«Ich habe keinen Computer»

Michael Barney rückt als Texter bei Soldini Bienenfeld wieder näher zum Kunden heran.

Michael Barney rückt als Texter bei Soldini Bienenfeld wieder näher zum Kunden heran.Auch mit 20 Dienstjahren in der Werbung ist Texter Michael Barney überzeugt: «Ich habe GGK nach wie vor in mir drin.» Dieser Agenturvirus wurde ihm 1981 in Hamburg eingepflanzt, «als Paul Gredinger überall seine vielen Kaninchenställe hatte». In der Hansestadt hat er neben GGK auch noch bei Lintas gedient sowie zwischendurch bei Saatchi & Saatchi in Frankfurt.1998 ist er in die Schweiz gekommen, weil er als Freelancer für
J. Walter Thompson an einem Pitch für das erste kleine Handy von Siemens den Claim «Be Inspired» erfunden hat. Das war aber nicht seine erste Reise nach Zürich gewesen.
Da gab es nämlich auch noch ein Fachblatt mit dem schönen Namen Das Schaufenster. Darin wurden die besten Schaufenster der Welt vorgestellt – auch die des Zürcher Warenhauses Globus. «Wär’ doch schön, wenn ich mal in Zürich arbeiten könnte», dachte sich Barney. Und blieb. Nicht als Dekorateur, sondern als Werbetexter.
Tatsächlich: Lange Jahre ist es her, da hat Barney das Handwerk des Schaufenstergestalters von der Pike auf erlernt, in Herford, Ostwestfalen. Danach wollte er mit dem Wissen um die optische Wirkung schöner Fenster Grafiker werden. Doch beim beabsichtigten Wechsel auf die Kunstschule wurde festgestellt, dass er unter einer Grün-Rot-Farbenschwäche litt. Barney musste sich umorientieren und stieg als Junior-Texter in einer Agentur ein, arbeitete zeitweilig auch als Cartoonist – «immer im Raum Herford/Bielefeld», wie der Texter betont. Doch kaum in Hamburg und dort unter die Fittiche der GGK-Granden genommen, folgten schon die ersten Preise – und 1982 die Berufung in den ADC Deutschland.
In der Schweiz waren seine wichtigsten Stationen drei Jahre bei
Lowe GGK und zuvor ein Jahr bei TWBA in Küsnacht. Dort hat er 1999 Frank Bienenfeld und Mark Soldini kennen gelernt. An diese Begegnung knüpfte der Texter nun wieder an, nachdem sein Team bei Lowe weggespart worden war. Er freut sich auf die neue Herausforderung. Bei Soldini Bienenfeld möchte sich Barney wieder vermehrt persönlich um seine Kunden kümmern. Da passt es auch zu seinem Stil, dass er seine Texte nach wie vor von Hand zu Papier bringt – mit einem Füller, versteht sich. «Ich habe kein Auto, keinen Computer und auch kein Handy», verrät der Werber – vielleicht der wichtigste Grund, weshalb er damals den Pitch für das Siemens-Handy mit gewonnen hat. Und er verneint nicht, dass er mit dieser Charakterisierung irgendwie die Aura eines Schriftstellers pflegt. «Ich bin ein Flaneur. Ich liebe Strassencafés und das Beobachten von Menschen.»
Doch den Traum vom grossen Roman, den wohl alle Texter träumen, will er nie in die Tat umsetzen. Grosses Ehrenwort – obwohl er’s könnte: Der ehemalige Dozent der Texterschmiede in Hamburg hat auch für die deutsche Fachzeitschrift Horizont sowie später für die Werbewoche unzählige Kolumnen verfasst, in denen stets eine von Barney angebetete mysteriöse «schöne Claudine» die Leser rätseln liess, wer sie denn nun sei. Heute lüftet er den Schleier um die Schöne gerne, aber nur ein bisschen: «Nach drei Jahren habe ich sie eben wieder getroffen», schmunzelt er.
Wenn er nicht für die Werbung den Füller ansetzt, entstehen Briefe unter seiner Feder. Er hat sich dazu Rituale eingerichtet: Jeden Samstag schreibt er in der Brasserie Lipp. Jeden Sonntag gehts ins Grand Hotel Dolder. In der grossen Halle schreibt er an seinen 84-jährigen Vater. Dieses allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Schreiben bezeichnet er als «sein tägliches Training». Exerzitien, die er vor allem für sein Berufsverständnis als notwendig erachtet und aus denen ein wenig Verachtung für die derzeitige Fixierung der CDs aufs Bild spricht: «Das geschriebene Wort vermittelt genauso viel Emotion wie ein Bild», meint er und erinnert an die Wirkung des Claims «Geiz ist geil», der schon zum geflügelten Wort geworden sei.
Flaniert auch gerne in den Herzen schöner Frauen: Texter Michael Barney.

Andreas Panzeri

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