Kreativranking 2015: Blut ist dicker als Tinte
Saatchi & Saatchi Switzerland setzt sich zum ersten Mal an die Spitze des Kreativrankings der Werbewoche. Der Genfer Saatchi-Ableger hat dieses Jahr mit einer einzigen Kampagne die ganze Kreativ-Schweiz überrumpelt. Auch sonst blieb kaum ein Stein auf dem anderen.
Spätestens während der Cannes Lions hat sich abgezeichnet, was zuvor vermutlich niemand erwartet hätte: Saatchi & Saatchi Switzerland wurde zum Titelfavoriten des Kreativrankings 2015. Das lag einerseits an der vergleichsweise mageren Ausbeute der restlichen Schweizer Agenturen an der Côte d’Azur. Anderseits am äusserst erfolgreichen Abschneiden der von den Westschweizern kreierten Kampagne für das österreichische Lifestyle-Schwulen-Magazin Vangardist: zweimal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze. Die Idee, eine anlässlich des Wiener Live Balls publizierte Sonderausgabe mit dem (sterilisierten) Blut von HIV-Positiven zu drucken, war genau nach dem Geschmack der strengen Löwen-Jury. Die Menschen mit ihren Vorurteilen und Ängsten konfrontieren – und das mit einer Auflage von 3000 Exemplaren.
Der erwartete Festival-Höhenflug ging weiter. Doppel-Gold beim renommierten London International Award und zum phänomenalen Jahresabschluss zwei Eurobest-Grand-Prix – nebst erneutem Doppel-Gold und zweifacher Bronze. Die Agentur hat mit der Kampagne übrigens auch bei anderen Wettbewerben Awards gewonnen – für das Kreativranking der Werbewoche hingegen zählen «nur» die erwähnten drei. Das dürfte der Agentur herzlich egal sein, denn dieses Jahr reichte die Punktzahl von 270 für den ersten Platz – letztes Jahr wäre es Platz drei gewesen.
| 2015 | 2014 | Agentur | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | – | Saatchi & Saatchi Switzerland | 270 |
| 2 | 2 | Leo Burnett Schweiz | 265 |
| 3 | Publicis Communications Schweiz | 265 | |
| 4 | 8 | Ruf Lanz | 247 |
| 5 | 1 | Jung von Matt/Limmat | 206 |
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Viel Verkehr an der Spitze
Derart eng wurde es an der Spitze seit Jahren nicht mehr. Mit nur fünf Punkten Rückstand auf den Sieger teilen sich Leo Burnett und Publicis den zweiten Rang. Leo Burnett verteidigt damit den Spitzenplatz vom Vorjahr und führt die kreative Konstanz unbeirrt weiter: Seit 2009 ist die Agentur von der Aemtlerstrasse unter den ersten drei klassiert, seit 2011 sogar in den Top 2. Leo Burnett gewann Gold beim ADC Schweiz, Swiss Poster Award und SDV Award und punktete beim prestigeträchtigen Wettbewerb The Cup.
Auch Publicis scheint sich im Spitzentrio festzusetzen und klassiert sich nach dem steilen Aufstieg seit 2011 (Platz 11) und 2012 (Platz 8) zum dritten Mal in Folge unter den ersten drei. Die Agentur sichert sich die 265 Punkte unter anderem mit starken Auftritten beim Eurobest (zweifach Silber), ADC Schweiz (Gold, siebenfach Silber) und mit einem vollständigen Medaillensatz bei den diesjährigen Epica-Awards. Die bei den spät stattfindenden Wettbewerben Eurobest und Epica prämierte UBS-Vorsorgekampagne wurde erst im September lanciert – man darf also gespannt sein, ob für das nächste Ranking noch weitere Awards hinzukommen.
Zeit zum Verschnaufen bleibt den beiden grossen Podest-Dominatoren der letzten Jahre aber nicht. Nur 18 Punkte trennen Ruf Lanz, die mit zwölf Mitarbeitenden kleinste Agentur im Top-10-Feld, vom Spitzentrio. Die inhabergeführte Zürcher Kreativschmiede hat sich im vergangenen Jahr eine Auszeit von fast allen Wettbewerben gegönnt und meldet sich nun mit starken Auftritten beim ADC Schweiz, beim Swiss Poster Award und mit den einzigen klassierten Schweizer Clio-Punkten zurück im vorderen Feld des Rankings.
Vervollständigt wird die erste Hälfte des Rankings durch den letztjährigen Überflieger Jung von Matt/Limmat. 2014 hat die Agentur – unter anderem mit den Mannequins von Pro Infirmis – bei allen Wettbewerben der oberen, nicht frei wählbaren Ranking-Hälfte kräftig gepunktet und sich mit 624 Zählern an die Spitze vor Leo Burnett (542 Punkte) katapultiert. 2015 sorgen erfolgreiche Auftritte beim ADC Schweiz, Eurobest («The Great Escape») und The Cup (Ausgabe 2014: Mannequins) für den guten fünften Platz im Mittelfeld.
Von Auf-, Ab- und Einsteigern
In der zweiten Hälfte des Rankings treffen zwei Aufsteiger auf drei «Rang-Einbüsser». FCB Zürich macht wie Ruf Lanz vier Plätze gut – nach Saatchi & Saatchi der grösste Schritt, der dieses Jahr in den Top 10 nach vorne genommen wurde. Auch Hinderling Volkart darf sich zu den Gewinnern des Jahres zählen: Die laut Best of Swiss Web-Ranking erfolgreichste Schweizer Digitalagentur 2015 taucht somit zum ersten Mal auch in den Top 10 des Kreativrankings der Werbewoche auf. Hinderling Volkart gewann unter anderem Gold beim ADC Schweiz und gehörte beim Best of Swiss Web 2015 mit zehn Awards zu den grossen Abräumern.
Je drei Plätze eingebüsst haben die Y&R-Gruppe und Wirz Werbung und landen neu auf den Rängen sieben und acht. Wie Jung von Matt/Limmat büsst auch Havas Worldwide vier Positionen ein und bildet mit 57 Punkten den Schlusspunkt der diesjährigen zehn erfolgreichsten Kreativagenturen der Schweiz. An einer Überraschung schnupperte übrigens die kleine Zürcher Agentur Freundliche Grüsse, die dieses Jahr mit der Einlaufmänner-Kampagne für die FCZ-Damen beachtliche 44 Punkte sammelte. Zum Vergleich: 2013 reichten bereits 49 Punkte für den zehnten Platz.
Ausblick 2016
Änderungen für das Ranking 2016 werden im Frühjahr kommuniziert. Es werden keine Awards aus dem Ranking verschwinden – mit einer Ausnahme: Das Spotlight-Festival wird aus der Liste der frei wählbaren Awards entfernt. In den fünf Jahren, in denen der Wettbewerb aufgrund einer Jury-Kooperation zur Auswahl stand, wurde im Ranking kein einziger Punkt ausgewiesen. Die Vermutung, dass der Award bei Schweizer Agenturen eine überschaubare Relevanz geniesst, liegt nahe. Er wird durch das renommierte New York Festival ersetzt. Zusätzlich sollen auch die Punkte des vom Best of Swiss Web abgespaltenen Wettbewerbs Best of Swiss Apps in die Wertung integriert werden. Alle Details werden früh genug auf Werbewoche.ch bekannt gegeben.
Bereits dieses Jahr kam als kleine Ergänzung die Shortlist des Epica-Awards zur Wertung hinzu. Die Liste der Finalisten wurde 2015 von der Award-Organisation zum ersten Mal öffentlich kommuniziert und zugänglich gemacht. In den letzten Jahren war sie folglich nicht im Ranking aufgeführt. Sie ist – wie bei allen anderen Awards – ab sofort fester Bestandteil der Wertung und fliesst in die Punkte mit ein.
Thomas Häusermann

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