Im Ausland so gut wie zu Hause
Wunder erwartet Edipresse vor allem von den Anzeigenverkäufern und hält sich mit Sparaktionen zurück
Wunder erwartet Edipresse vor allem von den Anzeigenverkäufern und hält sich mit Sparaktionen zurückvon Anita Vaucher Die jüngst veröffentlichten Halbjahreszahlen von Edipresse zeigen, dass sich die Investition in ausländische Märkte in Krisenzeiten auszahlt. Trotzdem bleibt die Schweiz wichtigstes Betätigungsfeld des Westschweizer Big Players im Medienmarkt. Von linearen Rotstiftaktionen hält man in Lausanne nichts: Gespart wird, wenn schon, projektbezogen.
Dass man beim Westschweizer Verleger Edipresse Pläne hegt, in Zukunft räumlich näher zusammenzurücken, hat wenig mit der Wirtschaftskrise zu tun. Der auf drei Gebäude verteilte Konzern gebietet über eine schon global anmutende Printtätigkeit mit Magazinen in Spanien, Portugal, Mexiko, Polen, der Ukraine, Griechenland und Rumänien. Und platzt aus allen Nähten, obwohl der Edipresse-Büroturm an der Avenue de la Gare vor noch nicht allzu langer Zeit komplett renoviert worden ist.
Vom Platzmangel betroffen sind besonders die Redaktionen der Westschweizer Tageszeitungen und Zeitschriften. Deshalb soll im grosszügig konzipierten Verwaltungsgebäude, wo sich auch die Geschäftsleitung einquartiert hat, der Innenraum völlig neu aufgeteilt werden.
Die erste Visite gilt der Teppichetage des Konzerns. Tibère Adler, stellvertretender Generaldirektor, verzichtet gerne auf Anzug und Krawatte und empfängt seine Besucher lieber unkompliziert in Hemd und Pullover. Dass auch sein Büro von raumplanerischen Veränderungen nicht ausgeschlossen wird, stört ihn wenig – selbst wenn er ab Januar 2003 Generaldirektor sein wird.
Diese Haltung ist typisch für die neue Generation an der Spitze des drittgrössten Schweizer Verlags. Adler hat bei Edipresse schon diverse Büros besetzt: Er war zunächst Rechtsberater von Edipresse, wurde Personaldirektor, stand der Administration der Gruppe vor und hat auch Online-Luft geschnuppert, als Geschäftsführer von Edipresse Online.
Adler pflegt einen offenen Stil, was im Haus sehr geschätzt wird. Mitarbeiter lassen durchblicken, dass das nicht immer so gewesen war. Noch vor etwas mehr als einem Jahr musste sich le Patron, Pierre Lamunière, öffentlich Journalistenschelte gefallen lassen. Man warf ihm vor, sich vom siebzigjährigen Marcel Pasche, dem ehemaligen Directeur des publications und der grauen Eminenz im Hause Edipresse, zu sehr beeinflussen zu lassen.
Auslandsengagements spülen Geld in die Edipresse-Kassen
Pierre Lamunière hatte aber das feine Gespür, das operative Geschäft zum richtigen Zeitpunkt zu delegieren und das nötige Mass an Verantwortung an kompetente Mitarbeiter zu übertragen. Gelernt ist gelernt: Bevor er die Brücke des Westschweizer Mediendampfers bestieg, hatte er bei PricewaterhouseCoopers Einblicke in die Dossiers anderer Unternehmen gewonnen.
Dieser transparente Führungsstil wird von den Mitarbeitern derzeit besonders geschätzt, weil allenthalben Sparmassnahmen angekündigt werden, um der Krise zu begegnen. «Wir sind verlagsintern sehr realistisch in Bezug auf die aktuelle Situation, und es wird nichts schöngeredet, aber auch nicht dramatisiert», meint Adler. Im Gegensatz zu Tamedia oder Ringier verfüge Edipresse aber über keinen globalen Sparplan für das Unternehmen, fährt Adler fort.
Gespart wird bei Edipresse projektbezogen. Betroffen davon sind vor allem die administrativen Abläufe, während man die Printprodukte möglichst verschonen will. Obwohl auch die Redaktionen zum Sparen aufgefordert werden und deren Budgets für das kommende Jahr nicht erhöht werden, soll es zunächst keine Entlassungen geben. «Wenn aber das Anzeigenvolumen weiter abnehmen sollte, müssen wir nochmals über die Bücher», erklärt Adler.
Punkto Inserateeinnahmen bewegt sich Edipresse derzeit auf dem Stand von 1998 – im Unterschied zu den Kosten, die im selben Zeitraum gestiegen sind. Edipresse hat aber frühzeitig erkannt, dass der Schweizer Markt nur ein begrenztes Potenzial bietet und dass es einfacher ist, im Ausland weiter zu wachsen. Die Zahlen zeigen, dass sich diese Strategie in der jetzigen Krise bewährt.
Dank des starken Wachstums von Edipresse in Polen (14,7% Mehrumsatz gegenüber dem ersten Halbjahr 2001), Griechenland und der Ukraine ist auch das Gesamtergebnis des ersten Halbjahres 2002 ganz passabel ausgefallen: Zwar verringerte sich der Umsatz um 4% auf 350,698 Millionen Franken, doch blieb unter dem Strich ein Nettoergebnis von 19,650 Millionen Franken – gegenüber dem ersten Semester 2001 nur gerade ein Mini-Einbruch von 2,4%.
Im Gegensatz zu Tamedia, die sich bisher auf die Schweiz konzentrierte und mit ihrem nationalen TV-Experiment Millionen in den Sand setzte, hätte sich Edipresse dezidiert für die Option Auslandstrategie entschieden, erklärt Tibère Adler. Im Moment sei man allerdings eher zurückhaltend mit neuen Investitionen in ausländische Märkte.
Man liebäugle aber auch schon mal mit Akquisitionen in der Deutschschweiz, falls sich die Gelegenheit dazu biete. «Ringier steht aber nicht zur Diskussion», scherzt Adler. Was nicht verwundert, schliesslich hat Edipresse derzeit eine andere Akquisition zu verdauen: Die Wettbewerbskommission wird dieser Tage entscheiden, ob die im Frühjahr getätigte Einkaufstour bei der Corbaz-Gruppe in Montreux den Behörden genehm ist.
Zu Hause muss beginnen, was leuchten soll in der Printwelt
Andere Etage, andere Gesprächspartner, diesmal in den Redaktionen von Edipresse. Was beim Rundgang durch die Büros im Turm auffällt, ist die Höflichkeit des Personals und der angenehme Umgangston. «Gerade darum gefällt es mir hier so gut», erzählt Peter Rothenbühler, Chefredaktor von Le Matin. Auch sonst hat er allen Grund zur guten Laune. Laut der letzten Mach-Basic-Studie ist die Zahl der Leser von Le Matin um 33000 gestiegen, die von Matin Dimanche um 31000 Leser.
Rothenbühler kommt so richtig in Fahrt, wenn er von «seinen» Zeitungen spricht: «In der Redaktion herrscht Aufbruchstimmung, weil Le Matin mit seiner neuen Formel und dem Kleinformat sehr gut ankommt. Die Zeitung ist mit ihren 300000 Lesern in der Westschweiz zum Basismedium geworden.» Am Morgen wollten sich die Leute rasch über die aktuelle Lage informieren, deshalb sei 20 Minuten, das Kurzfutter gut verpackt anbiete, auch so erfolgreich, weiss Rothenbühler. Er ist deshalb überzeugt, dass es in zehn Jahren die kleinen handlichen Morgenzeitungen wie Le Matin für einen ersten Überblick und die umfangreichere Zeitung für den Abend geben wird.
Ähnlich optimistisch äussert sich Alain Jeannet, Chefredaktor von Bilan. Sein Wirtschaftsmagazin befindet sich in der komfortablen Lage, in der Westschweiz praktisch unter Ausschluss von Konkurrenz zu erscheinen. Die Leserzahlen sind von 137000 auf 143000 gestiegen. Bilan ist im Gegensatz zum Wirtschafts- und Finanzblatt L’Agéfi und den Tageszeitungen mit starkem Wirtschaftsteil kaum betroffen vom Rückgang der Finanz- und Stellenanzeigen. Trotzdem will Jeannet mit seinem Team künftig noch grössere Anstrengungen unternehmen, um die Leser mit Qualitätsjournalismus zu überraschen – immerhin drängt im Dezember mit Market Magazine ein neuer Player auf den Markt.
Für Théo Bouchat, verantwortlich für verschiedene Publikationen bei Edipresse, wird die aktuelle Krise schliesslich das Leseverhalten kaum verändern. «Die Forderungen der Leser werden aber anspruchsvoller», stellt er fest. Wie bei anderen Konsumgütern wolle auch der Zeitungskäufer einen reellen Gegenwert für den Preis. Wenn bei Edipresse Überlegungen zur künftigen Finanzierungspolitik der Printprodukte angestellt werden, müsse man sich auch Gedanken darüber machen, wie man den Preis für das Produkt kommunizieren wolle. «Es muss dargelegt werden, welche Leistungen dahinter stehen, damit die fälschlicherweise vorherrschende Meinung, Information sei generell gratis, korrigiert werden kann», betont er. Er überlegt auch, bei den jährlichen Aborechnungen auf den Mehrwert des Produktes hinzuweisen, um den Konsumenten gar nicht erst grübeln zu lassen, ob er jetzt das Zeitungsabo erneuern oder in die Ferien verreisen soll.
Nochmals eine andere Etage, andere Büros, andere Aufgaben: Im Département commercial ist die Stimmung gedrückt. Von dieser Stelle erwartet man nämlich Wunder und vor allem die Budgetzahlen für das nächste Jahr. Pierre Buntschu, verantwortlicher Direktor, bräuchte «eine Kristallkugel, um eine vernünftige Markteinschätzung zu wagen», sagt er betrübt. Den viel beschworenen Silberstreifen am Horizont sieht er erst in weiter Ferne auftauchen, «so gegen Ende 2003».
Die gleichen Töne sind bei Publicitas Léman zu hören, wo das Kombi für 24 Heures, Tribune de Genève und Le Matin Semaine betreut wird. Urs Donatsch, Regionaldirektor von Publicitas, war vor den Sommerferien noch recht optimistisch, doch die kurze Erholungsphase sei «leider nur eine kleine Erhebung in der Talsohle gewesen», klagt er.
Dennoch will man den Inserenten keine allzu grossen Zugeständnisse machen, um das Inseratevolumen anzuheben. «Dies entspricht nicht der Politik des Hauses», meint Donatsch. Falls Le Matin in der Westschweiz definitiv zum Basismedium werde, müsse die hiesige Kombi-Landschaft neu überdacht werden, um einer gewissen Logik im Markt zu folgen, ist er überzeugt. Im Moment funktioniere das Angebot Top3 aber noch gut.
Im Stellenanzeigenmarkt sehen Buntschu und Donatsch Verlagerungen vom Print zu Online. Diese beiden Plattformen müssten sich aber nicht konkurrenzieren. Donatsch träumt von einem ganzseitigen Stelleninserat, das für Details auf die Onlineplattform verweist. Buntschu mag letztlich auch nicht nur schwarz malen. Und verrät en passant, dass einer der wichtigsten Werbeauftraggeber eben die Aufstockung seines Printwerbebudgets für das kommende Jahr bekannt gegeben habe.
Dass man beim Westschweizer Verleger Edipresse Pläne hegt, in Zukunft räumlich näher zusammenzurücken, hat wenig mit der Wirtschaftskrise zu tun. Der auf drei Gebäude verteilte Konzern gebietet über eine schon global anmutende Printtätigkeit mit Magazinen in Spanien, Portugal, Mexiko, Polen, der Ukraine, Griechenland und Rumänien. Und platzt aus allen Nähten, obwohl der Edipresse-Büroturm an der Avenue de la Gare vor noch nicht allzu langer Zeit komplett renoviert worden ist.
Vom Platzmangel betroffen sind besonders die Redaktionen der Westschweizer Tageszeitungen und Zeitschriften. Deshalb soll im grosszügig konzipierten Verwaltungsgebäude, wo sich auch die Geschäftsleitung einquartiert hat, der Innenraum völlig neu aufgeteilt werden.
Die erste Visite gilt der Teppichetage des Konzerns. Tibère Adler, stellvertretender Generaldirektor, verzichtet gerne auf Anzug und Krawatte und empfängt seine Besucher lieber unkompliziert in Hemd und Pullover. Dass auch sein Büro von raumplanerischen Veränderungen nicht ausgeschlossen wird, stört ihn wenig – selbst wenn er ab Januar 2003 Generaldirektor sein wird.
Diese Haltung ist typisch für die neue Generation an der Spitze des drittgrössten Schweizer Verlags. Adler hat bei Edipresse schon diverse Büros besetzt: Er war zunächst Rechtsberater von Edipresse, wurde Personaldirektor, stand der Administration der Gruppe vor und hat auch Online-Luft geschnuppert, als Geschäftsführer von Edipresse Online.
Adler pflegt einen offenen Stil, was im Haus sehr geschätzt wird. Mitarbeiter lassen durchblicken, dass das nicht immer so gewesen war. Noch vor etwas mehr als einem Jahr musste sich le Patron, Pierre Lamunière, öffentlich Journalistenschelte gefallen lassen. Man warf ihm vor, sich vom siebzigjährigen Marcel Pasche, dem ehemaligen Directeur des publications und der grauen Eminenz im Hause Edipresse, zu sehr beeinflussen zu lassen.
Auslandsengagements spülen Geld in die Edipresse-Kassen
Pierre Lamunière hatte aber das feine Gespür, das operative Geschäft zum richtigen Zeitpunkt zu delegieren und das nötige Mass an Verantwortung an kompetente Mitarbeiter zu übertragen. Gelernt ist gelernt: Bevor er die Brücke des Westschweizer Mediendampfers bestieg, hatte er bei PricewaterhouseCoopers Einblicke in die Dossiers anderer Unternehmen gewonnen.
Dieser transparente Führungsstil wird von den Mitarbeitern derzeit besonders geschätzt, weil allenthalben Sparmassnahmen angekündigt werden, um der Krise zu begegnen. «Wir sind verlagsintern sehr realistisch in Bezug auf die aktuelle Situation, und es wird nichts schöngeredet, aber auch nicht dramatisiert», meint Adler. Im Gegensatz zu Tamedia oder Ringier verfüge Edipresse aber über keinen globalen Sparplan für das Unternehmen, fährt Adler fort.
Gespart wird bei Edipresse projektbezogen. Betroffen davon sind vor allem die administrativen Abläufe, während man die Printprodukte möglichst verschonen will. Obwohl auch die Redaktionen zum Sparen aufgefordert werden und deren Budgets für das kommende Jahr nicht erhöht werden, soll es zunächst keine Entlassungen geben. «Wenn aber das Anzeigenvolumen weiter abnehmen sollte, müssen wir nochmals über die Bücher», erklärt Adler.
Punkto Inserateeinnahmen bewegt sich Edipresse derzeit auf dem Stand von 1998 – im Unterschied zu den Kosten, die im selben Zeitraum gestiegen sind. Edipresse hat aber frühzeitig erkannt, dass der Schweizer Markt nur ein begrenztes Potenzial bietet und dass es einfacher ist, im Ausland weiter zu wachsen. Die Zahlen zeigen, dass sich diese Strategie in der jetzigen Krise bewährt.
Dank des starken Wachstums von Edipresse in Polen (14,7% Mehrumsatz gegenüber dem ersten Halbjahr 2001), Griechenland und der Ukraine ist auch das Gesamtergebnis des ersten Halbjahres 2002 ganz passabel ausgefallen: Zwar verringerte sich der Umsatz um 4% auf 350,698 Millionen Franken, doch blieb unter dem Strich ein Nettoergebnis von 19,650 Millionen Franken – gegenüber dem ersten Semester 2001 nur gerade ein Mini-Einbruch von 2,4%.
Im Gegensatz zu Tamedia, die sich bisher auf die Schweiz konzentrierte und mit ihrem nationalen TV-Experiment Millionen in den Sand setzte, hätte sich Edipresse dezidiert für die Option Auslandstrategie entschieden, erklärt Tibère Adler. Im Moment sei man allerdings eher zurückhaltend mit neuen Investitionen in ausländische Märkte.
Man liebäugle aber auch schon mal mit Akquisitionen in der Deutschschweiz, falls sich die Gelegenheit dazu biete. «Ringier steht aber nicht zur Diskussion», scherzt Adler. Was nicht verwundert, schliesslich hat Edipresse derzeit eine andere Akquisition zu verdauen: Die Wettbewerbskommission wird dieser Tage entscheiden, ob die im Frühjahr getätigte Einkaufstour bei der Corbaz-Gruppe in Montreux den Behörden genehm ist.
Zu Hause muss beginnen, was leuchten soll in der Printwelt
Andere Etage, andere Gesprächspartner, diesmal in den Redaktionen von Edipresse. Was beim Rundgang durch die Büros im Turm auffällt, ist die Höflichkeit des Personals und der angenehme Umgangston. «Gerade darum gefällt es mir hier so gut», erzählt Peter Rothenbühler, Chefredaktor von Le Matin. Auch sonst hat er allen Grund zur guten Laune. Laut der letzten Mach-Basic-Studie ist die Zahl der Leser von Le Matin um 33000 gestiegen, die von Matin Dimanche um 31000 Leser.
Rothenbühler kommt so richtig in Fahrt, wenn er von «seinen» Zeitungen spricht: «In der Redaktion herrscht Aufbruchstimmung, weil Le Matin mit seiner neuen Formel und dem Kleinformat sehr gut ankommt. Die Zeitung ist mit ihren 300000 Lesern in der Westschweiz zum Basismedium geworden.» Am Morgen wollten sich die Leute rasch über die aktuelle Lage informieren, deshalb sei 20 Minuten, das Kurzfutter gut verpackt anbiete, auch so erfolgreich, weiss Rothenbühler. Er ist deshalb überzeugt, dass es in zehn Jahren die kleinen handlichen Morgenzeitungen wie Le Matin für einen ersten Überblick und die umfangreichere Zeitung für den Abend geben wird.
Ähnlich optimistisch äussert sich Alain Jeannet, Chefredaktor von Bilan. Sein Wirtschaftsmagazin befindet sich in der komfortablen Lage, in der Westschweiz praktisch unter Ausschluss von Konkurrenz zu erscheinen. Die Leserzahlen sind von 137000 auf 143000 gestiegen. Bilan ist im Gegensatz zum Wirtschafts- und Finanzblatt L’Agéfi und den Tageszeitungen mit starkem Wirtschaftsteil kaum betroffen vom Rückgang der Finanz- und Stellenanzeigen. Trotzdem will Jeannet mit seinem Team künftig noch grössere Anstrengungen unternehmen, um die Leser mit Qualitätsjournalismus zu überraschen – immerhin drängt im Dezember mit Market Magazine ein neuer Player auf den Markt.
Für Théo Bouchat, verantwortlich für verschiedene Publikationen bei Edipresse, wird die aktuelle Krise schliesslich das Leseverhalten kaum verändern. «Die Forderungen der Leser werden aber anspruchsvoller», stellt er fest. Wie bei anderen Konsumgütern wolle auch der Zeitungskäufer einen reellen Gegenwert für den Preis. Wenn bei Edipresse Überlegungen zur künftigen Finanzierungspolitik der Printprodukte angestellt werden, müsse man sich auch Gedanken darüber machen, wie man den Preis für das Produkt kommunizieren wolle. «Es muss dargelegt werden, welche Leistungen dahinter stehen, damit die fälschlicherweise vorherrschende Meinung, Information sei generell gratis, korrigiert werden kann», betont er. Er überlegt auch, bei den jährlichen Aborechnungen auf den Mehrwert des Produktes hinzuweisen, um den Konsumenten gar nicht erst grübeln zu lassen, ob er jetzt das Zeitungsabo erneuern oder in die Ferien verreisen soll.
Nochmals eine andere Etage, andere Büros, andere Aufgaben: Im Département commercial ist die Stimmung gedrückt. Von dieser Stelle erwartet man nämlich Wunder und vor allem die Budgetzahlen für das nächste Jahr. Pierre Buntschu, verantwortlicher Direktor, bräuchte «eine Kristallkugel, um eine vernünftige Markteinschätzung zu wagen», sagt er betrübt. Den viel beschworenen Silberstreifen am Horizont sieht er erst in weiter Ferne auftauchen, «so gegen Ende 2003».
Die gleichen Töne sind bei Publicitas Léman zu hören, wo das Kombi für 24 Heures, Tribune de Genève und Le Matin Semaine betreut wird. Urs Donatsch, Regionaldirektor von Publicitas, war vor den Sommerferien noch recht optimistisch, doch die kurze Erholungsphase sei «leider nur eine kleine Erhebung in der Talsohle gewesen», klagt er.
Dennoch will man den Inserenten keine allzu grossen Zugeständnisse machen, um das Inseratevolumen anzuheben. «Dies entspricht nicht der Politik des Hauses», meint Donatsch. Falls Le Matin in der Westschweiz definitiv zum Basismedium werde, müsse die hiesige Kombi-Landschaft neu überdacht werden, um einer gewissen Logik im Markt zu folgen, ist er überzeugt. Im Moment funktioniere das Angebot Top3 aber noch gut.
Im Stellenanzeigenmarkt sehen Buntschu und Donatsch Verlagerungen vom Print zu Online. Diese beiden Plattformen müssten sich aber nicht konkurrenzieren. Donatsch träumt von einem ganzseitigen Stelleninserat, das für Details auf die Onlineplattform verweist. Buntschu mag letztlich auch nicht nur schwarz malen. Und verrät en passant, dass einer der wichtigsten Werbeauftraggeber eben die Aufstockung seines Printwerbebudgets für das kommende Jahr bekannt gegeben habe.
