K(l)eine Schlüsselloch-Geschichte

Ein Spot findet nach sechs Jahren dank Sat 1 seinen Auftraggeber

Ein Spot findet nach sechs Jahren dank Sat 1 seinen AuftraggeberUnglaubliche Geschichten schreibt das Werbeleben, und die könnten glatt aus dem Reich der Märchen stammen – wenn sie nicht wahr wären. Dazu gehört etwa die «Whassup»-Kampagne von Budweiser, die vom privaten Blödelvideo zum globalen Award-Abräumer mutierte. Ein hohes Potenzial, in die Geschichtenkategorie «se non è vero, è ben trovato» zu fallen, hat der Werdegang eines Schweizer TV-Spots, der vor sechs Jahren ohne Auftrag entstanden ist und heute in Deutschland für Berlitz-Sprachschulen wirbt.1996 hatten die beiden AY&R-Kreativen, Iwan Weidmann – heute CD bei Grey – und Max Emmenegger – heute Regisseur –, eine Idee für einen Sprachschule-Werbespot. Nur der Kunde fehlte. Anlässlich einer Produktion in den USA bot sich, so Weidmann, «die Gelegenheit, den Spot mit minimalem finanziellem Aufwand zu drehen, da sich das Set einer Produktion im benachbarten Studio dafür geradezu aufdrängte». Und weil die Produzenten nichts gegen die fremde Location-Nutzung einzuwenden hatten und auf dem Gelände Schauspieler en masse waren, realisierte das Duo den Spot nach einem improvisierten Casting auf eigene Kosten.
Darin versucht ein Hotelgast einem Zimmermädchen zu erklären, dass er den Schlüssel im Zimmer vergessen hat und nicht mehr reinkommt. Da sie seine Sprache nicht versteht, weicht er auf eine etwas zweifelhafte Gebärdensprache aus, was die Sache in die Hose gehen lässt. Ebenso wenig Erfolg hatten die beiden Werber als Verkäufer ihres Streifens. So war der Spot, mit dem zufällig gewählten Berlitz-Logo als Absender, sechs Jahre lang nur auf dem Showreel von Emmeneggers Max Films zu sehen.
Der Zufall wollte es, dass dieser über Umwege vor vier Monaten in die Hände einer Mitarbeiterin der Sat-1-Sendung «Die witzigsten Werbespots der Welt» fiel und sie die Macher um Erlaubnis zur Ausstrahlung bat. Der Zufälle nicht genug: Die Werbeverantwortliche von Berlitz Deutschland sah die Sendung und war so begeistert vom Spot, dass sie ihn gleich für Deutschland buchen wollte. Nur wusste bei Berlitz Schweiz niemand etwas vom Spot. So fanden Berlitz und Max Films dank des Senders doch noch zueinander. «Seit sechs Wochen zeigt er auf
n-TV auf humorvolle Weise, welch ungeahnte Folgen Sprachlosigkeit im Ausland haben kann.» Luca Aloisi

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