Kopf der Woche: «Ich kann gegen Bezahlung mein Allgemeinwissen erweitern»

Iwan Weidmann ist seit April Creative Director bei Grey Worldwide

Iwan Weidmann ist seit April Creative Director bei Grey WorldwideKopf der Woche «Ich kann gegen Bezahlung mein Allgemeinwissen erweitern»
In Rüschlikon am Zürichsee hat Iwan Weidmann seinen beruflichen Heimathafen gefunden. Obwohl er sich eigentlich vorgenommen hatte, nur noch ohne feste Anstellung über das Werbemeer zu segeln. Das Angebot, als kreativer Kapitän bei Grey Worldwide an Bord zu gehen, konnte der 36-Jährige aber doch nicht ausschlagen. «Ich habe mich bisher an keinem Ort wirklich zu Hause gefühlt», bekennt Weidmann, «aber bei Grey stimmt alles: das Menschliche, das Fachliche, das Miteinander. Ich denke, hier passe ich wirklich gut hin.»
Seit seinem Einstieg in die Branche als Juniortexter bei Advico Young & Rubicam hat Weidmann regelmässig zwischen Werbeagenturen und der Selbstständigkeit gependelt. Seine Freelancer-Phasen nutzte er auch, um berufliche Vorstösse in Territorien ausserhalb der Werbung vorzunehmen. Besonderes Augenmerk galt dem Fernsehen: Weidmann verfasste Sendekonzepte für diverse Stationen, schrieb aber auch Fragen für die «Millionärsshow» auf TV 3. «Die Werbung hat mich allerdings nie losgelassen. Ich kann nicht durch die Strassen laufen und gleichgültig an einem Plakat vorbeischauen», begründet er seine Rückkehr in die Branche.
Die Zeiten als Freelancer zeigten auch Grenzen: «Wenn man Ambitionen hat, einen Kunden über längere Zeit zu begleiten und mit ihm eine Entwicklung durchzumachen, muss man bei einer Agentur angestellt sein. Und am besten geht es natürlich als CD», schmunzelt der frisch gebackene Creative Director. Inspiriert sieht er sich von der angelsächsischen Werbung, die kreativ ist, aber das Ziel des Verkaufens immer ins Zentrum stellt. Vor allem hat es ihm die Vielseitigkeit seines Metiers angetan: «Ich kann in der Werbung, ganz egoistisch gesagt, gegen Bezahlung mein Allgemeinwissen erweitern.»
Seinen neuen Posten hat Weidmann von Remo Garbini übernommen, der weiterhin Partner bei Grey Worldwide bleibt und sich künftig als AD und Konzepter betätigt. Sowohl Garbini als auch Greys Chairman Stefan Vogler sind für Weidmann bekannte Gesichter. Er erinnert sich an eine angenehme Zusammenarbeit bei BT&V, der ehemaligen Agentur der Gebrüder Vogler.
Nach wie vor schätzt Weidmann die gute Stimmung in der Agentur und die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter: «Als CD muss ich lediglich eine Coachfunktion übernehmen und die Dinge in Bahnen lenken. Es ist nicht nötig, den Leuten zu sagen, was sie zu tun haben – das wissen sie selber», fasst er die Erfahrungen der ersten zwei Monate zusammen. Die Hauptaufgabe sieht der CD darin, seinen Mitarbeitern die Schere aus dem Kopf zu entfernen. Seine eigene Vorstellung von Werbung will er ihnen ebenso wenig aufzwingen wie seinen Kunden. Denn diese sind für Weidmann Könige. Bruno Amstutz

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