Kindergarten
Pierre C. Meier über Meinungsdifferenzen und präsidiale Alleingänge.
Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes Schweizer Presse (VSP),
seinen Verbandskollegen die Leviten. Man habe in den vergangenen Jahren
zu wenig zur Einheit und damit zur Stärkung des Verbandes beigetragen
und nur gejammert. Diese Disziplinlosigkeit sei mit ein Grund für die
Erfolglosigkeit der Branche zur Erarbeitung von günstigen
Rahmenbedingungen für die Presse. Andere Branchen seien diszipliniert
und würden gemeinsam kämpfen.
An der gleichen Tagung forderte Lebrument den Verzicht auf
Postsubventionen und staatliche Unterstützung der Presse. Es scheint
aber, dass dies mit dem Präsidium nicht abgesprochen war. Denn nur so
lässt sich erklären, dass Präsidiumsmitglied Guido Blumer, Vorsteher
des Departementes Ethik und Verleger des Winterthurer Stadtblatts, nur
gerade einen Tag später in einem offenen Brief Lebrument an den Karren
fährt und eine Lex Lebrument fordert, die ein Co-Präsidium mit einem
KMU-Repräsentanten ermöglichen soll. Auch die Anti-Presserat-Tirade des
Präsidenten am letztjährigen Verlegerkongress (der Presserat sei «eine
geschwätzige und beliebige Institution») kam nochmals aufs Tapet.
Zwei Wochen später veröffentlichte Lebrument im «Persönlich rot» seine
Gedanken zum Thema Presserat, gewohnt holzschnittartig und saftig. Der
Presserat sei ein «Etikettenschwindel», «beliebig und geschwätzig».
Nachdem der VSP sich seit 20 Jahren vergeblich bemüht habe, Einsitz in den Presserat zu bekommen, habe man jetzt genug, und
der VSP habe sich entschieden, eine eigene Selbstkontrolle aufzubauen.
Das Departement Ethik sei damit beauftragt worden. Guido Blumer, Leiter
eben dieses Ethik-Departementes, meint hingegen auf der Website persönlich.com, dass das Präsidium des VSP die Auffassung seines
Präsidenten nicht teile. Man sei von der hohen Qualität und dem Nutzen
dieser Institution überzeugt, und das geplante Selbstkontrollorgan des VSP sei nur als Ergänzung zum Presserat aufzubauen.
Dieses unsägliche Geplänkel in der Öffentlichkeit bringt gar nichts. Es
mindert nur die Chance, als Branche ernst genommen zu werden. Das kann
ja wohl nicht das Ziel sein.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
