv sein könnte. Schliesslich habe man sich aber doch entschieden, die Sache durchzuziehen, allein schon deshalb, weil der Anzeigenraum bereits reserviert gewesen sei, erklärt Ciocca.
Für ein unaufgeregtes Business as usual entschloss sich auch der Projekt- und Kommunikationsverantwortliche für die institutionelle Vermögensverwaltung, Mauro Salvadori. Der Öffentlichkeit solle signalisiert werden, dass die Bank auch in Krisenmomenten für ihre Kunden da sei. Die Bank wollte in dieser schwierigen Situation nicht in Low Profile machen, begründet Salvadori die Vorwärtsstrategie. Ferner komme hinzu, meint Ciocca, dass es sich bei der Anzeigenkampagne um B2B-Kommunikation handle, die sich an Spezialisten richte. Den Mann von der Strasse werde die Anzeige kaum interessieren, rechtfertigt er sich.
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Lob und Tadel der Ad-Raters zusammengefasst auf www.werbewoche .ch/adrating/comments
