Kettensäge in Hühnerfarm

Mit einer Parodie auf Infomercials wirbt eine US-Hühnerfleischmarke für ihre Produkte

Mit einer Parodie auf Infomercials wirbt eine US-Hühnerfleischmarke für ihre ProdukteVon Thérèse BalduzziWerbung für industriell abgepackte Fleischprodukte ist in aller Regel selten originell. Eine Ausnahme bildet die neue Kampagne der amerikanischen Hühnerfleischmarke Perdue Farms. Sie nimmt die am Fernsehen allgegenwärtigen Infomercials ziemlich deftig aufs Korn.
Wer auch schon unter Schlafstörungen gelitten hat, weiss nur zu gut, was ein Infomercial ist. Vor allem in Amerika, wo diese nachts (und zu anderen billigen Sendezeiten) die Kanäle zahlreich besetzen. Ob sie Küchenapparate, Fitnessmaschinen oder Beautylinien anpreisen: Meist sind sie langatmig und fürchterlich billig gemacht. Teilweise sind sie so schlecht, dass sie schon fast wieder gut sind und eine hypnotische Qualität erlangen, die einen vom Aus- oder Umschalten abhält.
Stattdessen bewundert man die Geschmacklosigkeit der Sets, die als Hintergrund für die Vorführung dienen, oder man amüsiert sich über die beflissen lernwilligen Assistenten und wundert sich über das Publikum, das stets begeistert klatscht.
Der Chairman der Firma waltet im Spot als Kaufmotivator
Auf dieser Hassliebe beruht die neueste amerikanische Kampagne für die Hühnerfleischmarke Perdue Farms von Lowe Lintas & Partners, New York. In den drei Spots «Chicken Tank», «Nuggetizer» und «Chicken Chain Carver» werden Infomercials für ebenso frei erfundene wie absurde Maschinen zur Zubereitung von Hühnerfleisch inszeniert. In «Chicken Tank» wird eine Art Brutkasten vorgeführt, in dem der Demonstrator den Huhnteilen das Fett abschneidet. Selbst das bei Infomercials üblicherweise eingeblendete «Paid Advertisement» fehlt nicht. Das Publikum johlt und klatscht, bis Jim Perdue, Chairman der Firma, mitten im Publikum aufsteht und sagt: «But why not buy Perdue Chicken Breasts?». Während er erklärt, diese seien bereits von jeglichem Fett befreit worden, steuert das Sicherheitspersonal auf ihn zu und führt ihn hinaus.
Das Muster wiederholt sich in «Nuggetizer», in dem der Demonstrator eine Art Fleischwolf vorführt, mit dem man jedes Huhnteil – selbst Innereien und Skelett – in Nuggets verwandeln kann: «Kids won’t have a Clue, what they are eating» («Die Kinder werden keine Ahnung haben, was sie essen»), sagt er, während das Publikum begeistert «Nuggetize it!» schreit. Wieder macht Jim Perdue auf die Chicken Nuggets von Perdue aufmerksam, die nur weisses Hühnerfleisch enthalten.
In «Chicken Chain Carver» werden Hühner mit einer Kettensäge zerlegt. Der Säge fällt letztlich auch noch der Tisch, auf dem sie lagen, zum Opfer. Die Spots verzichten auf Taglines und blenden nur eine Telefonnummer und eine Website-Adresse ein. Die Perdue-Spots wurden von Simon Bowden und David Lowe gestaltet. Regie führte Joe Public.

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